, 24.03.2020

Immer mehr Briten lassen ihr Bankkonto freiwillig für Überweisungen zu Online-Glücksspielseiten sperren. Wie die britische Tageszeitung Daily Mail berichtet, nutzten mittlerweile 570.000 britische Bankkunden entsprechende Transaktionssperren ihrer Finanzdienstleister.

 

In den vergangenen Monaten haben sich die Stimmen gemehrt, die den Geldinstituten eine Mitschuld an der Verbreitung von Spielsucht einräumen. Die meisten britischen Großbanken haben sich daraufhin dem wachsenden politischen Druck gebeugt und Blocking-Optionen für Glücksspiel-Überweisungen eingerichtet.

 

Sie sollen verhindern, dass Verbraucher zu viel Geld in Online-Casinos und bei Online-Buchmachern verlieren. Nach Angaben der britischen Glücksspielaufsicht UK Gambling Commission (Link auf Englisch) zeigten derzeit 340.000 Briten Anzeichen eines problematischen Spielverhaltens.

 

Ein erfolgreiches Konzept?

 

Bisher scheinen sich die Überweisungssperren als erfolgreiches Konzept zu etablieren. Laut der britischen Starling Bank verwendeten bereits 200.000 ihrer 1,2 Millionen Kunden Blocking-Funktionen für Online-Glücksspiel.

 

Auch Finanzdienstleister wie Monzo, Lloyds und HSBC meldeten insgesamt 370.000 Kunden, die sich für das Online-Glücksspiel sperren ließen.

Ein schlechtes Vorzeichen für Online-Glücksspielanbieter?

Obgleich britische Online-Glücksspielanbieter Richtlinien für sozialverantwortliches Spielen und Suchtprävention berücksichtigen müssen, dürften die Transaktionssperren die ohnehin schwierige Beziehung zwischen Anbietern und Geldinstituten weiter verschärfen. Erst vor kurzem hatte die UKGC ein Kreditkartenverbot für Glücksspieltransaktionen bestätigt, welches schon im April 2020 in Kraft treten soll und sich auf die Umsätze von Online-Casinos und Buchmachern auswirken könnte.

Wie nachhaltig die Maßnahmen tatsächlich sind, könnte sich aber erst über längere Zeit herausstellen. Bislang können Verbraucher die freiwilligen Sperroptionen nach 24 oder 48 Stunden wieder deaktivieren. Wie viele Bankkunden danach erneut bei Online-Glücksspielseiten einzahlen werden, ist fraglich.

 

Die Zahl derjenigen könnte hoch sein. Die National Westminster Bank schätzt, dass einer von zehn Kunden Glücksspielangebote nutzt. Häufig verspielten sie mehr als ein Viertel ihres Einkommens und seien verschuldet.

 

Spielerschützern gehen die Maßnahmen nicht weit genug

 

Spielerschützerinnen wie die Labour-Abgeordnete Carolyn Harris begrüßen die Eigeninitiative der Verbraucher, fordern aber noch mehr Engagement der Kreditinstitute. Diese müssten noch entschiedener gegen die Verschuldung von Spielern vorgehen, wie Harris sagt:

„Es ist großartig, dass so viele Menschen Schritte ergreifen, um sich selbst vor dieser schrecklichen Sucht zu schützen. Jetzt müssen die Banken mehr tun, um Spieler vor dem Wetten mit Überziehungs- und Überbrückungskrediten zu bewahren.“

 

Ob die britischen Banken auch Maßnahmen wie die Ablehnung von Kurzzeitkrediten für Spieler planen, ist derzeit nicht bekannt.

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