, 02.07.2020

Das Oberhaus des britischen Parlaments (House of Lords) hat am Mittwoch einen Bericht mit 66 konkreten Änderungsvorschlägen zum geltenden Glücksspielgesetz von 2005 veröffentlicht.

 

Wie die Tageszeitung The Guardian berichtet [Seite auf Englisch], drängten die Lords darauf, die Gesetzesänderungen schnellstmöglich durchzusetzen, ohne den Gambling Act 2005 erneut zu revidieren.

 

Ziel der Änderungen sei es, die Glücksspielgesetzgebung insgesamt deutlich zu verschärfen, um den Spielerschutz zu erhöhen und die Spielsucht zu bekämpfen. Das Oberhaus fordert daher unter anderem:

  • verpflichtende Abgaben aller Glücksspielunternehmen zur Finanzierung von Spielsuchtbehandlung (bisher werden die Abgaben als „freiwillig“ bezeichnet),
  • ein Testverfahren für Glücksspiele, auf Grundlage dessen besonders suchterzeugende Spiele verbannt werden können,
  • strikte Regeln über Bonus- und Lockangebote,
  • eine strikte Überprüfung der finanziellen Mittel aller Spieler,
  • eine Angleichung der Spielgeschwindigkeit von Online-Spielen an landbasierte Slots und Casinospiele,
  • eine Anhebung des Mindestalters zur Teilnahme an Lotterien und Rubbellosen.

Oberhaus-Mitglied Lord Grade erklärte, dass die Maßnahmen von äußerster Dringlichkeit seien. Bereits jetzt litten mehr als 300.000 Briten an Spielsucht, darunter 55.000 Minderjährige. Es sei davon auszugehen, dass insgesamt 2 Millionen Menschen direkte oder indirekte Schäden durch Glückspiele erlitten.

 

Das Oberhaus wolle das Glücksspiel nicht grundsätzlich verbieten, jedoch dort ansetzen, wo die derzeitige Gesetzgebung nicht ausreiche, um Spieler zu schützen.

Niemand hat die Absicht, das Glücksspiel komplett zu verbieten. Wir wollen nur die Schäden minimieren, Selbstmorde verhindern und das Leid der Menschen mindern, das durch Spielsucht entsteht. Wir greifen den Teil des Marktes an, bei dem Dinge komplett aus der Bahn geraten sind.

Das Ende des Sponsorings im Sport?

Auch die Gesetze für Sponsorenpartnerschaften zwischen Glücksspielfirmen und Sportligen- oder -teams sollen grundlegend überholt werden. Dies könnte insbesondere auf den Fußball weitreichende Auswirkungen haben.

 

So fordern die Lords, dass die Logos der Glücksspielanbieter von Trikots und Stadion-Bannern entfernt werden.

 

Während dies in der Premier League sofort zu erfolgen habe, solle den unteren Fußballligen und anderen Sportligen eine Übergangsfrist bis 2023 gewährt werden.

 

Lediglich für den Pferde- und Windhundsport solle eine Ausnahmeregelung gelten. Die Begründung:

[…] eine strengere Regulierung der Glücksspielindustrie könnte unbeabsichtigte Konsequenzen für den Rennsport haben. Um die Pferdesport-Industrie zu schützen, schlagen wir daher vor, sie vom Werbeverbot auszunehmen.

Auch seien Pferdewetten „Lichtjahre von den High-Speed-Online-Spielen entfernt.“ Ob die betroffenen Sportligen diese Erklärung jedoch hinnehmen, bleibt abzuwarten.

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