, March 31, 2019

Der Verein Mein Grundeinkommen e.V. sammelt per Crowdfunding Gelder und verlost, sobald ausreichend zusammengekommen ist, bedingungslose Grundeinkommen. Mehr als 300 Menschen konnten sich bereits über monatlich 1.000 Euro für ein Jahr freuen. In der vergangenen Woche fand die Frühlingsverlosung statt.

 

Verlosung live im Internet

Am 28. März übertrug Mein Grundeinkommen e.V. die Frühlingsverlosung des bedingungslosen Grundeinkommens via YouTube-Livestream.

 

542.693 Menschen hofften auf eines von neun zu verlosenden Grundeinkommen. An dem Crowdfunding für die aktuelle Ziehung hatten sich knapp 95.000 Menschen beteiligt.

 

 

Nach eigenen Angaben verfügt der Verein über mehr als eine Million registrierter Nutzer.

Durchschnittlich alle drei Tage ist der Crowdfunding-Topf für das nächste zu verlosende Grundeinkommen durch Klein- und Großspenden von rund 100.000 Unterstützern wieder gefüllt.

Das Gesamt-Spendenvolumen liegt derzeit bei ca. 275.000 Euro im Monat.

Ziehung per Lostrommel und Glücksrad

Wurde der Betrag zur Finanzierung von mindestens acht Grundeinkommen gesammelt, findet eine Verlosung statt, der man live im Internet folgen kann.

 

Nach der Registrierung auf der Homepage des Vereins findet der Interessent in seinem Profil eine aus vier Zahlen bestehende Losnummer, mit der er an der Ziehung teilnehmen kann.

 

Pro zur Verfügung stehendem Grundeinkommen wird die erste Gewinnzahl per Lostrommel ermittelt, die drei weiteren mit einem Glücksrad.

 

Idee ist nicht neu

 

Das Konzept eines flächendeckenden Grundeinkommens, das nicht an Bedingungen gekoppelt ist, wird immer wieder, teils heftig, diskutiert.

In Finnland wurde mit dem 31. Dezember 2018 ein zweijähriges Experiment beendet, das 2000 Arbeitslose mit einem staatlich finanzierten bedingungslosen Grundeinkommen von 560 Euro im Monat bedachte.

 

Eine vorläufige Auswertung der begleitenden Studie kam zu dem Schluss, dass die Probanden keine höhere Produktivität aufwiesen als die Mitglieder der Vergleichsgruppe.

 

Dennoch war festzustellen, dass die Teilnehmer weniger über Stress und gesundheitliche Probleme klagten und generell ein stärkeres Vertrauen in ihre Zukunft und ihre eigenen gesellschaftlichen Mitwirkungsmöglichkeiten aufwiesen.

 

Kritiker beklagen eine unzureichende Umsetzung des Versuchs, eine vollständige Auswertung der Ergebnisse wird für 2020 erwartet.

 

Auch in der deutschen Politik finden sich über Parteigrenzen hinweg immer lauter werdende Stimmen, die sich für unterschiedliche Konzepte eines „Bürgergeldes“ aussprechen.

 

Das 2014 gegründete Projekt „Mein Grundeinkommen“ wagt das Experiment und ermöglicht Menschen die Chance, für ein Jahr finanziell abgesichert zu sein.

 

Grundeinkommen-Verlosung: Chancenmaximierung durch Vernetzung

Das Konzept der Verlosung von Mein Grundeinkommen ist einfach:

 

Während eines ständig laufenden Crowdfundings kann jeder, der die Idee unterstützt, einen beliebigen Betrag ab mindestens einem Euro einzahlen, mit dem er das nächste Grundeinkommen in Höhe von insgesamt 12.000 Euro mitfinanziert.

 

Wer spendet, nimmt als sogenanntes „Crowdhörnchen“ automatisch an den Verlosungen teil, Voraussetzung ist das Einbringen eigener Mittel aber nicht: Stichwort „Bedingungslosigkeit“.

 

Vernetzung, Mensch ärgere Dich nicht

Wer gewinnt, kann auch seinen Freunden etwas Gutes tun (Quelle:pxhere, licensed under CC0)

 

Wer gewinnen möchte, kann für sich allein teilnehmen oder sich in sogenannten Freundeskreisen vernetzen. Wird die Losnummer des Initiators eines Freundeskreises gezogen, wird unter seinen Freunden per Zufallsgenerator ein zweites Grundeinkommen verlost.

 

Macht finanzielle Absicherung faul?

Kritiker fürchten, dass, wer nicht gezwungen sei, selbst für seinen Lebensunterhalt aufzukommen, keinen produktiven Beitrag zur Gesellschaft leiste. Befürworter gehen davon aus, dass sich Menschen, die von finanziell bedingten Existenzängsten befreit sind, aktiver, kreativer und innovativer am Leben beteiligen können.

 

Eine Umfrage des Vereins unter zu diesem Zeitpunkt aktuellen Beziehern des Grundeinkommens legt nahe, dass diese Überlegungen zutreffend sein könnten:

 

Von 43 Teilnehmern an der Befragung im Sommer 2018 hatte nur einer seinen Job während des Bezugs des Grundeinkommens gekündigt, drei wechselten ihren Arbeitsplatz.

 

81 Prozent der Befragten gaben an, mehr Tatendrang zu verspüren, neugieriger (60 Prozent) und mutiger (80 Prozent) geworden zu sein.

 

Grundeinkommen vs. monatliche Sofortrente

Die Idee, einen monatlich auszuzahlenden Betrag zu verlosen, ist nicht neu. Lotterien wie die Glücksspirale oder das Glückslos der Aktion Mensch locken schon lange mit Angeboten wie einer monatlichen Sofortrente.

 

Aktion Mensch logo

Eine monatliche Sofortrente bietet beispielsweise die Aktion Mensch (Quellede:Benutzer:Gaspard, Schöpfungshöhe nicht erreicht)

Der Unterschied zur Verlosung von Mein Grundeinkommen liegt im Prinzip:

 

Zwar fließt auch ein Teil der Einnahmen staatlicher Lotterien ins Gemeinwohl, die direkte Unterstützung eines Projektes, das man für wert erachtet, finanziert zu werden, ist aber ausgeschlossen.

 

Ungleich größer ist der Unterschied in den Erwartungen der Losbesitzer: Klassische Lotterien nehmen das Individuum in den Fokus und die Erfüllung seiner Träume wie „Nie wieder Arbeit“, schnelle Autos oder ein Leben im Luxus.

 

Reich wird man so nicht

Demgegenüber richtet sich Mein Grundeinkommen an diejenigen, die lediglich ihre Grundbedürfnisse gedeckt wissen möchten, um sich besser dem widmen zu können, was sie gerne tun. Reich macht das Grundeinkommen allein nicht.

 

Obwohl es für die Option eines Gewinnes nicht notwendig ist, spenden zehntausende von Unterstützern monatlich, um ein Konzept zu finanzieren, an das sie glauben.

 

Dies markiert den Unterschied zwischen dem Streben nach Reichtum und dem nach einem „guten Leben für alle“. Glück brauchen allerdings beide.