Donnerstag, 29. September 2022

Aktionstag Glücksspielsucht 2019: Prävention mit öffentlichkeits­wirksamen Kampagnen

Spielautomat

Am morgigen Mittwoch findet der bundesweite Aktionstag Glücksspielsucht statt. Anlässlich dessen werden zahlreiche Aktionen durchgeführt. Zudem weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf die Risiken hin, die mit dem Glücksspiel verbunden sind.

Online- und Offline-Angebote zur Prävention

Um auf die Gefahren des Glücksspiels aufmerksam zu machen, haben sich die 16 deutschen Bundesländer auf den Aktionstag Glücksspielsucht verständigt. Er findet jährlich jeweils am letzten Mittwoch im September statt. Im Rahmen dessen gibt es in jedem Bundesland zahlreiche Aktionen unter dem Slogan „Spiel nicht bis zur Glücksspielsucht“.

Nach Angaben der BZgA haben im Jahr 2018 etwa 1,5 Millionen der 16- bis 70-jährigen Deutschen mindestens einmal am Geldspielautomat gespielt. Über alle Glücksspielformen hinweg seien 326.000 Menschen von problematischem und rund 180.000 Menschen von pathologischem Spielverhalten betroffen. Bezogen auf die Spielautomaten sei bei 120.000 Menschen ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten festzustellen.

Die Leiterin der BZgA, Dr. Heidrun Thaiss, erklärte:

„Häufiges wiederholtes Glücksspiel kann mit einem Suchtrisiko verbunden sein. Das ist nicht jedem bewusst – zumal es Unterschiede in den Risiken der einzelnen Glücksspiele gibt. Solche mit schneller Spielabfolge und kurzen Auszahlungsintervallen verleiten dazu, häufiger zu spielen und mehr Geld einzusetzen als initial beabsichtigt. Auch häufige ‚Fast-Gewinne‘ sowie starke Ton- und Lichteffekte erhöhen das Suchtpotenzial von Glücksspielen.

Deshalb ist es wichtig, Menschen rechtzeitig zu informieren und sie für die Suchtgefahren des Glückspiels zu sensibilisieren, bevor sich ein problematisches Verhalten entwickelt. Hierzu bietet die BZgA online und offline und in mehreren Sprachen zielgruppengerechte Informationen und Beratungsangebote an, die sich an Glücksspielende und ihre Angehörigen richten.“

Zur Prävention und Aufklärung sollen nicht nur die Aktionen im Rahmen des Aktionstages gegen Glücksspielsucht beitragen, sondern auch das Internetportal www.check-dein-spiel.de. Hier gibt es neben Informationen zu Glücksspielangeboten und einem Selbsttest zur Einschätzung des Spielverhaltens Online-Beratungen und die Kontaktdaten für eine kostenlose, anonyme Telefonberatung.

Geplante Aktionen rund um den Aktionstag Glücksspielsucht

Die Aktionen, die am 25. September sowie an den Tagen danach von Ehrenämtlern und Mitarbeitern der Suchthilfe durchgeführt werden, zielen häufig auf persönliche Gespräche ab. Zudem wird Infomaterial verteilt und vielerorts werden Bürger mit ungewöhnlichen Ideen auf das Thema Glücksspielsucht aufmerksam gemacht.

In Ingolstadt wird die Caritas-Suchtambulanz im wahrsten Sinne des Wortes aktiv. Die Psychologin der Suchberatungsstelle, Stefanie Palme, hatte die Idee, statt gewöhnlicher Informationsstände Inforäder im Stadtzentrum zu verteilen, sodass Passanten sofort darauf aufmerksam werden. Über kleine Geschenke will man hierbei mit Interessierten ins Gespräch kommen.

In Mannheim setzt man auf eine Aktion, die schon im vergangenen Jahr für Öffentlichkeitswirksamkeit sorgte. Der Mannheimer Beauftragte für Suchtprophylaxe, Dr. Timo Kläser, hat Bäckereien akquiriert, die an ihre Kunden Bäckertüten mit dem Aufdruck „Spielsucht? Kommt mir nicht in die Tüte“ ausgeben.

Oldenburg setzt bei der Glücksspielprävention auf optische Wirkungen.

Gartenzwerg mit Sonnenbrille

In München und Erding machen Gartenzwerge auf das Thema Glücksspielsucht aufmerksam. (Bild: Pixabay/Stux)

Hier wird in der Fachstelle Sucht der Diakonie eine Wanderausstellung mit Werken des Wilhelmshavener Fotografen Axel Biewer zu sehen sein. Die Fotoausstellung „Glück – Spiel – Sucht“ informiert auf 20 großformatigen Tafeln über die Auswirkungen übermäßigen Glücksspielverhaltens.

In Erding und München kommt es morgen zum „Zwergenaufstand“. Hier werden Gartenzwerge platziert, die Demoschilder erhalten. Die Gartenzwerge verwandeln sich dabei zum Teil selbst in Betroffene. So soll einer von ihnen ein Schild erhalten, das die folgende Aufschrift trägt: „Früher habe ich in einem tollen Garten gewohnt, ein schönes Haus hatte mein Besitzer auch. Jetzt ist alles weg, verzockt, und ich steh‘ auf der Straße.“

Der Spielerschutz steht nicht nur am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht im Fokus. Erst vor wenigen Tagen hat der Kieler Landtag seine Forderungen nach einer Legalisierung des Online Glücksspiels und einem stärkeren Spielerschutz wiederholt.

Experten argumentieren, dass man mit einer Regulierung des Online Glücksspiels die Abwanderung der Verbraucher in illegale Online Casinos verhindere und sie mit regulierten Angeboten besser vor der Glücksspielsucht schützen könne.