, 22.09.2019

In der vergangenen Woche nahmen Fahnder auf den Philippinen acht Verdächtige im Kontext sogenannter Casino-Kidnappings fest. Im Zuge der Ermittlungen stießen die Polizisten auf mutmaßliche Verbindungen zum größten Junket Operator Asiens, der Suncity Group. Das Unternehmen aus Macau wird immer wieder verdächtigt, dem organisierten Verbrechen nahezustehen.

 

Dutzende Fälle von Casino Kidnappings

 

Seit 2017 sind auf den Philippinen insgesamt 56 Fälle von Entführungen durch Kredithaie bekanntgeworden. Allein im vergangenen Monat soll es vier solcher Kidnappings gegeben haben. Wie die Philippinische Nationalpolizei PNP bekanntgab, gelang es ihrer auf Entführungen spezialisierten Einheit AKG nun, zwei Entführungen aufzuklären. Hierbei wurden insgesamt acht mutmaßlich Beteiligte festgenommen.

 

Casino VIP Lounge

Im Zentrum der Ermittlungen: Ein Casino VIP-Raum (Symbolbild: Quelle:Santcomm, licensed under CC BY-SA 3.0)

Obwohl auf den Philippinen Kidnappings durch Kredithaie somit leider keine Ausnahme darstellen, dürfte einer der beiden jüngst von den Behörden vermeldeten Fälle allerdings politische Sprengkraft bergen.

 

Im Raum steht der Verdacht, dass Junket Operator Suncity in die illegale Vergabe hoher Kredite und einer darauffolgenden Freiheitsberaubung verstrickt sein könnte. Das Unternehmen ist in erster Linie für die Organisation von Glücksspielreisen für gutbetuchte asiatische Highroller bekannt.

 

Immer wieder gibt es jedoch Gerüchte, nach denen der in Macau ansässige Konzern auch im kriminellen Bereich zu operieren scheint. Unter anderem soll er in enger Verbindung mit chinesischen Triaden stehe.

 

Drei Tage im VIP-Bereich

 

Im aktuellen philippinischen Fall sollen zwei chinesische Staatsbürger zwei ihrer Landsmänner zu einer dreitägigen All-Inklusive-Reise ins Okada Manila Casino Resort eingeladen haben. Einzige Bedingungen für den Luxustrip sei gewesen, dass die Männer ihre Einsätze in einem von Junket Operator Suncity betriebenen VIP-Room machten und sich ihre Chips von den Mittelsmännern aushändigen ließen.

 

Nachdem sie umgerechnet rund 141.000 USD per Banking App überwiesen hatten, erhielten die Spieler von ihren Gastgebern die Chips. Nach nur wenigen Stunden seien die Einsätze verloren gewesen. Hieraufhin hätte einer der Organisatoren der Reise massiv versucht, den Männern weitere Darlehen aufzudrängen, wie die philippinischen Behörden mitteilten:

Herr D. sagte ihnen, sie sollten gehen und versuchte stattdessen, sie dazu zu überreden, sich Geld von der Gruppe zu leihen.

Schließlich sei es den Spielern jedoch gelungen, sich ohne Kredit auf ihr Hotelzimmer zurückzuziehen.

 

Entführung und Freiheitsberaubung

 

In der folgenden Nacht, so der Bericht der philippinischen Behörden, seien sie erwacht und hätten festgestellt, dass einer der Organisatoren der Reise in ihrem Zimmer auf dem Boden geschlafen habe. Hierbei habe er den einzigen Ausgang blockiert.

 

Alarmiert hätten die Männer einen Bekannten in China angerufen, der wiederum das Hotelpersonal über die Situation informiert habe. Dieses habe sich an die AKG gewandt, welche die Männer aus dem Zimmer befreit und die beiden Verdächtigen festgenommen habe. Ihnen wird nun „Entführung wegen Lösegeldes mit schwerer rechtswidriger Freiheitsberaubung“ vorgeworfen.

 

Junket Operator Suncity äußerte sich bislang nicht zu den Angaben der Verdächtigen, dass sie bei dem Unternehmen angestellt seien. Nichtsdestotrotz dürften die Vorwürfe für Wirbel sorgen. Denn Suncity steht bereits in mehreren Ländern unter besonderer Beobachtung.

Chinesische Behörden verdächtigen Junket Operator Suncity, sich bei der Vermittlung seiner Reisen gezielt an reiche Chinesen zu wenden.

 

Dies ist nach chinesischem Recht illegal. Außer in der Sonderverwaltungszone Macau ist es den Bewohnern des Reichs der Mitte verboten, sich am Glücksspiel zu beteiligen. Die Akquise chinesischer Highroller für die VIP-Lounges internationaler Casinos steht somit auch unter Strafe.

 

Weiterhin sehen die Behörden Grund zu der Annahme (Seite auf Englisch), Suncity nehme mit Offshore Online Casinos gezielt Bewohner des Festlandes ins Visier, was ebenfalls illegal ist.

Australische Ermittlungen gegen Suncity

 

Derzeit ermitteln auch australische Behörden gegen den Veranstalter von Highroller-Reisen. Der Junket Operator, der unter anderem der australischen Crown Gruppe zahlungskräftige Gäste aus dem Ausland zuführt, soll Medienangaben zufolge Hauptakteur in diversen Fällen von Geldwäsche im Land sein und dubiose Verbindungen in China und Australien unterhalten.

 

In Reaktion auf die Vorwürfe australischer Ermittler schloss der Junket Operator bereits zwei seiner prestigeträchtigen VIP-Rooms in australischen Casinos. Wie es mit dem Highroller-Geschäft auf den Philippinen weitergehen wird, ist bislang nicht geklärt.