, 01.08.2019

Crown Resorts Logo mit Krone

Die Krone ist das Markenzeichen von Crown Resorts. (Quelle: Wikipedia)

Das australische Glücksspiel-Unternehmen Crown Resorts hat am Mittwoch mit einer Anzeigenkampagne auf die Berichterstattung des Investigativ-TV-Programmes „60 Minutes“ reagiert.

 

Die Konzernführung wirft den verantwortlichen Journalisten darin unter anderem vor, der Reputation von Crown Resorts durch fehlerhafte Recherchen geschadet zu haben.

 

 „60 Minutes“ berichtete am Sonntag in einer TV-Reportage über angebliche Verbindungen des Unternehmens zu asiatischen Banden, Geldwäsche- und Visa-Vergehen.

 

Crown Resorts kontaktiert Zeitungen

 

Dass sich der Aufsichtsrat von Crown Resorts nach den schweren Anschuldigungen in dieser Woche zu Wort meldete, scheint nicht ungewöhnlich. Schließlich hat die Aktiengesellschaft eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und Aktionären.

 

Überrascht hat allerdings die Form, in der das Unternehmen auf die Negativmeldungen reagierte. Wie der australische TV-Sender Australian Broadcasting Corporation (ABC) meldete, wandte sich „Crown“ mit ganzseitigen Werbeanzeigen an einige der größten Zeitungen des Landes.

So reagierte die Politik auf den Bericht

Die Reportage des Nachrichtenprogramms „60 Minutes“ wirkte sich nicht nur unmittelbar auf den Aktienkurs von Crown Resorts aus, sondern rief auch die Politik auf den Plan. Allen voran Tony Robinson, früherer Minister für Glücksspiel im australischen Bundesstaat Victoria, kritisierte am Montag die mangelhafte Regulierung des Konzerns. Es habe in den 2000ern keine ausreichenden Ressourcen gegeben, um effektive Kontrollen und Überwachungen zu gewährleisten.

 

Laut dem TV-Sender SBS News kündigte die australische Regierung bereits am Dienstag eine Untersuchung in die Affäre an. Geklärt werden soll vor allem, ob staatliche Stellen an einer illegalen Erteilung von Einreiseerlaubnissen beteiligt gewesen seien.

Während die Publikationen des Medienhauses Nine (Mutterkonzern von „60 Minutes“) den Abdruck der Werbeanzeigen verweigerten und die Absichten der Kampagne infrage stellten, druckten sowohl The Australian als auch die Herald Sun die Annonce des Spielbankenbetreibers.

 

Wurde Crown Resorts unfair behandelt?

 

Im Werbetext positioniert sich Crown Resorts (Link auf Englisch) als Leidtragender einer Berichterstattung, die „regelrechte Lügen“ behaupte. So heißt es in dem vom Aufsichtsrat unterzeichneten Inserat:

„Als Aufsichtsrat sind wir äußerst besorgt um unsere Mitarbeiter, Aktionäre und andere Stakeholder, da ein Großteil dieser unausgewogenen und sensationalistischen Berichterstattung auf unbegründeten Anschuldigungen, Übertreibungen, nicht unterstützten Verbindungen und regelrechten Lügen beruht. (…).“

Ferner nimmt der Konzern detailliert zu den Vorwürfen der verantwortlichen Journalisten Stellung, welche in ihrem Bericht zahlreiche Beispiele für schlechten und irreführenden Journalismus geliefert hätten.

 

„Crown“ habe entgegen der Meldungen von „60 Minutes“ keinen Privatjet für den Cousin des chinesischen Präsidenten gechartert, noch mit chinesischen Kriminellen zusammengearbeitet. Auch der Vorwurf, mit vermeintlich verbrecherischen Junket Operators aus China kollaboriert zu haben, sei falsch.

 

 

Die Organisationen, zu deren Geschäftsfeld es gehört, reiche Spieler und große Casinos zusammenzubringen, würden in Macau genauestens kontrolliert. Zudem nehme „Crown“ selbst genauste Kontrollen der Firmen vor.

 

Anschuldigungen bezüglich angeblicher Geldwäsche wies Crown Resorts ebenfalls aufs Schärfste zurück. Der Casinobetreiber halte sich strengstens an nationale und internationale Geldwäsche- und Anti-Terrorfinanzierungsgesetze und arbeite eng mit den australischen Regulatoren zusammen.

 

Die Presse gibt nicht klein bei

 

Die australische Zeitung The Age, die sich nicht dazu entschied die Werbung abzudrucken, reagierte mit einer Erwiderung auf die Kampagne des Crown Resorts.

 

Das Melbourner Blatt, das ebenfalls an den Recherchen über das Glücksspiel-Unternehmen beteiligt war, veröffentlichte eine Punkt-für-Punkt-Analyse der von „Crown“ vorgebrachten Recherchefehler und verteidigte seine journalistische Arbeit.

 

Nun bleibt abzuwarten, wie sich Wirtschaft, Politik und Presselandschaft im Zuge einer möglichen parlamentarischen Untersuchung positionieren werden. Sollten sich die Beweise gegen „Crown“, einem wichtigen Arbeitgeber und Steuerzahler erhärten, könnten Werbeanzeigen allein nicht ausreichen, um das Image des Casino-Riesen in Australien zu reparieren.