, 05.06.2021

Knapp zehn Jahre lang stand der türkische Fußballerstligist Fenerbahçe im Schatten eines vorgeblichen Wettbetrugs-Skandals. Nachdem bereits 2015 bekannt wurde, dass es sich um einen Komplott gegen den Club handelte, wurden am Freitag zwei Mitglieder der zur Gülen-Bewegung gehörigen Terror-Organisation FETÖ von einem Gericht in Istanbul zur Rechenschaft gezogen.

 

Wie türkische Medien berichten, sei der ehemalige Chef des mittlerweile geschlossenen Medienhauses Samanyolu, Hidayet Karaca, zu insgesamt 1.406 Jahren Haft verurteilt worden. Der ehemalige Polizist Lokman Yanık, der sich den Komplott damals ausgedacht haben soll, sei zu 161 Jahren Haft verurteilt worden.

 

Insgesamt sei im Rahmen der Fußball-Verschwörung gegen 88 Personen ermittelt worden, darunter weitere Polizisten sowie Inhaber und Mitarbeiter von Zeitungen und Medienhäusern. Die Anklagepunkte lauteten illegales Abhören, Fälschung, Verleumdung und Mitgliedschaft bei einer terroristischen Vereinigung. Die Urteilsverkündungen stünden noch aus.

 

Der Wettbetrugs-Skandal, der keiner war

Als Anhänger der FETÖ soll der Ex-Polizist Yanık im Jahr 2011 eine Ermittlung wegen Wettbetruges gegen den Fußballclub Fenerbahçe ins Rollen gebracht haben. Er habe damals einen Bericht mit Anschuldigungen und mutmaßlichen Indizien verfasst. Der damalige Club-Chef Aziz Yıldırım und andere Vorstandsmitglieder seien zu diesem Zweck unter anderem illegal abgehört worden.

Die Vorwürfe und komplottierten Ermittlungen hatten 2012 zur Inhaftierung Yıldırıms und einiger anderer Vorstandsmitglieder geführt. Nachdem die Männer die Anschuldigungen jahrelang von sich gewiesen hatten und erklärten, dass die Tonaufnahmen manipuliert worden seien, kam es 2015 schließlich zum Freispruch. Die Richter, die den Club-Vorstand verurteilt hatten, wurden anschließend ihrerseits verhaftet. Auch diese wurden mit der FETÖ und dem im Juli 2015 ausgeführten Putschversuch auf die Regierung in Verbindung gebracht.

Fenerbahçe fordert Gerechtigkeit

Obwohl sich sämtliche Anschuldigungen der Spielmanipulation und des Wettbetrugs schon vor Jahren als falsch herausgestellt haben, hat der Club auch heute noch mit den negativen Folgen des Komplotts zu kämpfen. Am Donnerstag, dem Tag vor der großen Gerichtsverhandlung, trat der aktuelle Club-Chef Ali Koç vor die Presse.

 

Mit der Verurteilung der FETÖ-Mitglieder gehe ein langer Kampf zu Ende. Der Club habe als Gemeinschaft viel Schmerz und viele Mühen ertragen und zahlreiche schlaflose Nächte verbracht.

Wir denken, dass der Prozess nun zum Ende kommt. […] Diejenigen, die uns damals niedergeschlagen haben, finden sich heute am anderen Ende wieder. Das alles wird nie vergessen. Der glorreiche Kampf von Fenerbahçe ist in die Geschichte eingraviert.

Er hoffe, dass durch die Verurteilung ansatzweise Gerechtigkeit entstehe. Jedoch könne weder der materielle noch der moralische Schaden, den die Verurteilten verursacht hätten, je wieder gut gemacht werden. Nichtsdestotrotz sei der Club stolz, den langen Kampf schließlich im Namen von Millionen von Fans gewonnen zu haben.