, 04.11.2020

In Australien geht die Untersuchung gegen den Casino-Betreiber Crown Resorts in die entscheidende Phase. Am Mittwoch erklärte ein Ermittler gegenüber der Glücksspielkommission, dass das Unternehmen für den Besitz einer Casino-Lizenz ungeeignet sei.

 

Vor dem seit mittlerweile 48 Sitzungen tagenden Untersuchungsausschuss der Independent Liquor and Gaming Authority präsentierte der ermittelnde Anwalt Adam Bell gestern seine Ergebnisse:

Zusammenfassend stellen wir fest, dass die dieser Untersuchung vorgelegten Beweise zeigen, dass der Lizenznehmer keine geeignete Person ist, um die Lizenz weiterhin zu verwenden, und dass Crown Resorts keine taugliche [juristische, Anm. der Redaktion] Person ist, um mit dem Lizenznehmer eng verbunden zu sein.

Ursächlich dafür sei unter anderem der beherrschende Einfluss des langjährigen Mehrheitseigners James Packer. Diesem und seinem Management waren in den vergangenen Anhörungen diverse Verfehlungen, beispielsweise bei der Verhinderung von Geldwäsche in den Casinos, nachgewiesen worden.

 

Weiterhin werfe die vor vier Jahren erfolgte Verhaftung von 19 Crown-Mitarbeitern in China ein schlechtes Licht auf das Geschäftsgebaren des Unternehmens. Den Casino-Angestellten war damals vorgeworfen worden, das in dem Land verbotene Glücksspiel beworben zu haben.

 

Es drohen harte Konsequenzen

Der Bericht des Anwalts könnte für Crown schwerwiegende Konsequenzen haben. Gladys Berejiklian, Premierministerin von New South Wales, kündigte am Mittwoch an, dass sie die Lizenz für das Crown-Casino in Sydney untersuchen werde.

Das in Sydney beheimatete Barangaroo Casino soll das Glanzstück von Crown werden. Die Eröffnung des über 1,3 Mrd. Euro teuren Baus ist für den Dezember geplant. Im Gegensatz zu anderen Casinos wird der in Sydneys höchstem Gebäude untergebrachte Glücksspieltempel nur VIP-Spielern offen stehen.

Berejiklian erklärte, dass sie sich aufgrund des Berichts erneut beraten werde. Die Politikerin schloss nicht aus, dass sie von Crown eine Verschiebung der Eröffnung verlangen könnte.

 

Von Bells Aussagen könnten auch Crowns übrige Casino-Aktivitäten in Perth und Melbourne betroffen sein. So wurden in dem Bundesstaat Victoria bereits Rufe laut, die Lizenz für den Betrieb in Melbourne erneut zu überprüfen.

 

Eine Stilllegung der Casinos in Australien würde Crown die Geschäftsgrundlage in dem Land fast vollständig entziehen. Der Konzern müsste sich in diesem Fall auf seine Casinos in Macau und Großbritannien sowie auf seine Wettbüro-Beteiligungen in Asien konzentrieren.