, May 1, 2019

Der dänische Premierminister Lars Løkke Rasmussen (54) besuchte gestern die Trainingsstätte des Counter-Strike-Teams Astralis und bekräftigte dabei seine Unterstützung für eSports. Bereits im November des vergangenen Jahres hatte er sich zu eSports bekannt, als er in der Royal Arena in Kopenhagen das Finale des Counter-Strike-Turniers BLAST Series Pro 2018 mit einer Rede eröffnete.

 

eSportler als Vorbilder für Jugendliche

 

Für den Besuch des eSports-Teams Astralis nahm sich der Premierminister zwei Stunden Zeit und ließ es sich dabei nicht nehmen, ein paar Runden Counter-Strike: Global Offensive zu spielen. Zum Treffen sagte er:

„Die Jungs von Astralis sind definitiv Vorbilder. Viele Jugendliche spielen hier in Dänemark. Laut Statistik spielen 96 % aller dänischer Jungen mindestens zweimal pro Woche. Sie befinden sich in Kellern und in Räumen hinter verschlossenen Türen und die Eltern fragen sich ‚Was tun sie gerade?‘“

Astralis sei ein Beispiel dafür, dass es beim Spielen darum ginge, Menschen im wirklichen Leben zu treffen. Außerdem ginge es um ausreichend Schlaf, die richtige Ernährung und körperliche Aktivität.

 

Bereits bei seiner Rede zur Eröffnung des Finales der BLAST Pro Series in Kopenhagen Anfang November 2018 hatte Rasmussen die harte Arbeit und das Training der Spieler anerkannt und diese als „echte Sportler“ bezeichnet:

„Ihr habt jahrelang trainiert, um dort anzukommen, wo ihr seid. Und auf diesem Weg musstet ihr euch wahrscheinlich mehr als einmal rechtfertigen und die Leute davon überzeugen, dass ihr nicht eure Zeit verschwendet.“

Das dänische eSports-Team Astralis hatte bei der BLAST Pro Series Copenhagen 2018 nach den Teams Natus Vincere (Ukraine) und NiP (Schweden) den dritten Platz für sich entscheiden können. Der gestrige Besuch des Premierministers beim Team ist Teil einer umfassenderen Strategie Dänemarks zur Entwicklung von eSports.

 

Dänisches Kultusministerium veröffentlichte umfassende eSports-Strategie

 

Mette Bock

Die dänische Kulturministerin Mette Bock spricht sich dafür aus, einen geeigneten Rahmen für eSports zu schaffen. (Bild: Wikipedia)

Am 27. April 2019 kündigte das Kulturministerium in einer Pressemitteilung (Seite auf Dänisch) die Einrichtung eines eSports-Panels an und veröffentlichte eine nationale Strategie für eSports. Hierbei geht es vorrangig darum, eSports als Wirtschaftsfaktor zu entwickeln und die Wachstumschancen zu erkennen.

 

Das wirtschaftliche Wachstum, das das Kultusministerium in einigen Jahren auf rund 10 Milliarden Dänische Kronen (ca. 1,3 Milliarden Euro) schätzt, sei maßgeblich auf das Sponsoring professioneller Teams, Werbung und den erhöhten Verkauf von Sportausrüstung und Tickets für eSports-Events zurückzuführen.

 

Im Rahmen der nationalen eSports-Strategie will man sich mit den Veränderungen der Freizeitgewohnheiten der Jugendlichen beschäftigen und dazu beitragen, einen sicheren und gesunden Rahmen für eSports zu schaffen. Kultusministerin Mette Bock sagte hierzu:

„Wir müssen einen guten Rahmen für den Sport schaffen. ESport befindet sich in einer rasanten sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung, in der dänische Sportler zur Weltspitze gehören. Die Kehrseite der Medaille zeigt jedoch, dass große Gruppen, insbesondere von kleinen Jungen, ihre Freizeitgewohnheiten und ihre Geselligkeitsmuster geändert haben. Das eröffnet Chancen, viele Eltern machen sich aber auch Sorgen.“

Damit müsse sich das eSports-Panel auseinandersetzen. Wichtige Diskussionspunkte des Panels werden deshalb sein, wie sich eine nachhaltige, durchgängige Struktur für eSports in Dänemark aufbauen lässt und wie Nachwuchstalente gefördert werden können. Zudem wird sich das eSports-Panel mit der Integrität von eSports sowie der Entwicklung von Vereinigungen auseinandersetzen.

 

Weitere Themen sind die Gewinnung von mehr Mädchen und Frauen für eSports sowie die Schaffung von Möglichkeiten für das wirtschaftliche Wachstum und das Unternehmertum in diesem Sektor.

 

Zurückhaltung in der deutschen Politik

 

In Deutschland ist man von diesen Entwicklungen noch weit entfernt, wie die jüngsten Diskussionen beim GERMAN ESPORTS SUMMIT Anfang des Monats in Berlin zeigten. Hierbei hatte sich der Staatssekretär im Bundesministerium des Inneren, Stephan Mayer (CSU), zurückhaltend gezeigt und darauf hingewiesen, dass es für einen Innen- bzw. Sportminister nicht üblich sei, klare Position zu einem Sport zu beziehen.

 

Während die Politik in Deutschland noch immer Debatten um die Anerkennung von eSports führt, machen die Verbände dagegen schon längst Nägel mit Köpfen. So ist erst vor Kurzem die ESBD (eSports Bund Deutschland) Arbeitsgruppe „Frauen im eSport“ gegründet worden. Zudem haben sich zwölf eSports-Verbände im Rahmen der gamesweekberlin auf die Gründung eines europäischen eSports-Verbandes geeinigt.

 

Eine gemeinsame Arbeit der Verbände über die Ländergrenzen hinweg könnte nicht nur zu einer verbesserten Strukturierung von eSports auf europäischer Ebene beitragen, sondern auch zu einer zunehmenden Anerkennung von eSports in Deutschland.