, December 28, 2018

Die eSports-Szene eilte auch 2018 von Rekord zu Rekord. Die Branche erreicht mittlerweile weltweit viele hundert Millionen Fans und auch hierzulande feiern League of Legends, CS:GO, Dota 2, FIFA und Overwatch League immer neue Bestmarken. Deshalb ist es kein Wunder, dass eSports auch in diesem Jahr bei Turnieren, Preisgeldern und Zuschauerzuspruch viele neue Bestzahlen vermelden konnte.

 

Die Zuschauerzahlen steigen rasant

eSports-Team

Die Spieler sind die Stars der Szene (Bild: Wikipedia)

Wie sehr der virtuelle Sport die Anhänger in seinen Bann zieht, hat die Gamescom 2018 in Köln eindrucksvoll bewiesen. 2018 feierte das Highlight der eSports-Szene bereits seinen zehnten Geburtstag und durfte sich über einen neuen Besucherrekord freuen.

 

370.000 Menschen strömten in die Kölner Messehallen und haben die Messe damit endgültig zu einem Pflichttermin für nationale und internationale Fans gemacht. Das wissen auch die Hersteller, die bei dem Event auch in diesem Jahr wieder zahllose neue Games und Turniere präsentierten.

 

Turniere 2018 – ein Highlight jagte das nächste

Die wachsende Fan-Begeisterung sorgt dafür, dass immer mehr hochwertige Turniere veranstaltet werden, bei denen die Veranstalter teilweise mit Millionenpreisgeldern locken. Den Anfang der Mega-Events machte in diesem Jahr CS:GO mit den ELEAGUE Majors in Boston, wo die Spieler von Cloud9 den ersten Platz belegten und dafür eine halbe Million US-Dollar einstrichen.

 

Danach ging es bei den Intel Extreme CS:GO Masters im polnischen Kattowitz weiter. Dort setzte sich das Team Fnatic nach fünf hart umkämpften Matches gegen FaZe durch und belohnte sich mit dem Siegerpokal sowie 160.000 US-Dollar.

 

Auch bei LoL wurde ein 2018 Weltmeister gekürt: Im südkoreanischen Busan spielten sich die eGamer von Invictus Gaming zum Champion und wurden dafür mit 731.525 US-Dollar belohnt.

 

Anfang Dezember fand das letzte Highlight des eSports-Saison im dänischen Odense statt. Dort trafen beim CS:GO-Finale die weltbesten Teams aufeinander. Astralis, die Überflieger des Jahres, gewannen auch hier und strichen neben den 250.000 US-Dollar Preisgeld einen Millionenscheck ein: Sie sind das erste Team, das den Intel Grand Slam-Jackpot geknackt hat und dafür mit der Millionenprämie belohnt wurde.

 

Millionensummen bei The International und der Overwatch League

In neue Preisgeld-Dimensionen stießen 2018 wieder einmal die Organisatoren des Dota 2-Turniers The International vor. Dort wurde Ende August unter den Teilnehmern die gigantische Summe von 25,5 Millionen US-Dollar verteilt. Die siegreichen Spieler vom Team OG wurden bei dem in Vancouver ausgetragenen Turnier allesamt zu Millionären, denn die fünf eSportler erhielten für ihren 3:2-Finalsieg gegen PSG.LGD 11,2 Millionen US-Dollar.

 

DHL-Werbung

DHL-Werbung bei Dota 2 (Bild: esl-one.com)

Die Overwatch League mischte 2018 ebenfalls munter im Millionenspiel mit – wenn auch mit deutlich niedrigeren Preisgeldern. Bei den Grand Finals krönten sich die siegreichen Gamer von London Spitfire in New York zum Weltmeister. Für den Triumph erhielten sie einen Scheck in Höhe von einer Million US-Dollar.

 

Die im Finale unterlegenen Spieler von Philadelphia Fusion erhielten immerhin noch 400.000 US-Dollar, während sich die beiden Drittplatzierten von New York Excelsior und Los Angeles Valiant mit vergleichsweise bescheidenen 100.000 US-Dollar begnügen mussten. Zum Vergleich: Das Team Secret um den deutschen Adrian ’Fata’ Trinks erreichte beim The International nur den fünften Platz und erhielt dafür 1,14 Millionen US-Dollar.

 

eSports-Sendungen nehmen stark zu

Das sich eSports immer mehr im Mainstream etabliert hat, zeigt sich auch an der zunehmenden Sendezeit, die klassische TV-Sender dem Bereich widmen. Bisher wurde der Löwenanteil der Turniere über Onlinesender wie Twitch oder YouTube gestreamt, doch die TV-Sender hielten sich in der Vergangenheit meist zurück.

 

Das ist seit 2018 anders, denn mittlerweile berichtet ProSieben mit seinem “ran eSports“-Magazin regelmäßig im frei empfangsbaren Fernsehen. Der Sender ist sogar dazu übergegangen, Livestreams von den Top-Turnieren von Counter-Strike und Co. zu senden. Zielgruppe sind hauptsächlich junge Zuschauer, für die eSports-Streams inzwischen viel interessanter sind als die altehrwürdige ARD-Sportschau.

Neuer eSports-Sender
Die Zuschauerzahlen von eSports-Veranstaltungen sind inzwischen derart gestiegen, dass der Sender Sport1 plant, im kommenden Jahr mit “eSPORTS1” einen eigenen eSports-Kanal im linearen TV aufzulegen.

 

Neben mehr als 1.200 Stunden Berichterstattung von Turnieren auf der ganzen Welt sollen Hintergrundberichte über die Stars der Szene präsentiert werden. Dafür greifen die TV-Macher nicht nur auf Filmmaterial von den Veranstaltern zurück, sondern wollen die Beiträge in einem eigenen Studio selbst produzieren. Als Starttermin für den neuen Pay-TV-Sender ist der 24. Januar 2019 geplant.

Angesichts all der hochkarätigen Turniere, mit denen die eSportler in 2019 aufwarten, dürfte es den Verantwortlichen bei den Sendern nicht schwerfallen, ihr Programm mit spannenden Berichten zu füllen.

 

Werbung macht eSports noch größer

Mit der wachsenden Verbreitung nimmt auch das Interesse der Werbekunden zu. Für Großkonzerne wie Mercedes Benz oder Siemens ist es inzwischen ganz selbstverständlich, beim eSports als Sponsor aufzutreten.

 

DHL ging bei dem Dota 2-Event der ESL One in Hamburg in diesem Oktober noch einen Schritt weiter. Im Rahmen einer Partnerschaft mit den Organisatoren wurde das Firmenlogo des Paketdienstes direkt in das Game integriert, indem während der Matches Fahrzeuge im DHL-Layout durch die Szenerie fuhren.

 

Wie groß die Bedeutung der eSportler und ihrer Anhänger für einige Unternehmen in diesem Jahr geworden ist, zeigt das Beispiel McDonald’s. Die Burger-Kette verkündete Anfang November ihre aufsehenerregende Entscheidung, eine seit 2004 mit dem Deutschen Fußball Bund bestehende Kooperation zu beenden und sich stattdessen stärker im eSports-Marketing zu engagieren.

 

Zur Begründung sagt McDonald’s-Unternehmenssprecher Philipp Wachholz:

Die Entscheidung für das eine ist nicht zwangsweise die Entscheidung gegen das andere, sondern spiegelt die generelle Markenstrategie wieder, sich näher an die Lebenswelt der Teens und Twens anzuschließen.

Nicht nur dem DFB dürfte die Entscheidung zu denken geben, denn wenn eSports seinen Siegeszug im kommenden Jahr fortsetzt, dürften auch andere Sponsoren beginnen, künftig zulasten klassischer Sportarten mehr in die neue Boom-Branche zu investieren.