, 06.04.2021

Das Fürstentum Liechtenstein hat innerhalb von nur vier Jahren fünf Spielbanken genehmigt, gebaut und eröffnet. Ein sechstes Casino soll noch in diesem Monat in Betrieb genommen werden. Wie die Zeitung Vaterland heute Morgen berichtet hat, könnte der Glücksspiel-Boom im kleinen Alpenstaat noch lange kein Ende finden.

 

Es gebe konkrete Hinweise darauf, dass noch mindestens drei weitere Casino-Projekte im Gespräch seien. In einem Fall gehe es „unbestätigten Informationen zufolge“ um ein Grundstück in der Gemeinde Schaan. Diese würde damit bereits ihre dritte Spielbank beherbergen.

 

Wird das Fürstentum Liechtenstein somit mit fortlaufendem Trend zum neuen Las Vegas in Europa? Viele Anwohner beäugten diese Option mit großer Sorge, heißt es in den Medien. Nicht nur könnten die Casinos zu einem Anstieg von Spielsucht im Land führen, sondern auch den Ruf des Fürstentums nachhaltig beeinträchtigen, so die Befürchtungen.

Das Fürstentum Liechtenstein erstreckt sich über eine Fläche von 160 km². Damit ist der Staat etwas weniger als halb so groß wie Las Vegas (352 km²) aber knapp fünfmal so groß wie Macau (30,3 km²). Von den 136 Casinos in Las Vegas und den 41 Casinos in Macau ist das Fürstentum jedoch noch weit entfernt. Selbst um die Casino-Dichte von Las Vegas zu erreichen, müsste Liechtenstein insgesamt 64 Spielbanken eröffnen. Dies dürfte angesichts der deutlich geringeren Einwohner- und Touristenzahl nicht realistisch sein.

Die Regierung Liechtensteins besänftigte die Bevölkerung bislang damit, dass sich das Marktpotenzial nach einer bestimmten Anzahl von Anbietern automatisch erschöpfe. Es würde zum Verdrängungswettbewerb kommen, der den Bau weiterer Spielstätten nicht mehr lukrativ gestalten würde.

 

Laut Vaterland scheint dieser vorhergesagte Zustand jedoch längst nicht erreicht. Die „Casinoschwemme“ setze sich fort. Während ein einziges Casino zwar kein ausreichendes Angebot schaffen könne, um das Marktpotenzial im Alleingang auszuschöpfen, trügen zu viele Casinos auch nicht zu einer Optimierung des Marktes bei, so die Zeitung.

 

Wer steckt hinter dem neuesten Casino-Plan?

Bei Erkundigungen über die potenziellen Betreiber des noch unbestätigten Casinos Nr. 7 hätten die Spuren ins Ausland geführt. Das anvisierte Grundstück gehöre zunächst der in Liechtenstein registrierten Firma Cara AG. Deren Eigentümerin sei jedoch die maltesische Seldon Ltd., die ihrerseits eine Tochterfirma der ebenfalls maltesischen Xelor Holding sei.

 

Diese Firmen selbst haben keinen Internetauftritt. Jedoch lässt sich aus Online-Datenbanken entnehmen, dass Reinold Bauer, Geschäftsführer der österreichischen Glücksspielfirma Amatic Industries GmbH, der Mehrheitseigner der Xelor Holding sei. Vaterland habe Bauer bislang nicht für eine Stellungnahme erreichen können.

 

Doch auch weitere Namen führten nach Österreich. So seien Andreas Hofer und Christian Gernert Aufsichtsratsmitglieder der Cara AG in Liechtenstein. Hofer sei gleichzeitig Prokurist bei Amatic und Gernert betreibe in Österreich Spielsalons mit Amatic-Software. Ob sich die Spekulationen um den Standort und die Betreiber des Casinos jedoch bestätigen, bleibt zunächst abzuwarten.

Similar Guides On This Topic