So viel Glücksspiel steckt in Börse und Geldanlage

Über die Autorin

Dr. Sabine T. Ruh
Dr. Sabine T. Ruh
CasinoOnline.de Finanzexpertin

Sabine hat langjährige Erfahrung als Finanz- und Wirtschaftsjournalistin und schreibt seit 2019 auch Artikel für CasinoOnline.de.

Deutsche setzen Börse mit Glücksspiel gleich. Das ergab eine kürzlich veröffentlichte Studie. Dennoch interessieren sie sich grundsätzlich für Investments in Aktien und für Geldanlage. Wir schauen genauer hin und ermitteln den „Glücksspiel-Faktor“ einzelner Börsenprodukte.

Beim Geldanlegen an der Börse denken viele Deutsche an Glücksspiel. Fast die Hälfte – exakt 46 Prozent – ist der Überzeugung, dass ein Investment in Aktien genauso riskant sei wie das Spielen im Spielcasino. 58 Prozent der Deutschen – Doppelnennungen waren möglich – waren der Meinung, mit einer Geldanlage in Aktien "unkontrollierte Risiken einzugehen". Dabei interessieren sich rund 42 Prozent der Befragten grundsätzlich für Kapitalmarktthemen. Jeder fünfte Befragte gab an, dass Aktienfonds das beste Instrument zur Vermögensmehrung seien. Mit großem Abstand folgen dahinter Immobilienfonds, Einzelaktien, das Sparbuch und Tagesgeld. Dabei schätzt fast die Hälfte der Befragten, dass über einen Zeitraum von 20 Jahren das Risiko eines Verlusts bei Kapitalanlagen an der Börse über 50 Prozent liege. Interessant: Eine Mehrheit der Deutschen (54 Prozent) würde an der Börse investieren, wenn es eine Garantie für das eingesetzte Kapital gäbe. Das sind die Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Studie der Axa zum Anlageverhalten, veröffentlicht Ende 2017, wozu 2.103 Online-Interviews durchgeführt wurden.

Optionsgeschäfte: Glaube an das Glück – auch bei Promis

Die Umfrage offenbarte einen besonderen Zusammenhang: Als wichtigstes Kriterium für gute Anlageergebnisse nennen die Deutschen „ein gutes Anlageprodukt".
85 Prozent halten das für "sehr wichtig" oder "wichtig". Schlicht an "Glück" glauben bundesweit 61 Prozent. Ist das investieren an der Börse also ein Glücksspiel?

Vielleicht schon, wenn man sich das Verhalten vermögender Prominente an der Börse anschaut, denen ihr Investment eine Gefängnisstrafe einbrachte oder sie an den Rand der Insolvenz brachte. Unvergessener Beispiel dafür ist Uli Hoeneß. Als Zocker bezeichnete er sich selbst, exzessives Handeln an der Börse darf ihm unterstellt werden, teilweise sogar nur auf Kreditbasis. In Medienberichten ist nachzulesen, dass Hoeneß bis zu 100 Orders am Tag aufgegeben haben soll – und das telefonisch. Er dürfte deswegen zu der nicht gerade kleinen Anzahl von 30.000 sogenannter Börsensüchtiger gehört haben – mittlerweile beschreibt er sich als geheilt.

Hoeneß handelte dabei mit Devisen, also unterschiedlichen Währungen und damit dem größten und liquidesten Markt der Welt – die Königsklasse der Spekulanten. Er soll vor allem mit Dollar und Yen versucht haben, Gewinne zu erzielen. Nicht ganz einfach, denn die Kurse verändern sich nur marginal und deswegen müssen große Geldvolumina eingesetzt werden, damit am Ende überhaupt nennenswerte Gewinne herauskommen. Dazu passen besondere Spieler-Naturen: mit Nerven und Selbstbewusstsein und wohl auch mit einem Hang zur Selbstüberschätzung, die sich zudem für begnadete Investoren halten. Hoeneß nutzte für seine Börsenspekulation Optionsgeschäfte, das sind Termingeschäfte mit Optionen.

Dirk Rossmann, der Inhaber der Rossman-Drogeriemarktkette, ist ein anderer Börsenspekulant, der zwar nicht ins Gefängnis musste, aber nur knapp an einer Insolvenz vorbeirutschte. Er erzählt in seinem vor kurzem erschienenen Buch von seiner nervenaufreibenden Phase als Börsenspekulant. Ihm gefiel diese Rolle damals, denn er setze alles auf eine Karte und tätigte hoch riskante Geschäfte – und dabei alles auf Pump. Er beschreibt die Berg- und Tal-Fahrt, die ihn auch belastete. So sei es einmal brenzlig gewesen und er habe alles auf einen Schlag verkauft, um die Verluste in Grenzen zu halten. Danach aber investierte er nach dem Vorschlag eines Bankberaters in Put- und Call-Optionen – siehe oben. Später dann stand sein Unternehmen Rossmann wegen seiner Börsenspekulation kurz vor dem Konkurs. Nur durch einen harten Schnitt konnte er sich retten.

Wir lernen: Optionsgeschäfte,Glücksspiel-Faktor: maximal, 5 von 5.

Aktien: Infos im Rendite-Dreieck

„Anleger sollten sich von dem Kursrückgang an der Börse nicht nervös machen lassen, denn langfristig waren und sind Aktien eine attraktive Geldanlage mit beherrschbarem Risiko.“ Das ist die Botschaft des Deutschen Aktieninstituts. „Wer sich unser Rendite-Dreieck ansieht, wird feststellen, dass Anleger, die langfristig in Aktien investiert waren, bisher noch jedes Börsentief aussitzen und attraktive Renditen aus Aktienkursen und Dividendenzahlungen erzielen konnten.“ Aktien seien und blieben eine attraktive Anlageform für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge.

14 Verlustjahre versus 36 Gewinnjahre

50 Jahre Aktienkurse bildet das Rendite-Dreieck mittlerweile ab. Die überwiegende Anzahl der Jahre – exakt 36 – konnten mit positiven Renditen abgeschlossen werden. Diese lagen gelegentlich im sehr niedrigen einstelligen Bereich – aber auch mehrfach bei hohen 30 oder gar 40 Prozent. Umgekehrt lagen die Minusrenditen vergleichbar zwischen 2,1 und 43,9 Prozent.

Dazu ein Zahlenbeispiel des Aktieninstituts: So erbrachte beispielsweise ein breit gestreutes Aktienportfolio im DAX bei einer Einmalanlage und einem 20-jährigen Anlagehorizont historisch im Mittel 8,9 Prozent Rendite pro Jahr. Dabei lag im ungünstigsten Fall die Wertentwicklung aus Kursgewinnen und Dividenden bei jährlich 3,8 Prozent und im besten bei 15,2 Prozent. Wichtig, so die Experten, seien eine breite Streuung, eine langfristigen Perspektive und Kontinuität. So ließen sich Risiken am Aktienmarkt beherrschen.

Weiteres Rendite-Dreieck entwickelt

Weiteres Rendite-Dreieck entwickelt

Um die Vorteile des Aktiensparens darzustellen, entwickelte das Aktieninstitut zudem in 2018 das Rendite-Dreieck für die monatliche Geldanlage, zurückgerechnet auf 1969. Hier zeigt sich, dass das Jahr 2018 einen Verlust von 25,3 Prozent gebracht hätte – allerdings ein Ausnahmefall: Denn, so rechnen die Aktienexperten vor, hätte eine monatliche Geldanlage in Aktien von Ende 1990 bis Ende 2010 eine durchschnittliche Rendite von 6,8 Prozent erzielt.

Regelmässig in aktien sparen lohnt sich

Unsere Einschätzung - Aktien: Glücksspiel-Faktor: 3 von 5

Investmentfonds – reduziertes Risiko

An den Gewinnen der Börse teilhaben, ohne großen Zeitaufwand, ohne großen finanziellen Einsatz - und mit einem reduzierten Risiko. Diese Vorteile bieten Investmentfonds. Erfunden 1860 in England, musste man in Deutschland bis nach dem Zweiten Weltkrieg auf Fonds warten. Der Grundgedanke: Auch Menschen ohne großen Geldbeutel sollen an Wertpapieren oder Immobilien verdienen. Dabei soll in mehrere Papiere oder Objekte investiert werden, um das Risiko zu streuen.

Ein Fonds ist ein spezieller Topf, in den viele Anleger Geld einzahlen. Das Vermögen betreiben sogenannte Investmentanlagegesellschaften, die den Status von Kreditinstituten besitzen und dem Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften unterliegen. Daher ergeben sich auch die strengen Anlagegrundsätze, die das Prinzip der Risikostreuung wahren. Anleger kaufen nun mit einer einmaligen Summe oder mit regelmäßigen Sparraten eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen. Dabei ist die Höhe des Ausgabekurses nur eine Frage der Stückelung und hat nichts mit Kursresultaten zu tun. Die Beträge sind mit 60, 80 oder 100 Euro meist so klein, dass bequem ein Anteil gezeichnet werden kann. Ansonsten werden die Anteile verrechnet.

Üblich sind in der Branche thesaurierende Fonds. Das bedeutet, sämtliche Erträge werden automatisch wieder angelegt. Der Anteilseigner bekommt dann nicht die erwirtschafteten Erträge aus Zins, Dividenden oder Mieteinnahmen ausgezahlt. Dies hat für den Anleger zwei Vorteile: Zum einen umgeht er die Gebühren bei Wiederanlage. Das ist keine zufällige Geschäftspolitik der Investmentfonds. Zum anderen profitiert der Anleger tatsächlich von diesem Zinseszinseffekt.

Trotz Fondsanlage immer liquide. Fonds unterliegen der Rücknahmeverpflichtung. Damit kommen die Anleger immer an ihr Geld, sind also stets liquide. Dafür müssen die Fondsgesellschaften ständig eine bestimmte Summe bereithalten.

Fondsmanager überlassen nur wenig dem Zufall. Auch bei den Gebühren halten sie gleich am Anfang der Geschäftsbeziehung die Hand mit einer Zugangsgebühr auf: mit den teilweise hohen Ausgabeaufschlägen. Weiterhin verdienen die Fondsgesellschaften gut durch die Verwaltungsgebühren – hier lohnt ein Blick auf die Kosten, auch die Depotbank betreffend. Die genauen Kosten sind in den Verkaufsprospekten verzeichnet.

Aktienfonds investieren nur oder überwiegend in Aktien, wobei die Ausrichtung höchst unterschiedlich sein kann: beschränkt auf bestimmte Länder oder Regionen, international orientiert oder gerade sehr breit ausgerichtet auf viele Branchen.

Aktienfonds ermöglichen es dem Anleger mit weitaus geringerem Kapital an der Börse zu spekulieren. Sie haben eine breitere Basis, eine größere Streuung und damit ein geringeres Risiko als Aktien. Trotzdem sind auch Aktienfonds von der allgemeinen Börsentendenz abhängig. Kursstürze pausen sich durch, werden aber abgemildert. Dafür fallen Kursgewinne auch nicht so stark aus. Eine kurz- oder mittelfristige Anlage ist daher nicht empfehlenswert. Doch auch sicherheitsorientierte Anleger sind mit einem soliden Aktienfonds mit Standardwerten auf lange Sicht gut bedient.

Unsere Einschätzung - Aktienfonds: Glücksspiel-Faktor: 2 von 5

Andere Anlagemöglichkeiten und deren Glücksfaktor

Offene Immobilienfonds

Eine bodenständige Geldanlage ist die Investition in offene Immobilienfonds: üblicherweise in gewerblich genutzte Bürohäuser oder Einkaufszentren, auch im europäischen Ausland. Die Rendite der offenen Immobilienfonds setzt sich zusammen aus laufenden Miet- und Pachteinnahmen und dem langfristig zu erwartenden Wertanstieg der Immobilie.

Unsere Einschätzung – offene Immobilienfonds: Glücksspiel-Faktor: 1 von 5

Rentenfonds

Rentenfonds halten viele festverzinsliche Wertpapiere, eventuell beschränkt auf bestimmte Währungen und Länder. Die Laufzeiten der gehaltenen Papiere dürften nahezu das gesamte Spektrum abdecken. In der anhaltenden Niedrigzinsphase rentieren Rentenfonds nur sehr schwach.

Unsere Einschätzung - Rentenfonds: Glücksspiel-Faktor: 1 von 5

Sparbuch – beliebter Klassiker

Das Sparbuch ist und bleibt ein Klassiker – selbst in der aktuellen Niedrigzinsphase.

In dem kleinen Buch, das man früher schon in der Schulzeit führte, werden alle Ein- und Auszahlungen sowie die Zinsgutschriften aufgeführt. Trotz Aktienboom und Digitalisierung – die Deutschen lieben es. Das gute alte Sparbuch gibt es seit 1934.

Sparbücher sind Inhaberpapiere. Das heißt: Jeder, der im Besitz des Sparbuchs ist, kann Abhebungen vornehmen.

Unsere Einschätzung - Sparbuch: Glücksspiel-Faktor: 1 von 5

Egal ob Börsenprodukte oder Sparbuch – für die private Altersvorsorge ist es relevant, sich um die Geldanlage zu kümmern. Nichts anzusparen und auf den Staat zu hoffen, ist ein Glücksspiel. Glücksspiel-Faktor 4 von 5.