Dienstag, 04. Oktober 2022

Schlägereien statt Zerstreuung: Gewalt­eskalationen in Las Vegas 2020

Freemont Street Las Vegas

Das Pandemie-Jahr 2020 hat die Spielerstadt Las Vegas hart getroffen. Neben den aufgrund der verhängten Corona-Restriktionen massiven Umsatzeinbußen hatten Betreiber von Hotels und Casinos auch mit einem beträchtlichen Anstieg von Gewalttaten in der Glücksspiel-Metropole zu kämpfen. Die Gründe für das offenbar gestiegene Aggressionspotenzial unter den Besuchern sind unklar.

Schüsse und Massenschlägereien

Las Vegas hat den Beinamen Sin City (dt. „Stadt der Sünde“) sicher nicht aufgrund seines Daseins als friedliche Idylle erhalten. Wie überall, wo Menschen exzessiv Ablenkung vom Alltag suchen, sind körperliche Auseinandersetzungen auch in der Glitzerstadt keine Ausnahme.

In diesem Jahr machten jedoch mehrfach Vorfälle Schlagzeilen, die das Maß des Üblichen bei weitem überschritten. Dabei fanden fast immer Handyvideos, die Schaulustige angefertigt hatten, ihren Weg in die Öffentlichkeit.

Diverse Resortbetreiber hatten nach dem Ende des Lockdowns im Sommer versucht, ihre Belegungszahlen durch vergünstigte Spezialangebote zu erhöhen. Mehrfach hatten Beobachter deshalb eine Verbindung zwischen dem Gewaltanstieg und einer angeblich aufgrund gesunkener Übernachtungspreise veränderten Besucherstruktur gezogen. Tatsächlich gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Gewalttätigkeit eine Frage des Einkommens ist.

Für besonderes Aufsehen hatte eine Massenschlägerei im Casino-Resort Encore am Labour Day Weekend im September gesorgt. Nachdem rund zwei Dutzend Personen mit Fäusten aufeinander losgegangen waren, hatte Casinobetreiber Wynn Resorts bekanntgegeben, 20 Akteure zu verklagen. Die Prügelei, so ein Konzernsprecher, habe Schäden in Höhe von über 15.000 US-Dollar verursacht und dem Ansehen des Unternehmens geschadet.

Nur rund eine Woche später war eine Konfrontation vor dem Palace Station Hotel und Casino außer Kontrolle geraten. Aus ungeklärter Ursache waren fünf Personen, teils unter Zuhilfenahme von Baseballschlägern, am helllichten Tag auf offener Straße aufeinander losgegangen. Die zwei Parteien sollen sich zuvor nicht gekannt haben.

Auch das Aria Casino hatte in diesem Jahr gleich mehrfach mit aufsehenerregenden Eskalationen der Gewalt zu tun. So waren, ebenfalls im September, in dem Glücksspieltempel bei einer Geburtstagsfeier Schüsse gefallen. Eine Frau wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Im Dezember hatten Aufnahmen von einer Auseinandersetzung zwischen einem Gast und einem Dealer des Casinos für Schlagzeilen gesorgt.

Ebenfalls zu einer Schießerei war es im November vor dem Circus Circus Casino gekommen.

Corona-Frust und Aggression?

Als Konsequenz aus der überbordenden Gewalt erklärten sowohl mehrere Casinobetreiber als auch die örtliche Polizei, ihrer Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Was der Grund der offenbar gestiegenen Bereitschaft ist, Aggressionen physisch Ausdruck zu verleihen, liegt indes im Dunkeln.

Einen Erklärungsansatz bietet die Forschung zur Relation von Frustration und Aggression. Diese könnte gerade mit Blick auf die erlebten Einschränkungen im Kontext der Pandemie-Maßnahmen Aufschluss bieten. So erklärt unter anderem die deutsche Forscherin Prof. Barbara Krahé von der Universität Potsdam:

Die Stimmung wird zunehmend gereizt. Auch im Alltag zeigen viele Situationen, dass die Nerven blank liegen. Wir erleben gerade in vielen Bereichen Frustration. Auf Frustrationen reagieren Menschen mit einer erhöhten Neigung zu Aggression.

Kommen, wie bei einem durchschnittlichen Las-Vegas-Kurztrip durchaus üblich, noch Rauschmittel wie Alkohol hinzu, wird die Hemmschwelle oft noch weiter gesenkt. Es bleibt abzuwarten, ob mit dem Eintritt in einen Nach-Corona-Alltag auch die Gewaltbereitschaft auf den Straßen von Las Vegas zurückgehen wird.