Montag, 03. Oktober 2022

Belgien: Striktere Regeln für Sportwetten-Anbieter geplant

Belgischer Justizminister Vincent Van Quickeborne Belgiens Justizminister Vincent Van Quickeborne hält die Identitätsprüfungen für eine wichtige Spielerschutzmaßnahme (Bild: Instagram/VincentVanQuickeborne)

Für Wettbüros in Belgien gelten ab dem 1. Oktober 2022 striktere Regeln für den Spielerschutz. Wie die belgische Zeitung Standaard [Seite auf Niederländisch] heute berichtet hat, betreffe dies insbesondere die Identitätsprüfung der Kunden. Buchmacher müssten künftig jeden Spieler nach einem Ausweisdokument fragen und dessen Identität mit dem nationalen Selbstausschlussverzeichnis abgleichen.

Damit gälten für die Sportwetten-Anbieter dieselben Regeln wie für Casinos, Spielhallen und Online-Glücksspiel-Portale. Vorerst von der neuen Regelung ausgeschlossen blieben hingegen Zeitungs-Kiosks, die in Belgien ebenfalls Glücksspiel-Produkte wie Lotto, Rubbellose und auch Sportwetten verkauften.

Der belgische Abgeordnete Stefaan Van Hecke arbeite jedoch bereits an einem entsprechenden Gesetzesentwurf, welcher die Spielerschutz-Vorgaben auf alle Glücksspiel-Betreiber inklusive der Zeitungsläden ausweiten würde. Der Beschluss über die neuen Vorgaben für Wettbüros hingegen sei heute im offiziellen Amtsblatt veröffentlicht worden.

Im Januar hat das belgische Post-Unternehmen bpost sein Zeitungshandel-Netzwerk Ubiway Retail an den Glücksspiel- und Entertainmentkonzern Golden Palace verkauft. Der Verkauf rief insbesondere unter Spielerschützern viel Kritik hervor. Während es nämlich eine gesetzliche Begrenzung der Anzahl von Casinos, Spielhallen und Wettbüros gebe, existiere eine solche für die Zeitungsläden nicht. Gleichzeitig erlaube das Gesetz den Läden den Betrieb von Sportwetten, sofern mindestens 50 % der Gesamtumsätze durch den Verkauf von Zeitungen und andere Nicht-Glücksspiel-Produkte generiert werden.

Die neuen Regelungen für Wettbüros sollen sich vor allem positiv auf den Spieler- und Jugendschutz auswirken. Im Vergleich zu Casinos hätten Buchmacher zudem eine jüngere Klientel. Während Casinos erst ab 21 Jahren betreten werden dürften, könnten Sportfans bereits mit 18 Jahren Wetten abgeben.

Durch die Identitätsprüfung seitens der Sportwetten-Anbieter solle verhindert werden, dass sich auch Minderjährige an den Wetten beteiligten. Das Risiko einer Spielsucht sei bei Minderjährigen und jungen Erwachsenen besonders hoch.

Fast 40.000 vom Glücksspiel ausgeschlossene Personen

Besonders geschützt werden sollten darüber hinaus auch all jene Menschen, die sich aufgrund problematischen Spielverhaltens vom Glücksspiel ausgeschlossen hätten. Dies seien nach Angabe des zuständigen Justizministeriums insgesamt 37.741 Personen.

Bislang hätten die Betroffenen trotz eines Eintrags im Spielersperrregister Wetten abgeben können. Spielerschützer begrüßten, dass sich dies künftig ändern werde. Ronny Willemen, Leiter einer Suchthilfe in Limburg, kommentiert:

Jede zusätzliche Schutzmaßnahme für Risikogruppen ist ein Schritt in die richtige Richtung. In Zukunft wird die Regierung hoffentlich auch daran arbeiten, dass die Angebote weniger sichtbar gemacht und es weniger Spielstätten geben wird. Dies sind Maßnahmen, von denen wir wissen, dass sie funktionieren.“

Auch Justizminister Vincent Van Quickenborne hält die neue Regelung für wichtig. Die sei „eine wichtige Maßnahme, um Menschen vor den verheerenden Folgen einer Spielsucht zu schützen“, schreibt der Minister in einem Statement. Die Wettbüros haben nun knapp sechs Monate Zeit, um sich auf die Neuerung vorzubereiten.