Sonntag, 27. November 2022

Glücksspiel-Aktien 2018: Keine sichere Wette

Macau|Sands Hotel||Pferde|Brexit

Wer 2018 bei der Aktienanlage auf die großen Glücksspielkonzerne setzte, könnte sich verzettelt haben. Denn trotz guter Prognosen blieben die Wertpapiere von Konzernen wie der Las Vegas Sands Corp., Wynn Casinos und MGM hinter den Erwartungen der Analysten zurück.

Macau als Bremse für große Glücksspielunternehmen

Wynn

Das Wynn Casino machte nicht die Umsätze, die geplant waren. (Quelle: Wikimedia)

Der Glücksspielmarkt in Macau hatte 2018 wesentlichen Einfluss auf die Aktienperformance von Glücksspielkonzernen wie MGM Resorts, Las Vegas Sands Corp. und Wynn Resorts.

Während Las Vegas Sands und Wynn 2018 bereits mehr als 50 % ihrer Umsätze in der ehemaligen portugiesischen Kolonie generierten, sind es bei MGM immerhin 21 % aller Umsätze.

Nach Berichten von Reuters gingen Analysten noch zu Beginn des Jahres davon aus, dass die Casino-Industrie Macaus wie in den Vorjahren dynamisch wachsen würde. So sagten die Experten bis zum Ende des zweiten Quartals 2018 ein Wachstum von 17 bis 21 % für die Branche voraus.

Diese Prognose wurde von der Realität enttäuscht. Die Macau Gaming-Inspektion hatte in ihrem Bericht für das zweite Quartal lediglich von einer Bruttoeinnahmensteigerung von 12.5 % gesprochen.

Viel ermutigender sind die Wachstumszahlen der Glücksspielbranche auch bis zum Herbst 2018 nicht geworden. So rechnen die Analysten von Sanford C. Bernstein Ltd. im Monat November mit Bruttoeinahmen zwischen 2.85 Milliarden Dollar (ca. 2.45 Milliarden Euro) und 3 Milliarden Dollar (Ca. 2.65 Milliarden Euro). Dies würde im Gegensatz zum Vorjahreszeitraum eine Bruttoeinnahmesteigerung von gerade einmal 2 bis 4 % bedeuten.

Macau

Macau ist eine Sonderwirtschaftszone Chinas und neben Hongkong der einzige Teil Chinas, in dem Glücksspiel in legaler Form stattfinden darf. Macau wird auch als das „Las Vegas des Ostens“ bezeichnet. Die Wirtschaft der ehemaligen portugiesischen Kolonie hängt stark vom Casinotourismus und der wirtschaftlichen Lage Chinas ab.

Die enttäuschenden Zahlen haben sich in den Aktienkursen der drei großen Casinobetreiber niedergeschlagen. So musste die Aktie von Wynn Resorts vom 15.11.2017 bis zum 15.11.2018 einen Kursverlust von 27.6 % erleiden. Im selben Zeitraum ging es für die Aktie der Las Vegas Sands Corp. um 20.8 % bergab, während der Kurs der MGM-Aktie bis zum 15.11.2018 um 21.1 % nachgab.

Laut Gaming-Industrie Top-20-Ranking der Analysten von Zacks haben die führenden 20 Gaming-Unternehmen damit im Vorjahresvergleich insgesamt 30.7 % an Wert verloren.

Politische Ursachen und schlechte Nachrichten

Brexit

Auch der Brexit lässt die Aktien der Online-Casinobetreiber fallen. (Quelle: Pixabay)

Dass sich die Aktien der drei größten US-Casinobetreiber nicht so entwickelten wie prophezeit, ist aber nicht nur dem verlangsamten Wirtschaftswachstum und nachlassenden Umsätzen in Macau zuzuschreiben.

Auch politische Faktoren haben das enttäuschende Ergebnis begünstigt. So hat der drohende Handelskrieg zwischen den USA und China zu Verunsicherung bei Investoren geführt. Von diesen ist die Casinoindustrie im Besonderen abhängig.

Unsicherheit herrscht vor allem darüber, ob mit einer Verschärfung des Wirtschaftskonflikts nicht neue Regularien eingeführt werden könnten, die das Geschäft für die amerikanischen Firmen weniger lukrativ machen könnten.

Börsenkurse sind zudem von den Tagesnachrichten abhängig. So verlor die Aktie von MGM nach dem Attentat von Las Vegas um 5,6 % an Wert. MGM Resorts ist der Betreiber des Mandalay Bay Hotels.

Ein ähnliches Schicksal ereilte die Wynn-Aktie. Sie musste zu Beginn dieses Jahres einen starken Wertverfall verzeichnen. Nachdem Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen Casino-Patriarch Steve Wynn bekannt wurden, verließ dieser das Unternehmen. Im Zuge dieser Meldungen verlor die Aktie mehr als 10 % ihres Wertes.

Hoffnung auf dem Online-Markt?

Auch die Aktien der großen Online-Glücksspielanbieter mussten zum Ende des dritten Quartals 2018 nachgeben. So verlor die Aktie des Gaming-Anbieters 888 Holdings von Mai bis November 2018 mehr als Zweidrittel an Wert.

Pferde

Auch die Aktien der Wettanbieter fielen in diesem Jahr. (Quelle: Pixabay)

Noch schlimmer lief es für die die Aktie der Stars Group. Das Wertpapier des PokerStars-Betreibers musste seit Ende Mai 2018 knapp 50 % an Wert einbüßen. Ähnlich schlecht lief es für den Sportwettenanbieter William Hill. Der Aktienwert des britischen Unternehmens fiel trotz der Umsätze durch die WM 2018 in Russland fast um die Hälfte.

Für schlechte Stimmung bei den Online-Gaming-Anbietern sorgen insbesondere der drohende Brexit und die Regulierungsbestrebungen vieler EU-Staaten. Online-Casinos und Sportwettenbetreiber, die aus Gibraltar operieren, könnte nach dem Brexit nicht nur ein neues Steuerregime, sondern eine Verschärfung des Lizenzvergabeprozesses blühen.

Neue Regulierungen bezüglich Glücksspielwerbung machen den Unternehmen zusätzlich zu schaffen. So plant Italien ein völliges Verbot von Glücksspielwerbung ab dem 1.1.2019. Andere EU-Staaten wie Tschechien, haben seit 2017 neue Glücksspielgesetze implementiert, die für die Konzerne mit höheren Steuern und Lizenzgebühren einhergehen.

Positive Signale

Positive Signale kommen allerdings von Online-Glücksspielbetreibern, die strategische Partnerschaften mit landbasierten Casinos schließen. Gerade in den USA, wo Sportwetten nach neuer Gesetzeslage wieder erlaubt sind, dringen Online-Wettanbieter in den Markt vor und erweitern ihr Angebot. Besonders populäres Ziel sind derzeit New Jersey und New York.

Erst kürzlich gab bet365 seine Partnerschaft mit Empire Resorts,Inc. bekannt. Der amerikanische Hotel- und Casinobetreiber und bet365 planen den Online-Glücksspielmarkt im Staat New York zu erobern. Nachdem das Vorhaben bekannt wurde, stieg die Aktie der angeschlagenen Empire Resorts, Inc. am 14.11.2018 um satte 34.7 %.

Wie sich neue Gesetze und politische Ereignisse wie der Brexit auf die Aktien der Online-Glücksspielanbieter im Jahre 2019 auswirken werden, wird sich wahrscheinlich erst dann zeigen, wenn sich der Staub etwas gelichtet hat. Bis dahin bleibt der Markt für diese Unternehmen unruhig.