Sonntag, 02. Oktober 2022

US-Anwalt verspielt Ersparnisse von Seniorin im Casino

Juristische Fachliteratur USA

Gestern kippte ein Berufungsgericht im US-amerikanischen Philadelphia das Strafmaß gegen einen Anwalt, der eine Seniorin um ihre Ersparnisse gebracht und das Geld verspielt hatte. Das Urteil von 2019 habe nicht berücksichtigt, dass er einen Teil der gestohlenen Gelder bereits vor Entdeckung der Straftaten zurückgezahlt hatte, so die Richter.

176 unerlaubte Kontozugriffe

Das Strafmaß gegen John Kelvin Connor (63) wegen Betrugs und falscher Angaben gegenüber Ermittlern muss neu ermittelt werden. Dies entschied gestern ein Berufungsgericht in Philadelphia. In das Urteil über 46 Monate Gefängnis, drei Jahre auf Bewährung und Strafzahlung von knapp 30.000 USD sei nicht eingeflossen, dass Conner bereits 23.000 USD an sein Opfer zurückgezahlt habe.

Der Jurist und ehemalige Sonderermittler der Bundesbehörde für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe hatte sich zwischen August 2016 und April 2017 mindestens 176 Mal unbemerkt am Konto seiner damals 85-jährigen Mandantin Sarah Fauntleroy bedient. Dabei habe er eine Summe von mindestens 95.688 USD ergaunert.

Das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF) ist eine polizeiliche Bundesbehörde, die dem US-Justizministerium unterstellt ist. Die Arbeit des ATF erfolgt in enger Abstimmung mit der des Federal Bureau of Investigation (FBI).

Kein Geld für Strom

Fauntleroy hatte ihrem Anwalt aufgrund fortscheitender Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes eine Kontovollmacht erteilt. Doch statt sich wie vereinbart um die laufenden Kosten zu kümmern, habe Connor die Gelder der Rentnerin verspielt. Dies habe dazu geführt, dass Fauntleroy zeitweise ohne Strom und Telefon leben musste. Als der Betrug aufgeflogen sei, hätten sich auf dem Konto der Frau lediglich noch 15,07 USD befunden.

Die Abhebungen mit der Bankkarte der Seniorin habe der Jurist in unterschiedlichen Casinos getätigt. Ermittlern des FBI habe der schnell in Verdacht geratene Anwalt sodann eine „lächerliche Geschichte“ aufgetischt, nach der ihn die alte Dame darum gebeten habe, mit ihrem Geld in Casinos zu spielen.

Bundesanwalt William M. McSwain hatte sich nach Verkündung des Strafmaßes 2019 (Seite auf Englisch) entsetzt vom Vorgehen des Angeklagten gezeigt:

Die Ersparnisse einer älteren Frau zu stehlen, sie in Casinos zu verspielen und dann Bundesagenten anzulügen – und das alles als Gerichtsbeamter, als Anwalt, der einen Eid geleistet hat, im besten Interesse seiner Klienten und mit einem hohen moralischen Standard zu handeln. Dies ist genau die Definition einer einflussreichen Person, die sich die Schwächsten als Opfer aussucht.

Wann mit dem erneuten Urteil zu rechnen sein wird, ist bislang unklar. Für das Opfer macht es keinen Unterschied: Sarah Fauntleroy verstarb bereits im Mai 2019, wenige Tage bevor das erste Urteil fiel.