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Was sind die Vorteile des legalen Online Glücksspiels?

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Das Online Glücksspiel in zahlreichen Formen war in Deutschland lange Zeit illegal. Die Überarbeitung der Glücksspielgesetze brachte eine Regulierung und Liberalisierung. Die wichtigste Neuerung für viele Spieler war die grundsätzliche Erlaubnis von Online Casinos, Online Poker und weiteren Spielformen.

Gibt es im Detail weitere Vorteile des legalen Online Glücksspiels? Wir betrachten, was die Regulierung des deutschen Marktes für Online Glücksspiel Positives bringen kann.

Legalisierung des Online Glücksspiels in Deutschland

Ab Juli 2021 gilt in Deutschland der Dritte Glücksspielstaatsvertrag, der das Online Glücksspiel neu reguliert. Bereits jetzt ist eine Übergangsregelung in Kraft, welche bestehende Anbieter duldet, sofern diese die Auflagen für eine zukünftige Lizenz schon erfüllen.

Zu den gesetzlichen Neuerungen zählen:

  • Erhalt des staatlichen Lotterie Monopols
  • Zulassung von Online Casinos, Online Slots und Online Poker
  • Erlaubnis von Glücksspiel Werbung im Internet unter Auflagen
  • Erlaubnis für Ereigniswetten im Sport
  • Neue Regeln für den Spielerschutz und automatisierte Systeme für Suchtprävention

 

Der Dritte Glücksspielstaatsvertrag

Der Staatsvertrag zum Glücksspielwesen in Deutschland, kurz Glücksspielstaatsvertrag oder GlüStV, besteht zwischen allen 16 deutschen Bundesländern und schafft einen bundeseinheitlichen Rahmen für Glücksspielgesetze. Die Bundesländer setzen den Vertrag durch Landesgesetze um. Die inzwischen dritte Überarbeitung, genannt Dritter Glücksspieländerungsstaatsvertrag, trat am 1. Januar 2020 in Kraft. Eine Übergangsphase läuft bis zum 30. Juni 2021.

Vorteile für Spieler durch legales Online Glücksspiel

Wenn das Glücksspiel so gefährlich ist, warum ist es dann erlaubt? Bislang mussten sich deutsche Spieler diese Frage stellen. Der Gesetzgeber argumentierte nämlich, Ziel der Glücksspielgesetze sei es auch, die Spieler zu schützen.

In der Folge galten die verbotenen Online Glücksspiele als gefährlicher, die Frage war allerdings: Geht die Gefahr von der Spielform an sich aus, oder vom Mangel an Regulierung.

Zum Vorteil der Spieler kann die Regulierung hier jetzt Klarheit schaffen. Das legale Online Glücksspiel in Deutschland bringt Spielern folgende Vorteile:

Mehr Sicherheit durch Lizenzen einer Regulierungsbehörde

Die Rechtslage zum Online Glücksspiel sorgte bei Spielern lange Zeit für Unsicherheit. Grundlage der Gesetzgebung ist das Staatsmonopol auf die Veranstaltung von Glücksspielen.

Deutschland verweigerte privaten Anbietern aus dem Inland und Rest-Europa den Zugang zum Markt, stellte aber auch kein einheitliches Vergabeverfahren für Zulassungen bereit. Ein derartiges Festhalten am Monopol stand im Konflikt mit geltendem EU-Recht.

Resultat war eine Grauzone: Nach europäischem Recht konnten deutsche Spieler bei Online Glücksspiel Anbietern mit EU Lizenz spielen, der Gesetzgeber hierzulande beharrte aber auf der Illegalität.

Der neue Glücksspielstaatsvertrag sieht eine zentrale deutsche Regulierungsbehörde vor, welche bei Erfüllung der entsprechenden Anforderungen eine Zulassung erteilen kann. Dies sollte den Graubereich beenden und die Unterscheidung eines regulierte und nicht-regulierten Marktes aus der Welt schaffen.

In Zukunft können Spieler an einer vorhandenen, deutschen Lizenz festmachen: Ja, hier kann ich legal spielen. Im Gegenzug können unlizenzierte Internetseiten durch Netzsperren für Deutschland blockiert werden.

Die neue Regulierungsbehörde hat ihre Arbeit noch nicht aufgenommen, weshalb unter anderem die Übergangsphase gilt. Unter die Zuständigkeit fällt dann aber auch die Glücksspielaufsicht. Somit wissen Spieler, dass etwaige Verstöße oder Vergehen der Betreiber auch geahndet werden können.

Spielerschutz und Suchtprävention

Nach wie vor sind es gleichrangige Ziele der deutschen Glücksspielgesetzgebung, nicht nur das unerlaubte Spiel einzuschränken, sondern auch Spielerschutz zu gewährleisten und die Spielsucht wirksam zu bekämpfen.

Durch die gesetzliche Regelung hat die deutsche Glücksspielaufsicht erstmals die Möglichkeit, in das Online Glücksspiel mit Regeln einzugreifen und diese gegebenenfalls anzupassen, wie es beispielsweise in anderen regulierten Märkten der Fall ist.

Zu den neuen Regeln für das regulierte Online Glücksspiel in Deutschland zählen:

  • Panikbutton: Spieler müssen sich schnell und einfach selbst sperren können für eine Dauer von 24 Stunden.
  • Glücksspielseiten müssen an die bundesweite Sperrdatei angeschlossen sein, sodass übergreifende Sperren möglich sind.
  • Einzahlungslimit von maximal 1.000 € pro Monat für Spieler auf allen Online Casino Seiten.
  • Einsatzlimit von maximal 1 € pro Spin an Online Slots.
  • Regelmäßige Benachrichtigung über Gewinne und Verluste.
  • Einschränkung der Werbung.
  • Trennungsgebot: Unterschiedliche Spielformen wie etwa Online Casino Spiele und Sportwetten sind strikt zu trennen.

Wie deutsche Glücksspieler den neuen Maßnahmen gegenüber eingestellt sind hat casinoonline.de unter anderem in einer umfangreichen Studie zum deutschen Glücksspielmarkt untersucht.

Das problematische und pathologische Spielverhalten, mit anderen Worten die Spielsucht, ist in Deutschland durch mehrere Studien belegt. Zwischen circa 0,3% und 0,7% der Bevölkerung weisen problematisches, rund 0,2% bis 0,85% weisen pathologisches Spielverhalten auf.

Das entspricht in absoluten Zahlen zwischen rund 150.000 und 340.000 problematischen Spielern und zwischen 100.000 und 300.000 pathologischen Spielern, denen jeweils ein Schaden durch die Teilnahme an Glücksspielen entsteht.

Anzahl pathologischer und problematischer Glücksspieler in Deutschland

Anzahl der pathologischen und problematischen Glücksspieler bis 2020 (Quelle).

Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA belegen, dass Online Glücksspiele von suchtgefährdeten Personen häufiger angefragt werden. Studien stufen das Suchtpotenzial von Online Glücksspiel und insbesondere Online Casino Spielen höher als bei anderen Spielformen wie dem stationären Glücksspiel ein.

Dazu tragen Faktoren wie Verfügbarkeit, die Ereignisfrequenz, die Interaktivität der Spiele, Spiel um virtuelle Münzen sowie Spielgeschwindigkeit und Design bei. In der Vergangenheit war eine Einflussnahme auf den nicht-regulierten Markt unmöglich.

Mit der Regulierung von Online Glücksspiel lässt sich auch das Suchtpotenzial einzelner Spiele oder Spielformen bestimmen und einschränken oder reduzieren, etwa durch Vorgaben für Spielabläufe.

Dies ist bei Online Slots beispielsweise schon der Fall: Eine Mindestdauer der einzelnen Spielrunden soll „Turbo-Spins“ und ein „Daddeln“ mit hoher Geschwindigkeit verhindern.

Zahlungssperren und Verfügbarkeit von Zahlungsmethoden

Eigentlich ist das Durchführen oder Mitwirken bei Zahlungsvorgängen an illegale Glücksspielanbieter bereits jetzt untersagt. Großflächig angelegte und ernstzunehmende Maßnahmen der Bundesfinanzaufsicht zur Unterbindung gab es in der Vergangenheit aber nicht. Trotzdem haben sich einige Zahlungsdienste aufgrund von rechtlichen Risiken aus dem Geschäft mit Online Casinos und Internet Glücksspiel zurückgezogen.

Spieler können mit der Legalisierung des Online Glücksspiels auf eine Gegenentwicklung hoffen. Zahlungsdienstleister wie beispielsweise PayPal können zurückkommen und mit lizenzierten Glücksspielseiten zusammenarbeiten.

Der Effekt wäre eine möglichst breite Auswahl an bequemen und sicheren Zahlungsmethoden bei Online Casino Seiten und Internet Glücksspielanbietern.

Im Gegenzug sollte bestenfalls eine Zahlungssperre für unlizenzierte Angebote wirken. Falls sich ein Spieler dann doch bei einer illegalen Seite registriert, könnte eine Einzahlung verhindert werden, sodass gar nicht erst die Situation entsteht, dass Spieler Geld an nicht zugelassene Anbieter verlieren.

Zugewinn an Lebensqualität

Ein Schaden für Betroffene sowie die Volkswirtschaft durch die Folgen von Spielsucht lässt sich bemessen und in Zahlen ausdrücken. Weitaus schwieriger ist es, die positiven Auswirkungen des Glücksspiels zu bemessen, auch wenn dies in Studien untersucht wurde.

Es lässt sich aber sagen, dass nur ein Bruchteil der deutschen Bevölkerung sowie der Spieler von Suchtproblemen betroffen sind. Die Verfügbarkeit von Online Glücksspiel stellt für die vielen Gelegenheitsspieler einen Unterhaltungswert dar. Der reine Geldgewinn ist nur einer der Gründe für die Spielteilnahme. Ein breiteres Glücksspielangebot gibt Spielern mehr Auswahlmöglichkeiten, gerade wenn auch Spiele mit sozialer Komponente wie Online Poker darunter sind.

Eine Legalisierung des Online Glücksspiels verhilft dem Spielen zu neuem Ansehen und einer gewissen Normalisierung. Die Auffassung vom Spieler bewegt sich zwischen den Extremen des Suchtkranken mit einer Störung, wenn der Spieler verliert, und dem ruchlosen, geldgierigen Zocker, wenn er gewinnt.

Ein regulierter Markt kann den Unterhaltungswert der Gelegenheitsspieler in den Vordergrund rücken und einen Wegfall des Stigmas mit sich bringen, das dem Bild des Spielers anhaftet.

Mehr Gemeinwohl durch legales Online Glücksspiel

Nicht nur die Spieler selbst profitieren von einem regulierten Markt, auch die Allgemeinheit in Deutschland hat Vorteile:

Steuereinnahmen durch Online Glücksspiel

Bislang sind dem deutschen Staat durch den nicht-regulierten Online Glücksspielmarkt mögliche Steuereinnahmen verloren gegangen. Ein regulierter Markt bringt erstmals Transparenz, wo Deutsche spielen und welche Einnahmen in welcher Höhe besteuert werden können.

Bei Staatseinnahmen mit Glücksspiel jeglicher Art gilt grundsätzlich, dass der Nutzen die Kosten mitzutragen hat. Die Einnahmen müssen also über dem liegen, was der Staat für die Regulierung, etwa in der Form der neuen Behörde, sowie für den beispielsweise durch Spielsucht entstandenen Schaden ausgibt.

Stuereinnahmen Glücksspielmarkt Deutschland

Steuereinnahmen durch den Glücksspielmarkt in Deutschland in den Jahren 2017 und 2018 in Millionen Euro (Quelle PDF).

Die Ausarbeitung der Glücksspielgesetze ist Ländersache. Das Bundesfinanzministerium aber ist zuständig für die Steuern, die auf Lotterien, Pferde- und Sportwetten erhoben werden. Das Online Glücksspiel könnte hier mit aufgenommen werden, einen konkreten Entwurf gibt es allerdings noch nicht. Die Länder schätzen die möglichen Mehreinnahmen auf eine Milliardenhöhe.

Diese Schätzung beruht auf einem Vorschlag für eine Steuer von 5,3 Prozent auf Online Poker sowie von 8 Prozent auf Online Slots. Besteuert werden dabei die Spieleinsätze: Von jedem Euro Einsatz an einem Online Spielautomat flössen dann 8 Cent an den Staat.

Staatseinnahmen durch Glücksspiel sind auf folgende Weise möglich:

  • Durch die eigene Veranstaltung von Glücksspielen (staatliche Casinos, Lotto und Toto)
  • Besteuerung von zugelassenen privaten Angeboten (Vergnügungssteuer)
  • Gebühren für die Vergabe einer Lizenz
  • Durch Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer und Steuer auf Löhne und Gehälter

Grossgewinne deutscher Lotto und Toto Block

Rennwett- und Lotteriesteuereinnahmen der Länder in Deutschland von 2009 bis 2019 in Millionen Euro (Quelle PDF).

Eine Besteuerung von Spielergewinnen findet in Deutschland nicht statt.

Die Einnahmen des Staates durch Glücksspiel sind in vielen Fällen zweckgebunden und müssen für wohltätige Zwecke zum Allgemeinwohl verwendet werden, etwa für die Förderung des Breitensports oder den Denkmalschutz. Wenn die Besteuerung von Online Glücksspiel in bestehende Steuergesetze aufgenommen wird, gilt sicherlich Ähnliches für die Online Einnahmen.

Abschließend ist festzuhalten, dass die Steuereinnahmen ein positiver Nebeneffekt der Regulierung sind, aber nicht als Hauptgrund für die Regulierung gelten dürfen. Das europäische Recht erkennt als Gründe für die Regulierung den Spielerschutz und die Suchtbekämpfung an, aber nicht fiskalische Interessen des Staates.

Kriminalitätsprävention

Verfügbare Glücksspielangebote können einen Einfluss auf die Kriminalität haben und ein Ziel der Regulierung ist hier auch die Prävention und Reduzierung. Legales Spiel soll unlizenzierte Anbieter zurückdrängen, Kriminalität rund um die Spielsucht soll verhindert oder verringert werden und weitere Kriminalität wie Geldwäsche oder Betrug soll unterbunden werden.

Bei der Begleitkriminalität im Zusammenhang mit Glücksspiel beschäftigt sich die Forschung vor allem mit pathologischen Spielern. Glücksspielsucht ist teuer, sodass es bei Süchtigen zu Beschaffungskriminalität kommen kann, um den Spieltrieb weiterhin befriedigen zu können.

Zahlreiche Studien zeigen, dass pathologische Glücksspieler Straftaten wie Eigentumsdelikte zur Suchtfinanzierung begehen. Untersuchungen in Deutschland zeigen eine erhöhte Delinquenz bei Suchtspielern. Auch wenn weitere Risikofaktoren wie etwa Impulsivität berücksichtigt werden müssen, ist davon auszugehen, dass mit der Eindämmung von pathologischem und problematischem Spielverhalten ein Rückgang der Begleitkriminalität einhergeht.

Online Glücksspiel beinhaltet ein Betrugspotenzial durch Anbieter oder Spieler. Durch Eingriffe in den geregelten Spielablauf könnten sich Spieler einen Vorteil verschaffen. Veranstalter könnten Gewinnchancen vortäuschen, die real nicht gegeben sind, oder Auszahlungen verweigern.

Hier greift die Regulierung, indem sie etwa der Glücksspielindustrie Sicherheitsvorkehrungen auferlegen kann, um Spielerkonten und Gelder zu schützen und Angriffe auf das Spielgeschehen abzuwehren.

Gleichzeitig ist es Sache der Glücksspielaufsicht, das Einhalten eines geregelten Spielbetriebs zu überprüfen, sodass sich die Spieler auf transparente und faire Angebote verlassen können.

Anbieter können Online Glücksspiel zur Geldwäsche nutzen und durch elektronische Manipulation schwarze Gelder in den legalen Wirtschaftskreislauf einschleusen. Dies ist etwa möglich, wenn Spielereinsätze als höher ausgewiesen werden.

Die Regulierung zwingt legale Anbieter, geltende Steuervorschriften zu berücksichtigen. Die Glücksspielaufsicht kann das Geldwäscherisiko verhindern, wenn sie die Unternehmen bei der Lizenzvergabe einer lückenlosen Wirtschaftsprüfung unterzieht.

Rechtssicherheit für Anbieter

Die Verdrängung des Schwarzmarktes kommt nicht nur Spielern und der Allgemeinheit, sondern auch den legalen Anbietern zugute. Ein rückläufiger Marktanteil der illegalen Anbieter ist ein wesentlicher Indikator für den Erfolg der Regulierung und nimmt legalen Online Casinos und Glücksspielanbietern den Druck, sich gegen nicht-lizenzierte Seiten behaupten zu müssen.

Damit verbunden ist die Erwartung, dass in einem regulierten Markt die Glücksspielaufsicht beziehungsweise der Staat für Rechtssicherheit sorgt und gegen nicht-lizenzierte Anbieter konsequent vorgeht, anders als es in der Vergangenheit der Fall war.

 

Quellen:

  1. https://www.bzga.de
  2. www.gluecksspielwesen.de/
  3. https://www.wiso.uni-hamburg.de/fachbereich-sozoek/forschung/gluecksspielforschung/Dateien/Veroeffentlichungen/zwischenbericht-regulierungsoptionen-fuer-den-deutschen-onlinegluecksspielmarkt.pdf
  4. https://www.vdai.de/regelwerke/GlueStV/GlueStV_2021_Entwurf.pdf
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Glücksspielstaatsvertrag#Dritter_Glücksspieländerungsstaatsvertrag
  6. https://www.dhs.de
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Glücksspiel in Deutschland
Jakob Straub
Jakob Straub Casino Experte

Buchautor und Branchenexperte Jakob schreibt seit 5 Jahren für CasinoOnline.de

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