, August 25, 2019

Mit glücksspielartigen Elementen in Computerspielen erhöhen die Hersteller die Beschäftigungsdauer und oft auch den Umsatz der Games. Auf der Computerspielemesse Gamescom 2019 in Koelnmesse vom 19. bis zum 25. August war der Trend zu beobachten, dass vor allem große Blockbuster Titel im Gegensatz zu kleineren Indie Games diese Elemente einsetzen. Spielerschutz und Medienkompetenz waren durchaus Themen der Messe, jedoch lag der Schwerpunkt hier auf der Eigenverantwortung der Spieler.

 

Glücksspiel in Blockbuster Games

Spielszene im Casino aus GTA Online.

Casino Spielszene aus GTA Online (Bild: Rockstar Games).

Große Studios investieren hohe Summen in aufwendige Produktionen. Um einen Hit zu landen, müssen die Umsatzzahlen stimmen: Je mehr sich Spieler mit einem Game beschäftigen und je mehr sie in einen einzelnen Titel investieren, desto besser.

 

Große AAA Spiele werden nicht einmalig konsumiert, sondern sind auf langfristiges Spielen angelegt: durch eine offene Spielwelt, ständige Erweiterungen, das Aufbauen einer Welt oder Spielfigur und den andauernden Wettkampf mit Mitspielern.

 

Glücksspiel Elemente halten das Spielfieber am Leben. Dabei handelt es sich nur selten um klassische Formen des Glücksspiels wie Poker in Red Dead Redemption 2 oder das neue Casino in GTA Online. Virtuelle Gegenstände oder Skins lassen sich käuflich erwerben oder tauchen mit etwas Glück in sogenannten Loot-Boxen auf.

 

Bei den Free-to-Play Titeln, die sich grundsätzlich kostenlos spielen lassen, hat ein Wandel stattgefunden. Virtuelle Gegenstände verhelfen nicht mehr zum Sieg (eventuell kostenpflichtig als Pay-to-Win), sondern sind kosmetisch und erlauben die Anpassung der eigenen Spielfigur über Outfits oder die von Fortnite bekannten Tänze. Vor allem jüngere Gamer werden von diesen Individualisierungsmöglichkeiten angesprochen.

 

Loot-Boxen und die Beschäftigung mit In-Game Gegenständen sind umstritten. Studien der Glücksspielforschung sehen darin sucht-fördernde Elemente. Entsteht ein Sekundärmarkt um virtuelle Gegenstände, kann davon eine größere Anziehungskraft als vom eigentlichen Spiel ausgehen.

AAA Spiele und Indie Games

Die Bezeichnung AAA Spiele oder auch “Triple A” Titel ist eine Bezeichnung der Games Industrie für Blockbuster Projekte mit einem hohen Budget für Entwicklung, Produktion und Marketing. Damit ist für Entwickler und Publisher ein hohes Risiko verbunden:

 

Um Profitabilität zu erreichen, ist entsprechend hoher Absatz nötig. Daher können Spiele Elemente enthalten, die über den Verkauf hinaus mit verschiedenen Monetarisierungsmodellen weiteren Umsatz generieren, etwa durch In-App-Käufe, kostenpflichtige Erweiterungen oder Abonnements.

 

Indie Games beziehungsweise Independent Games stammen von unabhängigen Entwicklern und sind typischerweise kleinere Projekte. Zur Kostendeckung kann ein Crowdfunding zum Einsatz kommen.

 

Diese Spiele zeichnen sich häufig durch innovative Konzepte oder ausgefallene Geschichten und Erzählweisen aus, die sich weniger für eine zusätzliche Monetarisierung anbieten. In-App-Käufe, Erweiterungen oder kostenpflichtige Zusatz-Inhalte sind aber bei Indie Games nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Innovation bei den Indie Games

In der Tendenz ist der Ansatz der Computerspiele unabhängiger Studios oder Entwickler ein anderer. Innovative Funktionen oder Spielmechaniken, eine außergewöhnliche Geschichte oder nicht-lineare Erzählformen locken und binden ein Nischenpublikum.

 

Spielszene aus VirtuaVerse

VirtuaVerse ist ein Adventure in einer düsteren Cyberpunk-Zukunft (Bild: Theta Division).

Auf der Gamescom 2019 präsentierten die Entwickler von Theta Division mit VirtuaVerse ein Adventure, das in derselben düsteren Zukunft wie Cyberpunk2077 angesiedelt ist.

 

Statt einer offenen Spielwelt stehen hier Retro-Grafik und die Schattenseiten der Virtual Reality Zukunftsvisionen im Vordergrund. Die Entwickler haben das Projekt selbst finanziert und mit einem Plattenlabel einen ungewöhnlichen Publisher gefunden.

 

Auch Genesis Noir von Fellow Traveller ist ein metaphorisch angelegtes Abenteuer. Das erfolgreich per Crowdfunding finanzierte Spiel nutzt experimentelle Erzählweisen und lässt dem Soundtrack im Spiel eine wichtige Rolle zukommen.

 

Spielszene aus Genesis Noir

Genesis Noir erzählt eine metaphorische Geschichte (Bild: Fellow Traveller).

 

VR Giants hat jetzt schon mehrere Preise gewonnen für seinen innovativen Jump’n’Run Ansatz. Per Virtual Reality Headset und normalem PC müssen zwei Spieler zusammenarbeiten und gemeinsam Puzzle lösen.

Spielszene aus VR Giants

VR Giants kombiniert Virtual Reality und herkömmliches Jump’n’Run auf innovative Weise (Bild: VR Giants).

 

Spielerschutz und Medienkompetenz auf der Gamescom 2019

Jugendschutz ist für die Gamescom ein wichtiges Thema: Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ist mit einem eigenen Stand vertreten, Altersarmbändchen sorgen dafür, dass Besucher nur altersgemäße Inhalte zu sehen bekommen. Von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur gab es medienpädagogische Angebote und eine Podiumsdiskussion beim Jugendforum NRW auf der Messe.

 

Auf dem Gamescom Congress 2019 gab es zwei Paneldiskussionen zum Thema „Cybergrooming und Gaming Disorder begegnen und Medienkompetenz skillen“ sowie zur Gaming Disorder Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation. In der Tendenz wird verantwortungsbewusster Umgang mit Games und auch mit Spielsucht vor allem von Spielern oder deren Erziehungsberechtigten gefordert.

 

Der wirtschaftliche Anreiz für Spielefirmen, glücksspielartige oder suchtfördernde Elemente in Spiele einzubauen, wurde dagegen nicht thematisiert.

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