, September 28, 2018

Am Donnerstag versammelten sich die 17 FIFA Funktionäre in Nyon, um über den Austragungsort der Europameisterschaft 2024 zu entscheiden. Nach einem harten Bewerbungskampf fiel die Entscheidung nun zur Freude des DFB auf Deutschland.

 

DFB gewinnt Zuschlag mit großer Mehrheit

Seit Monaten lieferten sich Deutschland und die Türkei einen erbitterten Bewerbungskampf um den Zuschlag für die Europameisterschaft 2024. Gestern ging es im Schweizer Nyon in die letzte Runde.

 

Die Vertreter beider Bewerbungskampagnen präsentierten vor den 17 Anwesenden des UEFA-Exekutivkommittees noch einmal ihre Konzepte und Pläne zur Austragung und stellten sich eine Viertelstunde lang den Fragen der Funktionäre.

 

Flagge Deutschland Türkei

Deutschland und Türkei waren die einzigen Bewerber (Bild: Pixabay)

Deutschland schien von Beginn an der klare Favorit zu sein und insbesondere, als das Thema Menschenrechte und das fehlende Engagement der Türkei in dem Bereich angeschnitten wurde, verstärkte sich dieser Eindruck.

 

Laut der FAZ sei das erneute Scheitern der Türkei vor allem auf die wirtschaftliche und politische Lage des Landes zurückzuführen. Dass die Türkei politische Gegner verhaftet und tief in den Syrienkonflikt involviert ist, seien keine guten Voraussetzungen für einen EM-Austragungsort.

Die EM 2024 in Deutschland

 

Für die Austragung der Spiele wurden mehrere deutsche Großstädte festgelegt. Dazu zählen Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Köln, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Gelsenkirchen und Frankfurt am Main.

 

Das Finale wird mit großer Wahrscheinlichkeit in der Münchener Allianz Arena ausgetragen. Die Stadien haben eine deutlich höhere durchschnittliche Kapazität als die, mit denen sich die Türkei beworben hatte. Die Münchener Allianz Arena mit 70.000 Plätzen und die das Olympiastation in Berlin mit mehr als 74.400 Plätzen zählen dabei zu den größten.

 

Stimmberechtigt und anwesend waren 17 Funktionäre. Von der Wahl ausgeschlossen waren die jeweiligen Repräsentanten der Bewerbungsländer. Deutschland erhielt mit 12 Stimmen die deutliche Mehrheit, während sich nur vier Funktionäre für die Türkei aussprachen und eine Person sich enthielt.

 

Da die Wahl im Geheimen durchgeführt wird, ist nicht ersichtlich, welcher Funktionär für welches Land gestimmt hat. Zwar gelten einige Länder offiziell als Befürworter Deutschlands, doch tat kein Stimmberechtigter seine Meinung öffentlich kund.

 

Gepunktet hat Deutschland insbesondere mit seiner guten Infrastruktur. Die Stadien im Herzen von Europa sind in gutem Zustand und ständiger Austragungsort wichtiger Spiele. In der Türkei hingegen befinden sich einige in der Bewerbung aufgeführten Stadien noch im Bau.

 

Grindel und Lahm hocherfreut

DFB Chef Reinhard Grindel zitterte wochenlang, denn auch wenn Deutschland vieler Meinungen nach der klare Favorit war, gab es durchaus gute Argumente für die Türkei. Nachdem die Entscheidung verkündet wurde, bedankte sich Grindel mit emotionsgeladenen Worten beim UEFA-Exekutivkommitee:

Ich bedanke mich beim UEFA-Exko für das unglaubliche Vertrauen. Ich spüre Verantwortung. Wir werden alles dafür tun, den Erwartungen gerecht zu werden.

Ehemaliger Spitzennationalspieler Philipp Lahm war als Repräsentant der Bewerbungskampagne natürlich einer der wichtigsten Anwesenden. Mit der Vergabe des Zuschlags an Deutschland wurde er offiziell zum Chef des Organisationskomittees. Damit wird er der WM 2024 auch weiterhin sein Gesicht verleihen.

 

Ganz wie man es von Lahm gewohnt ist, drückte er seine Freude über die Vergabe nicht ganz so überschwänglich aus. Er wolle dem Verlierer, in diesem Fall die Türkei, den nötigen „Respekt zollen“. Aus dem Fußball wisse er allzu gut, dass der Sieg des Einen die Niederlage des Anderen bedeute.

 

Dennoch betonte er, dass man mit der EM 2024 erneut große Gastfreundschaft und Offenheit zeigen wolle. Seiner neuen Aufgabe sieht der ehemalige Kapitän mit Freude entgegen.

 

Auch der Präsident der DFL, Reinhard Rauball, zeigte sich sehr erfreut über den Ausgang der Wahl und verglich das bevorstehende Event mit der erfolgreichen WM 2006:

Wir alle haben die Bilder und Emotionen von 2006 noch lebhaft im Gedächtnis und freuen uns auf ein weiteres internationales Fußball-Großereignis im eigenen Land. Die EM 2024 wird viele Menschen für unseren Sport begeistern – in Deutschland und weit darüber hinaus.

Weitere Gratulationen kamen vom Deutschen Olympischen Sportbund. Präsident Alfons Hörman sprach dabei von „faszinierenden mittelfristigen Perspektiven“ für Deutschland, die auch über den Fußball hinausreichen würden.

 

Ein wirtschaftlicher Push für Deutschland

Für die deutsche Wirtschaft bedeutet der EM-Zuschlag einen gewaltigen potentiellen Boom. Bei der WM 2006 wurde in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von gut 0,3 % verzeichnet. Ähnliche Werte werden auch für die Europameisterschaft erwartet.

 

Der DFB rechnet damit, dass die Stadien insgesamt von 2,78 Millionen Fußballfans besucht werden. Das bringt den Städten ein enormes Plus an Einnahmen ein. Viele der Fans werden aus anderen Ländern anreisen, was die Tourismus-Branche boomen lassen wird.

 

Allianz Arena München

Die Münchener Allianz Arena als Austragungsort (Bild: Wikipedia)

Damit alles wie geplant ablaufen kann, geht Deutschland bereits jetzt in eine intensive Vorbereitungsphase. Es wird mit Investitionen von acht Milliarden Euro gerechnet. Dagegen verblassen die drei Millionen, die der DFB in seine Bewerbung investiert hat.

 

Geplant ist unter anderem eine Erneuerung von 270 Kilometern Autobahn und die Verbesserung der lokalen Infrastrukturen. Die Stadien selbst bedürfen nur kleinerer Veränderungen, da diese bereits perfekt für derartige Großturniere ausgelegt sind, wie man unter anderem bei der WM 2006 gesehen hat.

 

Zweifelsfrei hätte auch die Türkei wirtschaftlich sehr von dem Zuschlag profitieren können. Die diesjährige Bewerbung war bereits der vierte gescheiterte Versuch, eine Meisterschaft ins eigene Land zu holen. Die Türkei hatte extra auf die Bewerbung um die EM 2020 verzichtet, um sich noch gezielter auf die für 2024 zu konzentrieren, jedoch erneut vergebens.

 

WM-Affäre 2006 scheint vergessen

Wie bei jeder geheimen Wahl stellte sich auch dieses Mal die Frage, ob auch alles mit rechten Dingen abgelaufen ist. Die Nachwirkungen des komplexen WM-Skandals 2006 um Franz Beckenbauer und die verlorenen Millionen wirken immer noch nach. Sogar die Ermittlungen laufen noch.

 

Involviert war Beckenbauer auch bei der Vergabe der WM 2022 an Katar, für welche das FIFA Weltverbands-Gremium im Jahr 2010 stimmte. Der ehemalige FIFA-Chef Sepp Blatter beschuldigte Beckenbauer, damals Bestechungsgelder angenommen zu haben, nicht jedoch von Katar, sondern von Konkurrent Australien.

 

qatar 2022

Weltmeisterschaft 2022 in Katar (Bild:Wikipedia)

Dass die WM in Katar stattfinden wird, sorgt in der weltweiten Presse seit Beginn an für sehr gespaltene Meinungen. Amnesty International kritisierte kürzlich die Lage vor Ort und kritisierte die ihrer Meinung nach menschenunwürdige Bedingungen auf den Baustellen.

 

Dass sich die FIFA für das Land als Austragungsort einer WM entschied, obwohl besser entwickelte Länder wie Australien und die USA sich mitbewarben, wirft nach wie vor Fragen auf.

 

Um derartigen Vorwürfen dieses Jahr von vorn hinein den Weg zu versperren, legte der DFB viel Wert auf Transparenz im gesamten Bewerbungsprozess. Fairness gegenüber dem Bewerbungsgegner Türkei war dabei ebenfalls ein wichtiger Punkt.

 

Jetzt da die Entscheidung gefallen ist, gilt es für den Deutschen Fußball Bund, sich rigoros auf das Event vorzubereiten. Der DFB hat in dem Zusammenhang viele Versprechen gemacht, insbesondere mit seinem Nachhaltigkeitskonzept, welche nun eingehalten werden müssen.