, 04.08.2020

Das Amtsgericht Bielefeld hat einen 24-Jährigen, der Senioren als falscher Handwerker um Beträge im hohen fünfstelligen Bereich gebracht hat, zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die ergaunerten Gelder sollen unter anderem ins Glücksspiel geflossen sein.

 

88.000 Euro Beute

 

Ein Schöffengericht in Bielefeld sah es als erwiesen an, dass sich der Verurteilte zwischen Juli 2019 und Februar 2020 über 88.000 Euro mit betrügerischen Haustürgeschäften erschlichen hat.

 

Deshalb muss der achtfach vorbestrafte Mann nun für vier Jahre und drei Monate in Haft. Der Osnabrücker hatte vor Gericht zugegeben, seine Beute größtenteils in Partys und Glücksspiel investiert zu haben.

Bei der vorliegenden Betrugsmasche, bieten angebliche Handwerker meist betagten Eigenheimbesitzern an, kostengünstig Arbeiten wie eine Hofreinigung vorzunehmen. Hierbei behaupten sie dann, schwere Schäden an der Immobilie, zumeist am Dach, ausgemacht zu haben. Die dringend notwendigen Reparaturen könnten sie umgehend unter der Hand ausführen. Für die folgenden überflüssigen und stümperhaft ausgeführten Arbeiten werden sodann hohe Beträge verlangt.

Zunächst, so stellten es die Richter fest, habe sich der Täter als Dachdecker ausgegeben. Sein erstes Opfer, eine 77-jährige Frau aus dem Taunus, habe er so dazu gebracht, ihm für Arbeiten an ihrem Haus 30.000 Euro zu zahlen. Ein vom Gericht bestellter Gutachter hatte den Wert der erbrachten Dienstleistung auf weniger als 3.500 Euro geschätzt.

 

Gutachter Dr. Schneider

 

Einem 74-Jährigen aus Bielefeld gegenüber soll der Täter noch perfider aufgetreten sein. So habe er ihm zunächst ebenfalls weisgemacht, Dachschäden reparieren zu müssen und hierfür 58.100 Euro kassiert. Im nächsten Schritt habe er sich dann als Gutachter „Dr. Schneider“ kostümiert und behauptet, die Arbeiten abnehmen zu müssen.

 

Hierbei habe er auch Rechnungen für die von ihm selbst zuvor getätigten Scheinarbeiten eingefordert. Diese habe der Senior natürlich nicht  vorlegen können, da er sie nie erhalten hatte. Daraufhin habe sich der falsche Gutachter bereit erklärt, gegen Zahlung von weiteren 15.800 Euro „ein Auge zuzudrücken“.

 

Aufgeflogen sei der Betrüger aufgrund seiner Gier, so die Staatsanwaltschaft vor Gericht:

Sie konnten den Hals nicht vollkriegen und haben es einmal zu viel probiert.

Im Februar hatte der Mann erneut versucht, sein Bielefelder Opfer wegen der vermeintlichen Schwarzarbeit zu erpressen. Als dieses die geforderten 8.000 Euro bei der Bank habe abheben wollen, sei ein Mitarbeiter aufmerksam geworden. Die hinzugerufene Polizei habe den Täter dann bei der geplanten Geldübergabe festgenommen.

 

Vor Gericht hatte sich der Mann reuig gezeigt und über seinen Verteidiger 15.000 Euro ans Gericht übergeben, um zumindest einen Teil des Schadens wiedergutzumachen.

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