, August 22, 2019

Seit mittlerweile 25 Jahren ranken sich Verschwörungstheorien um Bielefeld. Zum Jubiläum der Gerüchte seiner Nichtexistenz geht die Stadt nun unter dem Motto #Bielefeldmillion eine Wette ein: Wer beweisen kann, dass es Bielefeld nicht gibt, soll eine Million Euro erhalten.

 

#Bielefeldmillion: Stadt fordert „Das Ende einer Verschwörung“

 

Im Mai 1994 behauptete der damalige Informatikstudent Achim Heldt im Usenet, einem Vorläufer des heutigen Internet, die Stadt Bielefeld existiere nicht.

 

Stattdessen handele es sich um eine Manipulation der Bevölkerung, eine großangelegte Verschwörung dunkler Mächte. Doch was als Persiflage auf Verschwörungstheorien begann, verselbstständigte sich schnell. Heute folgt auf die Erwähnung der Stadt Bielefeld oft unwillkürlich der Einwand „Aber die gibt es doch gar nicht“.

 

Nun reagiert des Stadtmarketing der angeblichen Phantomstadt auf die seit zweieinhalb Jahrzehnten anhaltenden Sticheleien. Unter dem Slogan „Die #Bielefeldmillion – Das Ende einer Verschwörung“ fordert sie die Verschwörungstheoretiker heraus.

 

Auf einer eigens eingerichteten Webseite wird demjenigen, der als Erster den ultimativen Beweis für die Nichtexistenz der Stadt erbringt, eine Million EUR versprochen.

James Randi Portrait

Der Skeptiker James Randi fordert seit Jahrzehnten angebliche Seher heraus (Quelle:James Randi Educational Foundation, licensed under CC BY-SA 3.0)

Die Idee, die Vertreter unwissenschaftlicher Theorien mit der Auslobung hoher Geldbeträge herauszufordern, ist nicht neu.

 

Bereits im Jahr 1964 bot der Magier und Skeptiker James Randi ein Preisgeld von 1.000 USD für den überprüfbaren Nachweis der Existenz übernatürlicher oder paranormaler Fähigkeiten. Über die Jahre erhöhte sich das in Aussicht gestellte Preisgeld auf eine Million USD.

 

Die Herausforderung richtete sich insbesondere an Personen, die sich öffentlich als Medium präsentierten. Bis zu ihrem Auslauf im Jahr 2015 fand sich keiner der angeblichen Seher und Wahrsager bereit, sich den Tests der „One Million Dollar Paranormal Challenge“ Randis zu unterziehen.

Unerschütterliche Beweisführung

 

Einzige Voraussetzung für den Erhalt des Preisgeldes im 25. Jahr nach Auftauchen der Bielefeld-Verschwörung ist „eine erschöpfende Beweisführung, die durch nichts und niemanden zu erschüttern ist“. Die Form des Beitrags bleibt den Teilnehmern überlassen. Einsendeschluss ist der 4. September um 24 Uhr.

 

Für den Fall, dass die #Bielefeldmillion nicht vergeben werden kann, kündigen die Veranstalter vollmundig das offizielle Ende der Bielefeld-Verschwörung an:

Wenn es niemandem gelingt, einen Beweis für die Verschwörungstheorie zu erbringen, werden wir die Bielefeld-Verschwörung offiziell verabschieden (Wirklich! Ihr dürft gespannt sein). Wir wissen aber auch, dass wir nicht jeden überzeugen können. Verschwörungstheorien und ihre Anhänger sind schließlich meistens humorfrei, verbissen und ignorieren vernünftige Argumente. Sie werden sich das „Gibt’s doch gar nicht!“ kaum nehmen lassen. Nur wer hat Lust, mit denen noch in einer Reihe zu stehen?

„Es nervt“

 

Echsenwesen, Reptiloid, Alien

Führt der Beweis der Nichtexistenz Bielefelds über den Beweis der Existenz von Reptiloiden? (Quelle:pixabay.com/Comfreak)

Die Bandbreite der Erklärungen, wer oder was hinter der Bielefeld-Verschwörung stecken soll, ist mittlerweile schier unermesslich. Im Verdacht stehen unter anderem die Spionagedienste CIA und Mossad, Geheimbünde wie die Illuminaten und außerirdische Echsenwesen, die die Menschheit knechten wollen.

 

Angesprochen auf #Bielefeldmillion erklärte der Geschäftsführer der Bielefeld Marketing GmbH Deutschlandfunk Kultur gegenüber, dass viele Bielefelder mittlerweile deutlich genervt von der Unterstellung seien, ihre Stadt existiere nicht. Sogar in den USA müssten sie sich derlei Scherze gefallen lassen.

 

Unter anderem äußerte sich bereits Künstlerin und John Lennon-Witwe Yoko Ono zum Thema und erklärte in einem Blogbeitrag, sich sicher zu sein, dass „B-Town“ existiere. Schließlich sie schon dort gewesen.

 

Bundeskanzlerin im Kreis der Zweifler?

 

In dieser existenziellen Frage nicht ganz so sicher hingegen gab sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2012. Bei der Verleihung des Deutschen Sozialpreises sprach sie eine Veranstaltung in Bielefeld an und fügte augenzwinkernd hinzu „… so es denn existiert“. Unter dem Gelächter der Anwesenden erklärte sie weiterhin:

Ich hatte den Eindruck, ich war da. Ich hoffe, ich darf wieder hin.

Wasser auf die Mühlen der Anhänger der Theorie der Bielefeld-Verschwörung dürften die Teilnahmebedingungen der #Bielefeldmillion sein:

 

Als wären sie sich ihrer Sache doch nicht ganz sicher, behalten sich die Verantwortlichen explizit das Recht vor, den Wettbewerb jederzeit ohne Vorankündigung zu widerrufen oder zu ändern.

 

Dabei wäre dieser doppelte Boden eigentlich gar nicht nötig: Der philosophische Teilbereich der Logik weiß bereits seit langem, dass der Beweis der Nichtexistenz unmöglich ist.