, 16.08.2021

Das Crown Casino in Melbourne hat eine dringende Untersuchung gegen einen Mitarbeiter eingeleitet. Wie die australische Tageszeitung The Age am heutigen Montag berichtet, sei dieser im Rahmen von Investigativ-Recherchen als Neonazi identifiziert worden. Dies habe am Sonntag eine Reportage von The Age, The Sydney Morning Herald und 60 Minutes ans Licht gebracht.

 

Der betreffende Mitarbeiter sei Mitglied der größten australischen Neonazi-Organisation, dem National Socialist Network. Innerhalb seiner Gruppe habe er sich damit gebrüstet, Schwarze Mitarbeiter, die er „f…g n…rs“ nannte, herumzukommandieren. Sie seien im Melbourne-Casino seine Untergebenen.

 

Wie The Age berichtet, handele es sich um einen Sicherheitsmanager des Crown-Casinos. Er sei vormals Soldat bei einer Spezialeinheit gewesen und besitze eine geprüfte Sicherheitslizenz von der Victoria Police. In der Neonazi-Gruppe sei er zwar weniger aktiv als andere Mitglieder, unterstütze diese aber finanziell.

 

The Crown habe heute Morgen in einem Statement mitgeteilt, eine dringende Untersuchung gegen den Mitarbeiter eingeleitet zu haben. Eine Sprecherin habe erklärt:

Vielfalt und Inklusion sind das Herzstück der Werte von Crown und an unserem Arbeitsplatz ist keinerlei Diskriminierung geduldet. Wir sind zutiefst besorgt über die Medienvorwürfe von letzter Nacht und über die nicht autorisierten Kommentare, die einem Crown-Mitarbeiter zugeschrieben werden.

Auf seinem LinkedIn-Profil beschreibe sich der Mitarbeiter derweil als „erfahrener und optimistischer Sicherheitsdienstleiter“ im Crown Casino.

 

Investigativ-Recherchen mit besorgniserregenden Ergebnissen

 

Die Reportage, die zur Einleitung der Crown-Untersuchung geführt habe, beruhe auf achtmonatigen Investigativ-Recherchen von The Age, The Sydney Herald und 60 Minutes. Dabei sei das National Socialist Network „beispiellos“ unterwandert worden.

Das National Socialist Network wurde im Jahr 2020 gegründet. Die Aktivitäten der Organisation begannen im Februar 2020 mit einer Social-Media-Kampagne. Bei den ersten Mitgliedern habe es sich um Angehörige nicht mehr existierender extremistischer Gruppen wie der Lads Society gehandelt. Als Anführer des National Socialist Network gilt Ex-Soldat Thomas Sewell, der mit Aktivitäten wie dem vom Ku Klux Klan bekannten Verbrennen von Kreuzen für Schlagzeilen sorgte.

Die Recherchen, so berichtete The Age [Seite auf Englisch], hätten im Januar 2021 begonnen. Damals habe ein Neonazi-Insider die Journalisten kontaktiert. Die Anführer des National Socialist Network, so habe er gewarnt, seien weitaus gefährlicher als bisher angenommen.

 

Auch Beamte der Strafverfolgungsbehörden stützten diese Thesen. Sie vermuteten, das Netzwerk greife die Ideologie internationaler Neonazi-Terrorgruppen wie Combat 18 auf, die ihre Mitglieder zur Vorbereitung auf einen bevorstehenden „Rassenkrieg“ auffordere. Combat 18 stehe außerdem in Verdacht, im Jahr 2019 am Mord des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) beteiligt gewesen zu sein.

 

Chats Nachrichten Telegram What

Den Investigativ-Journalisten ist es gelungen, Zugang zu geheimen Chat-Nachrichten des National Socialist Network zu erhalten. (Bild: Pixabay/Thomas Ulrich)

Während der Investigativ-Recherchen hätten Insider Zugang zu geheimen, verschlüsselten Nachrichten gehabt. Die Chatrooms der Gruppe seien ein wahrer „Extremismus-Multiplikator“. In ihnen würden die Mitglieder Nachrichten und Videos posten, die extremen Rassismus und Gewalt verherrlichten.

 

Später sei es einem Journalisten gelungen, sich als „Maulwurf“ in die Gruppe einzuschleusen, an geheimen Treffen teilzunehmen und verdeckte Videoaufnahmen zu machen. Kampftrainings stünden im Zentrum der Gruppentreffen, berichtete dieser. Doch auch Ideologie-Workshops seien an der Tagesordnung.

 

Nach und nach sei den Journalisten durch die Videoaufnahmen, aber auch Hinweise wie Stellenbeschreibungen, die Identifizierung einzelner Mitglieder – darunter des Crown-Casino-Mitarbeiters – gelungen. Nun bleibt abzuwarten, welche Folgen die Enthüllungen für ihn haben werden und ob Forderungen nach einem Verbot des National Socialist Network nachgegeben werden wird.