Donnerstag, 19. Mai 2022

Erster englischer Profi-Klub fordert Glücksspiel-Werbeverbot im Fußball

Forest Green Rovers Green Army Banner

Der Viertligist Forest Green Rovers FC hat sich als erster englischer Profi-Klub explizit für ein gesetzliches Komplettverbot von Glücksspielwerbung und -sponsorings im Fußball ausgesprochen. Dies berichtet die britische Daily Mail unter Berufung auf Vereinschef Dale Vince. Laut dem Vorsitzenden des auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Klubs handele es sich bei der Präsenz der Betreiber im Sport um einen „Missbrauch des Fußballs und der Fans“.

Veganer Verein fordert Glücksspiel-Werbeverbot

Politik, Sport und Industrie debattieren in Großbritannien seit geraumer Zeit über ein mögliches Aus der Werbetätigkeiten von Glücksspielbetreibern im sportlichen Umfeld. Insbesondere der Fußball, der zu einem nicht geringen Teil Einnahmen aus derartigen Partnerschaften generiert, steht dabei im Fokus.

Während diverse Vereine um Millionenbeträge fürchten, die ihnen pro Saison beispielsweise durch Trikot- und Bandenwerbung aus der Branche zufließen, wählen die Forest Green Rovers aus Nailsworth im englischen Gloucestershire einen anderen Weg.

Der Forest Green Rovers FC hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Im Jahr 2015 wurde der Klub zum ersten offiziell rein veganen Fußballverein der Welt, 2019 erkannte ihn die UN als ersten klimaneutralen Klub der Welt an. Aktuell entsteht in Nailsworth ein neues Stadion, das so gut wie vollständig aus Holz bestehen und den niedrigsten CO2-Abdruck seiner Klasse weltweit hinterlassen soll.

Der Verein, der bereits in der Vergangenheit deutlich gemacht hat, nicht mit Unternehmen aus dem Glücksspielsektor zusammenarbeiten zu wollen, hat sich nun gegenüber der Daily Mail [Seite auf Englisch] eindeutig für ein Glücksspiel-Werbeverbot im Fußball ausgesprochen.

„Der Spaß ist vorbei“

Forest Green-Chef Vince macht aus der Haltung des Klubs zu der Vermischung von Glücksspiel und Sport keinen Hehl:

Es ist, als ob das Glücksspiel den Fußball übernommen hätte. Wenn man sich ein Spiel im Fernsehen ansieht, wird man mit Werbung überflutet – Glücksspiel-Logos sind auf fast der Hälfte der Trikots der Premier League zu sehen und blinken ständig auf den Spielfeldrandtafeln auf. Für mich ist der Spaß vorbei. Das ist ein Missbrauch von Fußball und von Fußballfans.

Forest Green engagiere sich aktuell auch im Rahmen der The Big Step Kampagne in der Spielerschutzinitiative Gambling with Lives.

Die Organisation wird von Hinterbliebenen von Menschen geleitet, die sich in Folge von Spielsucht das Leben genommen haben und setzt sich unter anderem für eine strengere Glücksspiel-Gesetzgebung ein.

Gambling with Lives-Gründer James Grinder zeigt sich der Daily Mail gegenüber erfreut über die Unterstützung aus dem Profi-Fußball. Der Eintritt von Green Forest in die öffentliche Diskussion um ein mögliches Werbeverbot könne ein entscheidendes Moment im Ringen um eine künftige Glücksspiel-Gesetzgebung sein, so die Hoffnung des Spielerschützers