, 04.12.2019

Das staatliche Gesundheitssystem Englands (NHS England) hat am Dienstag seine umfangreiche jährliche Gesundheitsstudie veröffentlicht. Die Health Study 2018 liefert in diesem Jahr auch neue Daten über die Glücksspielbeteiligung der Engländer sowie aktuelle Daten über Problemspieler und Spielsüchtige.

 

Den Daten zufolge spielt mehr als die Hälfte aller Engländer regelmäßig Glücksspiele, wobei das Online Glücksspiel vor allem unter jüngeren Personen immer beliebter wird.

 

Alters- und Geschlechtsunterschiede

Die aktuelle NHS England Gesundheitsstudie 2018 hat erneut besorgniserregende Zahlen über den Gesundheitszustand der Bevölkerung des Landes geliefert. Neben Daten zu Alkoholkonsum, Übergewicht und chronischen Erkrankungen umfassen die Daten für das Jahr 2018 auch den Bereich des Glücksspiels [Link zu den Daten auf Englisch].

 

Während im Rahmen der Studie insgesamt knapp 10.000 Personen befragt wurden, konnten für die Datenerfassung über das Glücksspiel die Angaben von zirka 7.100 Teilnehmern verwendet werden.

 

Die Teilnehmer wurden dabei in die Altersgruppen 16-24 Jahre, 25-34 Jahre, 35-44 Jahre, 45-54 Jahre, 55-64 Jahre, 65-74 Jahre und 75+ eingeteilt. Darüber hinaus ist auch zwischen den Geschlechtern männlich und weiblich unterschieden worden.

 

Lottokugeln

Lotto bleibt die am häufigsten gespielte Form des Glücksspiels (Bild: MaxPixels/CC0 Public Domain)

Die Zahlen zeigen, dass nach eigener Angabe 53 % aller Engländer im Jahr 2018 Glücksspiele (online und offline) gespielt haben. Abzüglich der Teilnahme an der National Lottery, die nach wie vor als meist genutzte Form des Glücksspiels gilt, liegt dieser Wert bei 39 %.

 

Insgesamt liegt die Glücksspielbeteiligung der Männer mit 56 % höher als die der Frauen mit 49 %. Hier zeigen sich auch große Unterschiede in Bezug auf die Altersgruppen.

 

Der größte Anteil der weiblichen Spieler fällt auf die Altersgruppen 45-54 und 55-64 Jahre (jeweils 57 %). Bei den Männern hingegen spielen mit 64 % die meisten Personen in der Altersgruppe 25-34 Jahre.

 

Unter beiden Geschlechtern fallen auf die Altersgruppe 16-24 Jahre vergleichsweise deutlich weniger Glücksspieler (44 % der Männer, 32 % der Frauen).

Die meisten Formen des Glücksspiels sind in Großbritannien erst ab 18 Jahren erlaubt. Dazu zählt das Betreten von Casinos, Spielhallen und Wettbüros, sowie das Spielen am Spielautomaten in Pubs, Restaurants oder anderen öffentlichen Orten. Auch das Registrieren auf in Großbritannien lizenzierten Online Casino Webseiten ist erst ab Volljährigkeit zulässig.

Die Teilnahme an der Nationallotterie sowie der Erwerb von Rubbellosen hingegen ist bereits ab dem Alter von 16 Jahren möglich.

Jüngere Menschen zocken lieber Online

Die Studienteilnehmer wurden auch zu ihrem Online Spielverhalten befragt. Daraus resultiert, dass insgesamt 9 % aller Teilnehmer im Jahr 2018 Online Glücksspiele (Online Sportwetten, Online Slots, Online Casinospiele und Online Poker) spielten.

 

Die höchste Beteiligung am Online Glücksspiel liegt mit 19 % in der Altersgruppe 24-35 Jahre. Mit zunehmendem Alter nehmen die Zahlen kontinuierlich um wenige Prozentpunkte ab. Die Altersgruppe 16-24 Jahre hingegen liegt mit 11 % leicht über dem Durchschnittswert.

 

Obwohl keine direkten Vergleichswerte zu Vorjahren vorliegen, bezeichnen Politiker, Zuständige des NHS und Spielsuchtexperten die Zahlen über das Online Glücksspiel als alarmierend.

 

Matt Zarb-Cousin, Sprecher der Kampagne für Faires Glücksspiel (Campaign for Fairer Gambling) erklärt gegenüber der Zeitung Daily Mail:

Wir haben eine Zunahme in der Beliebtheit der gefährlicheren und suchterzeugenden Formen des Glücksspiels, online und an Fixed-Odds-Betting-Terminals. Das bedeutet, dass die Anzahl der durch Glücksspiel verursachten gesellschaftlichen Schäden angestiegen ist. Je jünger man damit anfängt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, süchtig zu werden. Online Glücksspiel ist ein sehr großes Risiko für eine ganze Generation junger Männer.

Der NHS beklagt auch, dass sich seit der letzten Datenerfassung (2016) von Problemspielern und Spielsüchtigen keine Besserung gezeigt hat. Die aktuellen Zahlen suggerieren, dass weiterhin gut 3,6 % der Bevölkerung zu Risiko- oder Problemspielern zählt.

 

Die Antworten der Befragten sind dabei an dem allgemeinen Problem Gambling Severity Index (PGSI) gemessen worden. Die Zahlen zeigen, dass 3,2 % einen Wert zwischen 1 und 7 auf der Skala erreicht haben (geringes bis hohes Spielsuchtrisiko).

 

Bei 0,4 % der Befragten hingegen wurde ein Wert von mehr als 8 erreicht, womit diese eindeutig in die Kategorie der Spielsüchtigen fallen.

 

Angesichts der aktuellen Ergebnisse erklärt Gesundheitsminister Matt Hancock (Conservative Party), dass seine Partei alles dafür tun werde, um die durch Glücksspiel verursachten Schäden zu bekämpfen. Dazu zähle die Gründung weiterer zwölf Spielsuchtkliniken in Großbritannien.

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