, 05.05.2019

Während in Großbritannien seit Anfang April die neuen strikten Regeln für Fixed-Odds-Betting-Terminals (FOBT) gelten und die Regulierung des Glücksspiel- und Sportwettenmarktes allgemein immer restriktiver wird, öffnen sich seit letztem Jahr in den Vereinigten Staaten die Tore zum legalen und regulierten Glücksspiel immer weiter. Wenig verwunderlich ist es also, dass immer mehr britische Buchmacher in die Staaten expandieren.

 

Probleme auf dem heimischen Markt

Nach Inkrafttreten der neuen FOBT Regelungen ab dem 1. April 2019 war der britisch-irische Buchmacherkonzern Paddy Power Betfair plc der erste, der eine Zwischenbilanz über die finanziellen Auswirkungen zog.

 

Erwartet hatte das Unternehmen einen Gewinneinbruch von 33 bis 43 % und in der Tat vermeldete der Buchmacher einen merklichen Rückgang der im April an den FOBTs erzielten Einnahmen, wobei keine eindeutigen Zahlen genannt wurden.

 

Da in Großbritannien die Regelungen rund ums Glücksspiel [Seite auf Englisch] in den letzten Jahren stetig strenger wurden, hatten viele große Buchmacher schon seit langem auch andere Märkte im Auge.

 

Paddy Power Betfair erobert Amerika

Die Legalisierung von Sportwetten in den USA sorgte schließlich dafür, dass man ein neues Hauptziel hatte. Paddy Power Betfair hatte bereits vor vielen Jahren in Nevada, dem zuvor einzigen Bundesstaat mit wenig eingeschränkten Glücksspielmöglichkeiten, Anker geworfen.

 

USA Flagge Richterhammer

Sportwetten in vielen US-Staaten jetzt legal (Bild: Pixabay)

Mit der sich seit 2018 ausbreitenden Liberalisierung des Sportwettenmarktes entschied sich das Unternehmen dann zu einer maßgeblichen Investition und kaufte mit FanDuel einen der beiden größten Fantasy Sports Anbieter der USA auf.

 

Allein dadurch ist Paddy Power Betfair aktuell in 41 US-Bundesstaaten vertreten, wenn auch längst noch nicht alle Staaten sich für eine Legalisierung von Sportwetten entschieden haben.

 

Die Geschäftszahlen des Unternehmens für das erste Quartal dieses Jahres könnten eindeutiger nicht sein. Dank der Ausweitung auf den US-Markt konnte der Konzern ein insgesamtes Umsatzplus von 17 % im Vergleich zum Vorjahr vermerken. Das größte Umsatzwachstum war dabei mit 47 % in den Staaten festzumachen.

 

Doch auch in Australien konnte das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr 20 % mehr Umsatz machen. Dort ist Paddy Power Betfair seit einigen Jahren unter dem Namen Sportsbet aktiv, welches heute eine der führenden Online Wettplattformen im Land ist.

 

Im Vergleich zu den Erfolgen in Übersee scheint es in Großbritannien weniger gut auszusehen für das Unternehmen. Laut dem aktuellen Quartalsbericht sorgten kundenfreundliche Wettquoten, die Pferdegrippe und die neuen FOBT Regelungen für Einbußen.

 

Peter Jackson, der Geschäftsführer von Paddy Power Betfair, erklärte aber, dass dank den USA und FanDuel das Umsatzziel seines Unternehmens auch im April noch erreicht werden konnte:

Das Geschäft im Monat April passte insgesamt zu unseren Erwartungen. In den USA ist vor allem FanDuel auf einer guten Position, um für uns Umsatz zu generieren und auf den sonstigen Märkten sind wir ebenfalls gut im Zeitplan, um unser Jahresziel der Gewinnerwartung zu erreichen.

Auch andere wandern aus

Paddy Power Betfair ist längst nicht der einzige Buchmacher, der es auf die US-Kundschaft abgesehen hat. Auch andere große Namen wie Bet365 oder Ladbrokes Coral konnten vor kurzen den US-Markt betreten.

 

Bet365 unterschrieb erst im November letzten Jahres einen Partnerschaftsvertrag mit dem New Yorker Unternehmen Empire Resorts, Inhaber des berühmten Monticello Raceway „Racino“. Die Partnerschaft soll zunächst für mindestens 20 Jahre bestehen.

Als Racinos werden in den Vereinigten Staaten Rennstrecken bezeichnet, die neben Pferdewetten auch andere Formen des Glücksspiels anbieten dürfen. Aufgrund der bisweilen strengen Glücksspielgesetze, waren in den meisten Racinos zunächst nur Spielautomaten zugelassen. Viele jedoch konnten ihr Angebot auch auf Tischspiele wie Blackjack oder Roulette ausweiten.

 

Auch in Großbritannien ist seit 2016 das erste Racino in Planung, welches von Buchmacher Betfred auf der Rennbahn in Chelmsford betrieben werden soll. Allerdings scheinen die Pläne bis dato auf Eis gelegt und angesichts der vielen neuen Anti-Glücksspielmaßnahmen des Landes bald ad acta zu geraten.

Auch Ladbrokes Coral, bzw. dessen Inhaber GVC, ist seit seiner 200 Mio. Dollar Fusion mit dem Las Vegas Casino Giganten MGM mittlerweile in den USA vertreten. Die GVC Gruppe setzt ebenfalls vermehrt auf eine Zukunft auf dem US-amerikanischen Markt, wo das Geschäft bisher noch weitgehend konkurrenzfrei ist.

 

Ob die Buchmacher ihrem Ursprungsland Großbritannien dadurch bald vollständig den Rücken zukehren, bleibt abzuwarten. Klar jedoch ist, dass die aktuelle Politik des Landes es selbst den großen Marken deutlich erschwert, mit Erfolg im Geschäft zu bleiben.

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