, 08.12.2019

Chinesische VIP-Gäste des australischen Crown Casinos sollen in einem Luxusresort illegal Wombats gejagt haben. Nun liegt dem Bundesstaat Victoria ein Untersuchungsbericht zu den Vorwürfen vor. Der Report war angefordert worden, nachdem im Sommer erstmals mögliche Verbindungen von Casinoriese Crown Resorts und der chinesischen organisierten Kriminalität für Schlagzeilen gesorgt hatten.

 

Details bleiben im Dunkeln

 

Am Donnerstag gab die Umweltministerin des australischen Bundesstaates Victoria, Lily D’Ambrosio, bekannt, über Erkenntnisse zu Wombat-Jagden durch chinesische Highroller zu verfügen. Eine Veröffentlichung des Berichts lokaler Behörden sei jedoch nicht geplant.

 

Grundlage für die Untersuchungen waren Vorwürfe, nach denen chinesische VIP-Gäste des Crown Casino Melbourne auf einer Luxusranch im Murrindindi-Gebiet illegal Jagd auf Wombats gemacht haben sollen.

 

Der grüne Parlamentarier Sam Hibbins warf der Landesregierung im Parlament vor, das Problem unter den Teppich kehren zu wollen:

Trotz der Empörung der Bevölkerung über die Tötung von Wombats in Victoria begraben die Behörden die Überprüfung und versuchen, es unbemerkt bei ihrer Untätigkeit zu belassen. Die Regierung sollte den Prüfbericht unverzüglich freigeben und Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass Wombats im gesamten Bundesstaat geschützt sind.

Geldwäsche und Triaden

 

Im Juli 2018 hatten australische Medien Ergebnisse investigativer Recherchen veröffentlicht, die den Glücksspielriesen Crown Resorts in Verbindung mit chinesischen Triaden brachten. Hinter den Kulissen von Junket-Operatoren, die Luxus-Aufenthalte für schwerreiche Chinesen in den Casinos des Konzerns organsierten, sollen kriminelle Gruppierungen die Strippen ziehen.

 

Es steht der Verdacht im Raum, dass die Crown Casinos durch die Zusammenarbeit an Geldwäscheaktivitäten der chinesischen Mafia beteiligt gewesen sein könnten.

 

Weiterhin geht es um die Frage, ob es zwischen australischen Behörden und der Glücksspielindustrie unangemessene Vereinbarungen gegeben habe. Insidern zufolge soll den teils milliardenschweren chinesischen Besuchern bei der Einreise eine Vorzugsbehandlung zuteil geworden sein.

 

Mr. Chinatown und die Jagd auf Wombats

 

Die Veröffentlichungen stießen eine Vielzahl von Strafermittlungen an, die noch nicht abgeschlossen sind. Im Fokus steht auch das rund 100 Kilometer nördlich von Melbourne gelegene Juijui Resort. Das Luxusanwesen befindet sich im Besitz des Geschäftsmanns Tom Zhou, der den Beinamen „Mr. Chinatown“ trägt.

 

Mr. Chinatown gilt als Mann hinter diversen Junket-Operatoren und ist eine Schlüsselfigur im Komplex um den Geldwäsche-Skandal. Auf seinem Anwesen sollen sich die gutbetuchte Chinesen Auszeiten vom oft tagelangen Spiel im Crown Casino gegönnt haben. Besonderer Beliebtheit habe sich hierbei die Jagd auf Wombats erfreut.

Der ausschließlich in Australien beheimatete Wombat gehört zur Familie der Beutelsäuger. Die über eine Körperlänge von bis 120 Zentimetern verfügenden nachtaktiven Tiere werden bis zu 40 Kilo schwer. Wombats sind Pflanzenfresser und können auf kurzen Distanzen Geschwindigkeiten von bis zu 40km/h erreichen.

Das Erlegen von Wombats ist innerhalb enger Grenzen auch ohne Lizenz erlaubt. Die unbemerkte Errichtung einer Jagd-Lodge für chinesische Superreiche sorgte jedoch für öffentliche Empörung.

 

So gab der zuständige Bezirk Murrindindi an, den Betreibern 2017 die Erlaubnis zum Bau eines Hotels auf dem Gelände erteilt zu haben. Eine Konzession zum Betrieb eines Schießstandes oder ähnlichem sei aber weder beantragt noch vergeben worden.

 

„Bizarres“ Vorgehen

 

Über Aoweibang wurde für die Auswahl an Schusswaffen geworben (Quelle:Aoweibang.com)

Über die chinesische Online-Plattform aoweibang.com, so australische Medien (Seite auf Englisch), soll das Anwesen als „ultimativer Traum für Militärfans“ beworben worden sein.

 

Bei einem Aufenthalt für umgerechnet rund 620 Euro pro Nacht hätten Besucher Zugang zu „allen Arten von Jagdwaffen, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Doppelrohr-Schrotflinten, Kleinkalibergewehre und Großkaliber-Scharfschützengewehre“. Bei der Jagd werde der Gast von lizensierten Trainern unterstützt, so die Werbeanzeigen.

 

Für die Highroller dürfte der Jagd-Aufenthalt auf der Lodge Bestandteil des Ausflugsprogramms ihrer Glücksspielreise gewesen sein. Ein Umstand, den die Grünen-Senatorin Sarah Hanson-Young bereits bei Bekanntwerden des Verdachts im August im Parlament als „bizarr“ bezeichnete:

Hält es die Regierung wirklich für angebracht, chinesische Glücksspiel-Milliardäre in rasantem Tempo durch unsere Grenzschutzprozesse zu schleusen, damit sie nach Australien kommen können… um Wombats zu erschießen?

Der sogenannte Crown-Skandal ist seit mittlerweile über vier Monaten Bestandteil diverser Ermittlungen. Dass sich die Regierung von Victoria nicht zu den Vorgängen auf der Juijui Ranch äußert, könnte auch im Zusammenhang mit den weitreichenden Vorwürfen gegen das Crown-Imperium stehen.

 

Die Wombatschützer Victorias können jedoch vorerst aufatmen: Der mutmaßlich für die entsprechenden VIP-Reisen verantwortliche Junket-Operator Suncity hat seine Dependance im Crown Casino Melbourne bereits im August aufgegeben.