Montag, 28. November 2022

Ex-Mitarbeiter klagen: Casinò di Campione versäumt erste Zahlungsfristen

Casinò di Campione Außenansicht Teilansicht Die Frist für die erste Rate war Ende April (Bild: Flickr/jpmm/CC BY-NC-ND 2.0)

Ehemalige Mitarbeiter des Casinò di Campione haben sich Rechtsbeistand gesucht, um mit der Spielbank vereinbarte Abfindungszahlungen einzufordern. Wie das Branchen-Magazin Gioco News am Samstag berichtete, habe das Casino in der italienischen Exklave Campione d’Italia im Schweizer Tessin die erste Zahlungsfrist bereits versäumt.

So habe die Geschäftsleitung des Casinos im Rahmen der Verhandlungen zur Wiedereröffnung 2021 eine Vereinbarung mit dem Titel „Arbeitgeber erklärt sich für Wiedereinstellung und Entschädigung bereit“ unterzeichnet. Der Vereinbarung zufolge hätten all jene Ex-Mitarbeiter, die ihren Job nicht zurückerhalten könnten, ein Anrecht auf eine „angemessene Abfindungszahlung“.

Das Casino habe sich verpflichtet, diese über einen Zeitraum von 36 Monaten ab der Wiedereröffnung vierteljährlich auszuzahlen. Dementsprechend hätten die betroffenen ehemaligen Mitarbeiter ihre erste Zahlung Ende April erhalten müssen. Dies sei jedoch nicht geschehen.

Das Casinò di Campione schloss am 27. Juli 2018 aufgrund von Insolvenz seine Türen. Damals verloren 492 Mitarbeiter der Spielbank ihre Arbeitsplätze. Zur Neueröffnung Anfang des Jahres stellte das Casino 174 Leute an. Nicht bei allen davon handle es sich Berichten zufolge um ehemalige Mitarbeiter. So hätten sich insgesamt 650 Personen um die laut den Medien „gut bezahlten“ Stellen beworben. Weitere 100 Arbeitsstellen sollen Schritt für Schritt im Laufe der nächsten Jahre besetzt werden. Eine Rückkehr zur damaligen Mitarbeiterzahl sei jedoch nicht geplant.

Ein Rückschlag nach erfolgreicher Wiedereröffnung

Dass das Casino nun den ersten Verpflichtungen gegenüber seinen ehemaligen Angestellten nicht nachkomme, sorge für großen Unmut unter den Betroffenen. Da das Casino nun fast zwei Monate in Zahlungsverzug sei, sollen Rechtsanwälte nun Druck ausüben.

In einem anwaltlichen Schreiben, welches Gioco News vorliege, sei das Casino nun aufgefordert, die fälligen Beträge innerhalb von zehn Tagen zu zahlen. Andernfalls drohten weitere rechtliche Schritte:

Im Falle einer erneuten Versäumnis […] sehen wir uns gezwungen, uns an die zuständigen Behörden zu wenden, um die Rechte unseres Mandanten zu schützen. Dies wird zu weiteren Kosten führen, welche die Casino-Gesellschaft zu tragen hat.“

Nach einem wirtschaftlich erfolgreichen Neustart dürfte jedweder Rechtsstreit einen unangenehmen Dämpfer für das Casino darstellen. Während das Casino noch keine offiziellen Geschäftszahlen für das erste Quartal 2022 veröffentlichte, zeigte sich die Geschäftsführung zuversichtlich. Jahresziel sei ein Gesamtumsatz von 40 Mio. Euro. Damit sei das Casino jedoch immer noch weit entfernt von seinem höchsten Jahresumsatz von 96 Mio. Euro im Jahr 2017.