, 04.05.2019

Heute Nacht findet in der T-Mobile Arena Las Vegas der langerwartete Weltmeisterschafts-Fight im Mittelgewicht zwischen dem US-Amerikaner Daniel Jacobs (32) und dem Mexikaner Saul „Canelo“ Alvarez (28) statt.

 

Im Mittelgewichts-Vereinigungskampf geht es um insgesamt drei Weltmeisterschaftstitel der Verbände WBA, IBF und WBC. Der persönliche Hintergrund der Kämpfer könnte dabei kaum unterschiedlicher sein.

 

Während Familienvater Jacobs (37 Kämpfe, 35 Siege, 2 Niederlagen) in den Hausprojekten East Brooklyns aufwuchs und sich von ganz unten an die Spitze im Mittelgewicht kämpfte, bekam Alvarez (54 Kämpfe, 51 Siege, 1 Niederlage, 2 Unentschieden) das Boxen quasi in die Wiege gelegt: jeder seiner sechs Brüder ist oder war erfolgreicher Profiboxer.

Alle Fakten zum Box-Event des Jahres

Neben dem Main-Event wird es heute Nacht noch folgende Kämpfe im Vorprogramm geben:

 

Vergil Ortiz vs. Mauricio Herrera

Lamont Roach Jr. Vs. Jonathan Oquendo

Sadam Ali vs. Anthony Young

 

Die Box-Gala wird ab 3 Uhr deutscher Zeit auf DAZN übertragen.

Alvarez zeigt sich in Topform

 

Saul Alvarez, der sich nach zwei Siegen gegen Rocky Fielding (31) und Gennady Golovkin (37) zuletzt in Topform zeigte, will im heutigen Kampf gegen Jacobs Boxgeschichte schreiben.

 

Alvarez hielte mit einem Sieg nicht nur drei der vier Weltmeisterschaftsgürtel im Mittelgewicht, sondern könnte auch die reiche Box-Historie seines Heimatlandes Mexiko um ein Kapitel erweitern.

 

 

Alvarez, der sich gerne mit schönen Frauen und schnellen Sportwagen ablichten lässt, zeigt sich in Anbetracht der Bedeutung des Kampfes geerdet. Im Rahmen der Grand Arrivals am Dienstag sagte er:

„Kein Mexikaner hat je alle vier Titel in einer Division gewonnen. Das ist meine Motivation: Ich will all diese Titel gewinnen und Geschichte schreiben (…). Jacobs bringt alle Fähigkeiten mit. Das macht ihn sehr gefährlich, aber wir sind gut vorbereitet.“

Sollte Alvarez tatsächlich gegen Jacobs gewinnen, würde ihm nur noch der WBO-Mittelgewichtsgürtel von Demetrius Andrade (31) aus den USA fehlen, um als Weltmeister aller vier großen Boxverbände zu gelten.

 

Jacobs mit Mut zum Erfolg

 

Dass Jacobs ein Gegner ist, der seinen Titel nicht leichtfertig hergeben wird, steht außer Frage. „The Miracle Man“, dessen Karriere nach einer Krebsdiagnose im Jahre 2011 als beendet galt, kämpfte sich unter widrigsten Umständen an die Weltspitze zurück und zeigte zuletzt solide Kämpfe gegen Serhiy Derevianchenko (33) aus der Ukraine und Maciej Sulęcki (30) aus Polen.

 

Dass der US-Amerikaner heute Abend dennoch alles in die Waagschale werfen muss, um seinen WM-Gürtel behalten zu können, zeigt sein Kampf gegen Gennady Golovkin. Während Jacobs dem Kasachen im März 2017 nach Punkten unterlag, konnte Alvarez Golovkin deutlich schlagen.

 

Im direkten Vergleich mit Alvarez scheint Jacobs also im Nachteil zu sein, obwohl dies anhand der rein physischen Merkmale der Fighter nicht auf den ersten Blick Sinn macht. So ist Jacobs ganze 10 Zentimeter größer als Alvarez und verfügt über einen Reichweitenvorteil von 6 Zentimetern.

 

Genau diese körperlichen Attribute will der New Yorker gegen Alvarez ausspielen, wie er vor dem Fight in einer Kurzdokumentation des Senders DAZN mitteilte:

„Canelo ist die Art Gegner, die ich bevorzuge. Ich will ihm den Arsch versohlen. Ich will ihn bloßstellen. Ich will in den Ring steigen und zeigen, dass ich der Beste bin. Nur weil ich mich wie ein Gentleman verhalte, heißt das nicht, dass ich in den Ring gehe und mich genauso verhalte wie außerhalb. Mein Job ist, in den Ring zu steigen und so viel Schaden wie möglich anzurichten. Deshalb lieben die Menschen den Boxsport.“

Die Buchmacher teilen Jacobs Optimismus nicht

 

Auch wenn Daniel Jacobs seinem Gegner einen harten Kampf ankündigt, sehen die Buchmacher Alvarez klar im Vorteil. Das mag zum einen daran liegen, dass Alvarez nur einen einzigen Kampf in seiner Laufbahn verlor – und das gegen niemand geringeres als Boxlegende Floyd Mayweather (42).

 

Zum anderen wird schon jetzt gemunkelt, dass die Punktrichter im Falle eines knappen Kampfes zugunsten von Alvarez entscheiden könnten (Link auf Englisch). Zu lange geistert der Begriff der „unbewussten Korruption“ durch die Boxwelt, die angeblich kommerzstarken Fightern einen Vorteil verschaffe.

 

Damit es gar nicht erst zu einer knappen Entscheidung kommen kann, müsste Jacobs seinen Gegner vorzeitig auf die Bretter schicken, was aufgrund der Kampfbilanzen unwahrscheinlich erscheint. Aus diesen und anderen Gründen sehen die Buchmacher Alvarez mit einer Quote von 1.21 deutlich vor Jacobs mit einer Quote von 4.40.