, 20.09.2021

Im Corona-Jahr 2020 haben sich 10.000 Personen in der Schweiz vom Online-Glücksspiel ausschließen lassen. Das waren mehr als doppelt so viele wie in den Vorjahren. Die Stiftung Sucht Schweiz setzt sich nun für Werberestriktionen sowie für die Gründung eines Expertengremiums ein. Dies berichtete die Berner Zeitung am Sonntag.

 

Laut der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag sei die rapide Zunahme der Selbstausschlüsse eine Folge der erweiterten Online-Glücksspiel-Angebote. Erst im vergangenen Jahr seien drei weitere Online-Casinos eröffnet worden. Diese hätten sicher zum Anstieg beigetragen, erklärte die Sprecherin der Eidgenössischen Spielbankenkommission, Marjorie Perusset.

 

Ein weiterer Grund für das Wachstum des Online-Marktes sei die Corona-Pandemie. Die Spieler hätten aufgrund der Restriktionen nicht mehr in den terrestrischen Spielbanken verkehrt, sondern in Online-Casinos.

 

Wie sich die Pandemie auf das Spielverhalten ausgewirkt habe, könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, so Perusset:

2020 war das erste vollständige Jahr, in dem konzessionierte Kasinos ihre Online-Angebote betrieben.

Schweizer Spielerschützer alarmiert

Die Stiftung Sucht Schweiz beobachte die Entwicklung mit Besorgnis, so die NZZ am Sonntag. Der Sprecher der Organisation, Markus Meury, sagte, dass Online-Spiele noch mehr Süchtige generierten als terrestrische Casinos.

 

Im Internet seien die Spieler risikobereiter. Sie könnten zudem auf mehreren Plattformen gleichzeitig spielen und hätten rund um die Uhr Zugang. Ein weiterer Grund für die höhere Gefahr sei, dass die soziale Kontrolle fehle. Auch sei es schwieriger, einen Bezug zu den eingesetzten Beträgen herzustellen.

Zugang zu gesperrten ausländischen Seiten immer noch möglich

 

Die Organisation Sucht Schweiz gehe laut der NZZ davon aus, dass rund 200.000 Schweizer ein problematisches Verhältnis zum Glücksspiel hätten. Aufgrund der Corona-Pandemie und des wachsenden Angebots im Internet sei diese Tendenz steigend.

 

Obwohl ausländische Betreiber in der Schweiz seit dem Inkrafttreten der Geldspielverordnung im Jahre 2018 nicht mehr aktiv sein dürfen, sei es immer noch möglich, auf die Seiten zuzugreifen. Durch die Nutzung ausländischer Server sei es einfach, die Websperren zu umgehen.

Ist der Schweizer Staat in einem Interessenkonflikt?

Schweizer Spieler setzen jedes Jahr rund 650 Mio. CHF in terrestrischen Spielbanken und Online-Casinos. Noch beliebter seien Lotterien und Sportwetten. Rund 1 Mrd. CHF sollen die Spieler dafür ausgeben.

 

Da der Staat durch die Abgaben hohe Einnahmen erziele, könne er sich in einem Interessenkonflikt befinden, so Meury. Der größte Teil der Erträge stamme von sogenannten „Vielspielern“.

Spielbankenkonzessionen werden 2022 neu vergeben

 

Die Konzessionen der Schweizer Spielbanken laufen Ende 2024 aus. Am Freitag sei der Bundesrat über den Zeitplan zur Neukonzessionierung informiert worden, teilte die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) mit.

 

Laut der Pressemitteilung werde der Bundesrat im April 2022 über die Neuvergabe der Spielbankenkonzessionen entscheiden. Zwischen Mai und September 2022 soll die Einreichung der Konzessionsgesuche erfolgen. Derzeit haben 21 Spielbanken eine Konzession. 11 davon haben zudem die Erlaubnis, auch Online-Glücksspiel anzubieten.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, fordere Sucht Schweiz bessere Spielerschutzmaßnahmen. Die Organisation schlage die Bildung einer Expertenkommission vor, die sowohl die Behörden als auch die Anbieter beraten solle.

 

Weiterhin seien Bestimmungen zur Einschränkung von Glücksspiel- und Sportwetten-Werbung notwendig. Suchtgefährdete dürften nicht durch Anrufe, E-Mails und Bonusangebote zum Spielen animiert werden.

 

Weitere Maßnahmen seien Zutrittsbeschränkungen in ausländischen Spielbanken. So würden Spieler, die in der Schweiz gesperrt seien, häufig auf die Casinos im Fürstentum Liechtenstein ausweichen.

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