Fusion von DraftKings und FanDuel scheitert

, Juli 17, 2017

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Der Zusammenschluss von DraftKings und FanDuel ist geplatzt. (Bildquelle)

Nach Monaten der Beratung und Vorbereitung ist die geplante Fusionierung von DraftKings und FanDuel vom Tisch. Das gaben die Geschäftsführer der beiden Konzerne vergangenen Donnerstag bekannt. Die Neuigkeiten kommen nicht unerwartet, stand der Zusammenschluss doch von Anfang an unter keinem guten Stern. Die Federal Trade Commission der USA kündigte sogar an, gerichtlich gegen die Pläne von DraftKings und FanDuel vorgehen zu wollen. Der damit verbundene Prozess und die hohen Gerichtskosten dürften nun ausschlaggebend für den Rückzieher sein. Die beiden US-amerikanischen Unternehmen sind die unangefochtenen Marktführer im Bereich Daily Fantasy Sports (DFS).

 

Kartellrechtliche Bedenken angemeldet

Die Federal Trade Commission fungiert als staatliche Kontrollstelle für Wettbewerbsrecht und Verbraucherschutz. In dieser Funktion ist sie auch für die Prüfung von geplanten Firmenzusammenschlüssen verantwortlich und hat sicherzustellen, dass die Funktionsfähigkeit des Marktes durch ein lebendiges Konkurrenzverhältnis gewährleistet bleibt. Um eben diesen breit aufgestellten und wettbewerbsfähigen Markt zu erhalten, hat die Federal Trade Commission im Fall von DraftKings und FanDuel Bedenken angemeldet. Die Gefahr einer Kartellbildung und Monopolstellung zu Lasten des Verbrauchers sei zu groß bei einer Verschmelzung der beiden Marktführer. Gemeinsam kontrollieren sie rund 90 % des amerikanischen DFS-Marktes. DraftKings und FanDuel befinden sich seit November 2016 in Fusionsverhandlungen. Geplant war ein zukünftiger gemeinsamer Betrieb unter dem bekannteren Markennamen DraftKings.

 

Absage kurz vor Prozessbeginn

Die Bekanntmachung des Verhandlungsendes erfolgt kurz vor dem Beginn der Gerichtstermine gegen die Federal Trade Commission. Ursprünglich war eine erste Anhörung für den 14.7. angesetzt, dieser kamen die beiden Geschäftsführer jetzt jedoch zuvor. Obwohl DraftKings und FanDuel bereits ihre Stellungnahmen zu den Vorwürfen der Trade Commission vorbereitet hatten, wollte man einen kompletten Prozess mit ungewissem Ausgang nun wohl doch nicht riskieren. Dieser war für kommenden November erwartet worden. Die „Angeklagten“ nannten das Verhalten der Wettbewerbsbehörde „eine unangemessen strenge und uninformierte Anwendung von Kartellrecht gegenüber einer sich noch in der Entwicklung befindlichen Branche“.

 

Zuversichtliche Statements von beiden Seiten

Diesen Donnerstag, den 13. Juli 2017 gaben die beiden Geschäftsführer von DraftKings und FanDuel, Jason Robins und Nigel Eccles, in zwei Statements bekannt, dass eine Fusionierung ihrer Unternehmen nicht mehr zur Debatte stehe. Dennoch zeigen sich beide zuversichtlich und zerstreuen die Sorgen von Spielern, dass womöglich Angebot oder Qualität unter der Absage zu leiden haben. CEO Jason Robins erklärte im Namen von DraftKings:

„[…] Heute haben wir offiziell unsere Fusionspläne mit FanDuel verworfen und werden uns aus dem Prozess gegen die Federal Trade Commission zurückziehen. […] Wir glauben, dass es im besten Interesse unserer Kunden, Angestellten und Investoren ist, den Zusammenschluss mit FanDuel zu stoppen und stattdessen als eigenständiges Unternehmen weiterzumachen. […] Wir freuen uns mit euch auf unsere bis dato beste NFL-Saison!“

Seitens FanDuel und CEO Nigel Eccles heißt es:

„Letzten November haben wir uns für den Zusammenschluss mit DraftKings entschieden. Wir sind der Meinung, dass dieser Deal sowohl unserem Investment in wachstumsfördernde Maßnahmen als auch unserer Produktentwicklung zugutegekommen wäre und auf diese Weise auch ein Vorteil für unsere Kunden und die gesamte Unterhaltungsindustrie im Bereich Sport dargestellt hätte. Obwohl sich an unserer Überzeugung nichts geändert hat, haben wir entschieden, dass es das Beste für unsere Investoren, Spieler, Mitarbeiter und Partner ist, diese Fusion zu stoppen und stattdessen als unabhängiges Unternehmen weiterzuarbeiten.“

Rivalen beim Geschäft, Partner in der Politik

Mit der Fusionsabsage bleiben sowohl DraftKings als auch FanDuel eigenständige Wettbewerber, die gegeneinander zu bestehen haben. Besonders mit der bevorstehenden heißen Phase in der NFL wird der Konkurrenzkampf entfacht. In Anbetracht der Tatsache, dass die Einnahmen aus Footballspielen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen, sind die nächsten Wochen womöglich entscheidend bei der Gestaltung der zukünftigen amerikanischen DFS-Landschaft. Trotz aller Rivalitäten arbeiten die beiden Anbieter in einigen Bereichen auch zusammen. Wenn es etwa um die Gesetzgebung zur Zulassung oder Regulierung von Daily Fantasy Sports in den verschiedenen US-Bundestaaten geht, ist die gemeinsame Lobbyarbeit ein wichtiger Kooperationsbereich für beide Firmen.

 

Wirtschaftliche Engpässe

Trotz der überwältigenden Marktabdeckung durch DraftKings und FanDuel haben beide Unternehmen immer wieder mit finanziellen Engpässen zu kämpfen. So stellte Nigel Eccles von FanDuel jüngst in Aussicht, dass seine Firma 2018 den Break-Even schaffen könnte. Damit würde das Unternehmen seit seiner Gründung 2009 zum ersten Mal schwarze Zahlen schreiben. Obwohl DraftKings das größere Unternehmen ist, bleibt weiter unklar, wann es in die Gewinnzone rutscht. Dennoch erobert die virtuelle Sportmanagement-Plattform immer wieder neue Märkte und ging erst diesen März mit einer Testversion ihres Angebots in Deutschland online. Nach eigenen Angaben werden die DraftKings-Dienste von 8 Millionen Spielern weltweit genutzt. Ob sich zukünftig beide Anbieter auf dem Markt halten können, oder ob einer dominieren wird, bleibt abzuwarten.