, July 4, 2019

Wie die britische Presse heute berichtete, will der britische Buchmacher William Hill landesweit 700 Wettbüros schließen. Dies könnte zum Verlust von 4.500 Arbeitsplätzen führen.

 

Das Unternehmen ließ verlauten, dass ein deutlicher Rückgang der Umsätze Grund für die Maßnahmen sei, nachdem die Regierung den Höchsteinsatz an den Wettterminals (FOBTs) von 100 Pfund Sterling auf nur 2 Pfund Sterling reduziert hatte. Die Bestimmungen hinsichtlich des erlaubten Höchsteinsatzes traten am 1. April dieses Jahres in Kraft.

 

Bereits nach der Veröffentlichung seines Jahresberichts im März 2019 prognostizierte William Hill, dass die Reduzierung der Höchsteinsätze zu Schließungen von etwa 900 Wettbüros führen könnte.

B2-Spielautomaten – auch als Fixed Odds Betting Terminals (FOBT) bekannt – wurden 1999 in Wettbüros eingeführt. Seitdem ist die Anzahl der Terminals bei den Buchmachern in Großbritannien auf 33.468 gestiegen.

 

Die FOBTs stehen seit einigen Jahren unter heftiger Kritik, da sie das Glücksspiel mit hohen Einsätzen förderten und die Menschen dem Risiko der Spielsucht und des finanziellen Ruins aussetzten. Aktivisten bezeichneten die FOBTs als „Crack Kokain“ des Glücksspiels.

 

2016 begann die Regierung die Überprüfung der Geräte. Angaben der britischen Glücksspielkommission zufolge seien die Umsätze durch die FOBTs von 1,05 Milliarden Pfund Sterling im Jahre 2009 auf 1,83 Milliarden Pfund Sterling im Jahre 2018 gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg von 74 %.

William Hill betreibt derzeit 2.300 Wettbüros in Großbritannien und beschäftigt rund 12.500 Mitarbeiter. Es ist noch nicht bekannt, welche Wettbüros von den Schließungen betroffen sein werden. Die Mitarbeiter seien aber über die Pläne des Unternehmens informiert worden. Die ersten Schließungen sollen bereits Ende dieses Jahres erfolgen.

 

In einem Statement des Unternehmens heißt es:

Die Gruppe wird sich bemühen, umfassend freiwilligen Personalabbau und Umverteilungsmaßnahmen zu veranlassen und alle Kollegen während des gesamten Prozesses unterstützen.“

Die Schließung von William Hill Wettbüros und die Konsequenzen für Mitarbeiter

Tom Blenkinsop, Operations Director bei der Gewerkschaft der Mitarbeiter in der Glücksspiel- und Wettbranche Betting Shop Workers ‘Union Community, [Seite auf Englisch] beschrieb die Ankündigung des Buchmachers als “verheerende Nachricht für Tausende von Arbeitnehmern in den Wettbüros”.

 

Er forderte William Hill auf, sich an die Gewerkschaft zu wenden, damit die Mitarbeiter während des Schließungsprozesses zusätzliche Unterstützung und Beratung erhielten.

 

Er fügte hinzu:

“Die Regierung muss auch eine Rolle spielen und prüfen, welche Unterstützung sie Arbeitnehmern bieten kann, deren Arbeitsplätze bedroht sind. Die Arbeitnehmer haben es nicht verdient, Opfer der Veränderungen in der Branche zu werden, die entweder durch die Regierungspolitik oder die bedeutende Verlagerung zum Online-Glücksspiel verursacht wurde.”

Regierung: Die Branche hatte genug Zeit

Nach der Ankündigung von William Hill, einen Großteil seiner Wettbüros schließen zu wollen, meldete sich auch das britische Ministerium für Digitales, Medien und Sport zu Wort. Ein Sprecher sagte, dass die Senkung der Höchsteinsätze an den Wettterminals dazu beitrage, die extremen Verluste derjenigen zu senken, die es sich am wenigsten leisten könnten.

 

Wettterminal, Bet Button

Spieler verloren an den FOBTs sehr viel Geld. (Bild: youtube.com(

Er sagte weiter, dass die Glücksspielbranche über ein Jahr Zeit gehabt habe, um sich auf die Änderungen vorzubereiten und dem Verlust der Arbeitsplätze entgegenzuwirken.

 

Das Ministerium erwarte nun, dass die Branche seine Mitarbeiter, die von den Schließungen der Wettbüros betroffen seien, angemessen unterstützen werde.

 

Adam Bradford, Gründer der Safer Online Gambling Group, sagte, dass die Jobs nicht zu retten seien. Aber die Maßnahmen der Regierung bedeuteten zumindest einen Rückgang des Elends auf den Straßen.

 

Er fügte hinzu, dass William Hill seine Mitarbeiter dazu einsetzen könne, Spielsüchtige zu unterstützen. Es ist allerdings fraglich, ob der britische Glücksspiel-Gigant dies in Erwägung ziehen wird.