, March 15, 2019

Am Donnerstag bestätigte der Deutsche Fußballbund in einer Pressemitteilung seine offizielle Teilnahme am ersten FIFA eNations Cup. Anlässlich des Turniers, welches bereits im April in London ausgetragen wird, gründet der DFB daher jetzt erstmals eine eNationalmannschaft.

 

Sinneswandel beim DFB

Der Markt für eSports ist in den letzten Jahren weltweit rasant gewachsen und neben Taktik-Shootern wie Counter-Strike: Global Offensive oder Overwatch steht vor allem die Fußball-Simulation FIFA ganz oben auf der Beliebtheitsskala.

 

Deutsche Bundesligateams haben teilweise bereits vor Jahren eigene eSports-Teams gegründet, um an FIFA-Turnieren teilnehmen zu können. Der VfL Wolfsburg beispielsweise engagiert sich seit 2015 für eSports, der FC Schalke 04 ist seit 2016 dabei und Hertha BSC gründete im letzten Jahr sogar eine eigene eSports Academy.

 

Reinhard Grindel

DFB-Präsident Grindel sprach offen gegen eSports (Bild: Wikipedia)

Vielen Clubs, den Spielern und natürlich den Fans ist schon seit langem klar, dass eSports kein flüchtiger Trend sind, sondern sich bereits fest in der Welt des Sports etabliert haben. Doch noch immer hadern beispielsweise der Deutsche Olympische Sportbund oder die Chef-Etage des DFB mit dem Gedanken.

 

Während der DOSB sich nach wie vor weigert, eSports als Sport anzuerkennen, machte nun zumindest der DFB einen großen Schritt in Richtung digitalen Fußball. So verkündete der Fußballbund am Donnerstag, dass es künftig eine eNationalmannschaft geben werde.

 

Noch vor einem Jahr hatte sich DFB-Präsident Reinhard Grindel vehement gegen eSports ausgesprochen. Dabei beschrieb er eSports als „absurd“ und als eine „Verarmung“. Fußball gehöre auf den Rasen, nicht an den Computer.

 

Ob der 57-Jährige seine persönliche Meinung geändert hat oder überstimmt wurde, verriet der DFB nicht. In einer Pressemitteilung hieß es lediglich, der Schritt sei vom „DFB-Präsidium im schriftlichen Umlaufverfahren beschlossen“ worden.

 

Einladung zum eNations Cup 2019

Anlass für den Sinneswandel beim DFB ist der bevorstehende erste FIFA eNations Cup, zu welchem der Fußball-Weltverband auch Deutschland eingeladen hat. Das brandneue Turnier wird bereits am 13. und 14. April in London stattfinden.

 

Bei der Meisterschaft werden die besten Teams aus 20 Ländern im Spiel FIFA19 gegeneinander antreten, wobei sowohl auf der Xbox One aus auch der PlayStation 4 gespielt wird. Der ausgeschriebene Preispool soll dabei 100.000 US-Dollar betragen.

 

Wie bei der „echten“ FIFA Weltmeisterschaft werden Nationen fast aller Kontinente am eNations Cup teilnehmen. Neben Deutschland treten die Teams der folgenden Länder an:

 

Argentinien, Australien, Brasilien, China, Dänemark, England, Finnland, Frankreich, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Portugal, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, Spanien, Südafrika und die USA.

 

Dr. Friedrich Curtius, Generalsekretär des DFB, erklärte in einem Statement, warum sich der DFB letztendlich für die Teilnahme am Turnier und somit für eSports an sich entschieden hat:

Viele unserer aktiven Fußballer spielen in ihrer Freizeit Fußball auch an der Konsole. Dieser Trend spielt auch in unseren Planungen eine Rolle. Diese Entscheidung ist daher ein weiterer Schritt, den DFB für die Zukunft gut aufzustellen. Wir hoffen, dass umgekehrt Kinder und Jugendliche über Spiele wie FIFA 19 künftig verstärkt den Weg in unsere Vereine finden und am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen.

Welches Team könnte antreten?

 

Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt dem DFB nicht mehr, denn bereits in zwei Wochen ist der offizielle Nominierungsschluss für die Teilnehmer. Da Deutschland bisher nie eine offizielle eNationalmannschaft aufgestellt hatte, muss die Wahl nun ziemlich spontan erfolgen.

 

Wie der TV-Sender RTL berichtete, gäbe es aber bereits einen klaren Favoriten: das Duo Mo „MoAuba“ Harkous (PS4) und Michael „MegaBit“ Bittner (Xbox One) vom Werder Bremen. Das Team hatte nämlich erst vor kurzem die Club Championship der Virtual Bundesliga gewonnen.

 

Werder Bremen Logo

Mo „MoAuba“ Harkous und Michael „MegaBit“ Bittner gewannen für Werder Bremen (Bild: Wikipedia)

Alternativ wurden auch die Profispieler Tim „TheStrxnger“ Katnawatos (FC Basel) oder Dylan „DullenMike“ Neuhausen (1. FC Köln) genannt. Letzterer hatte erst im Januar als jüngster Spieler den FUT Champions Cup gewonnen.

 

Wie der Sender Sport1 berichtete seien aber auch andere Länder noch auf der Suche nach dem perfekten Duo für den Cup. Genannt wurden Schweden, Frankreich und die Niederlande, die zwar bereits vor Ankündigung des Cups offizielle Teams gehabt hätten, aber speziell für das Turnier neue auswählen würden.

 

In Großbritannien hingegen habe man ein spezielles „Casting“ durchgeführt, um die perfekten Gamer zu finden. Für den Cup auserwählt wurden schließlich Donovan “F2Tekkz” Hunt und Thomas “Tom” Leese.

Wer das Event von Deutschland, Österreich oder der Schweiz aus live mitverfolgen möchte, kann bei dem brandneuen TV-Sender eSPORTS1 einschalten. Dort werden alle Spiele mit Live Kommentaren übertragen.