Freitag, 20. Mai 2022

Aufstieg und Fall der Junkets in der Glücksspiel-Metropole Macau – Teil 2

Panorama Macau, Gebäude, Licht Die besten Zeiten der Junket-Branche sind vorbei. (Bild: shutterstock.com)

Macaus Junket-Betreiber kamen zunehmend unter Druck, als Chinas Präsident Xi Jinping 2012 beschloss, das Glücksspiel mit seiner Antikorruptionskampagne zu bekämpfen. Chinesischen Bürgern wurden Reisebeschränkungen auferlegt, um Reisen zu Glücksspiel-Destinationen wie Macau zu unterbinden. Die ersten Junkets gaben ihr Geschäft auf oder verlagerten ihre Aktivitäten auf die Philippinen oder nach Vietnam.

Die Fassade bröckelt: Chinas Kampf gegen illegales Glücksspiel

Das Resultat der rigorosen Aktionen der chinesischen Regierung war, dass die Einnahmen in den VIP-Bereichen der Macauer Casinos sanken. Analysten hätten laut Reuters [Seite auf Englisch] prognostiziert, dass das Jahr 2014 das schlechteste seit Beginn der Aufzeichnungen sein würde.

Neben den Anti-Glücksspiel-Maßnahmen habe auch noch ein anderer Aspekt dazu beigetragen, dass weniger „Big Whales“ in den VIP-Bereichen der Casinos zu Gast gewesen seien. Die Wirtschaft in China sei nicht mehr so stark gewachsen wie zum Beispiel im Jahre 2007.

Ein namentlich nicht genannter 54-jähriger Junket-Betreiber kommentierte gegenüber Reuters:

„Ich kann nachts nicht schlafen. Es gibt einfach zu viele Probleme. Ich bin nicht optimistisch in Bezug auf die Zukunft der VIP-Junket-Branche hier. Peking kontrolliert nicht direkt, sondern übt hier subtilen Druck auf die Behörden aus. Es gibt mehr Informationen, die sie sammeln, und es ist jetzt sogar für niederrangige (chinesische) Beamte schwieriger, hierher zu kommen, um zu spielen.“

Im Jahre 2020 entschied sich die chinesische Regierung zu einem weiteren drastischen Schritt. So beschloss der ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses, VIP-Casino-Reisen nach Macau unter strenge Strafen zu stellen. Personen, die dieses Vergehens für schuldig gesprochen würden, müssten mit Haftstrafen von bis zu zehn Jahren rechnen.

Australien: Crown Resorts manövriert sich in unruhiges Fahrwasser durch Junket-Deal

Die Aktivitäten der Junkets beschränkten sich nicht allein auf China. Auch in Australien und auf den Philippinen wurden Partnerschaften geschlossen, um vom lukrativen Geschäft mit den VIPs zu profitieren. Zu den Großkunden der Junket-Unternehmen gehörte auch der australische Glücksspiel-Gigant Crown Resorts.

Crown begann im Jahre 2017, in China um zahlungskräftige Kunden zu werben. Dies rief die chinesischen Behörden auf den Plan, die Crown gegenüber deutliche Warnungen aussprachen. Da Crown jedoch nicht auf das lukrative Geschäft mit High Rollern verzichten wollte, wurden zunehmend die Dienste der Junkets in Anspruch genommen.

Allerdings begannen im Jahre 2019 Ermittlungen gegen Crown Resorts, denn hinter den Junket-Betreibern, die mit Crown kooperierten, sollen kriminelle Organisationen gestanden haben, die das australische Casino nutzten, um illegale Gelder zu waschen. Aufgrund der Ermittlungen waren auch die Glücksspiellizenzen des Casino-Unternehmens in Gefahr, da Crown Resorts es versäumt hatte, die Integrität der Junket-Betreiber zu prüfen.

Crown Resorts Melbourne

Das Geschäft mit Junket-Betreibern hat dem australischen Crown Resorts geschadet. (Bild: yourtravelguide.com)

Im November 2020 entschied die Glücksspielbehörde Independent Liquor and Gaming Authority (ILGA) von New South Wales, Crown Resorts die Lizenz für sein neues Barangaroo Casino in Sydney zu verweigern. Daraufhin kündigte Crown an, die Kooperation mit unlizenzierten Junkets zu stoppen.

Dennoch musste sich Crown in drei australischen Bundesstaaten behördlichen Ermittlungen stellen, die erst im November 2021 abgeschlossen wurden. Am 12. Dezember 2021 soll Crown laut Nasdaq [Seite auf Englisch] die Eröffnung des Barangaroo Casinos für Anfang 2022 angekündigt haben. Laut Crown seien Gespräche mit der Glücksspielbehörde im Gange und es seien gute Fortschritte bei der Bewältigung der Bedenken der Aufsichtsbehörden zu verzeichnen.

Die Verhaftung von Alvin Chau erschüttert die Branche

Zum großen Knall kam es schließlich im November 2021. Die chinesischen Behörden verhafteten den Suncity-CEO Alvin Chau sowie zehn weitere Personen. Ihnen wird vorgeworfen, chinesischen Staatsbürgern illegale Glücksspiel-Angebote unterbreitet zu haben. Zudem bestehe der Verdacht der Geldwäsche und des Drogenhandels.

Alvin Chau

Die Verhaftung von Alvin Chau erschütterte die Junket-Branche. (Bild: youtube.com)

Die Verhaftung Chaus löste eine Schockwelle aus, die die gesamte Glücksspiel-Branche in Macau erschütterte. Die Aktien der Casino-Unternehmen erlebten einen massiven Kurseinbruch.

Nach Chaus Festnahme schloss die Suncity-Group all ihre VIP-Bereiche in den Spielstätten der Stadt. Doch auch weitere VIP-Räume sollen geschlossen werden. So soll Medienberichten zufolge Wynn Macau angekündigt haben, seine VIP-Bereiche bis zum 20. Dezember 2021 schließen zu wollen. Rund ein Drittel der Wynn-Mitarbeiter werde voraussichtlich ihre Jobs verlieren.

Eine Ära geht zu Ende: Casinos in Macau distanzieren sich von Junket-Betreibern

Die Beendigung aller Junket-Deals durch Macaus Casino-Konzessionäre stehe unmittelbar bevor, berichtete ein Branchenmagazin am 8. Dezember 2021. Der Branche werde noch vor Jahresende ein Ende gesetzt.

Die Tak Chun Group, die als der zweitgrößte VIP-Promoter in Macau nach der Suncity Group gilt, soll bereits bestätigt haben, dass Casinobetreiber damit begonnen hätten, ihre Kooperationsvereinbarungen auszusetzen.

Spieltische, Stühle

Casinos in Macau schließen ihre VIP-Bereiche. (Bild: youtube.com)

Tak Chun sagte, sie sei über die Entscheidungen der Betreiber „sehr kurzfristig“ informiert worden. Daher stehe nur eine „sehr begrenzte Zeit zur Verfügung, um die notwendigen Personalvorkehrungen zu treffen“. Das Unternehmen plane, seine betroffenen Mitarbeiter durch Zahlung eines zusätzlichen Monatsgehalts zunächst zu unterstützen.

Wie geht es weiter?

Es ist derzeit noch nicht klar, in welche Richtung sich die derzeit noch aktiven Junket-Betreiber entwickeln werden. Einige Branchenexperten sollen davon ausgehen, dass Macau-Junkets als „internationale Reiseagenten“ überleben könnten.

Dabei würden keine Kredite mehr angeboten. Auch separat gebrandete VIP-Räume stünden nicht mehr bereit. Einnahmen könnten auf Provisionsbasis von den Casino-Betreibern generiert werden.

Carlos Lobo, ein in Macau ansässiger Gaming-Berater, sagte:

Wenn dies zutrifft, müssen die Junkets als Reisebüro operieren, indem sie beispielsweise Gebühren für die Vermittlung reicher Kunden an Casino-Betreiber erhalten, anstatt Provisionen von privaten VIP-Räumen zu bekommen, was seit Jahren das Hauptgeschäftsmodell ist.

Wie die Zukunft der Junkets aussehen wird, ist derzeit noch offen. Es ist noch nicht bekannt, wie das DICJ an die Junket-Re-Lizenzierung herangehen wird und ob überhaupt Lizenzen erteilt werden. Dies soll vom DICJ am 1. Januar 2022 entschieden werden.

Zu Teil 1: Die Geschichte und die goldenen Jahre der Junket-Unternehmen