Donnerstag, 11. August 2022

Glücksspiel-Sponsoring: Premier League-Clubs vor frei­willigem Verzicht

Fußball Spieler Premier League Glücksspiel-Sponsoring ist in Großbritannien weit verbreitet (Bild: Flickr/Joshjdss, CC BY 2.0)

Im britischen Profifußball ist die Werbung von Glücksspiel-Anbietern allgegenwärtig. Diese Form des Marketings stößt bei Politikern und Spielerschützern jedoch auf erhebliche Kritik. Einem Bericht der Zeitung Times [Seite auf Englisch] zufolge wollen die Clubs der Premier League nun freiwillig auf die Präsentation der Glücksspiel-Anbieter auf ihren Trikots verzichten.

14 von 20 Clubs müssen zustimmen

Nach Angaben der Times solle der Verzicht bei einem in der kommenden Woche stattfindenden Treffen der Club-Besitzer thematisiert werden. Für die Einführung des Glücksspiel-Sponsoring-Banns wäre die Zustimmung von mindestens 14 der 20 Clubs erforderlich.

Die Initiative könnte ein Versuch sein, einem Verbot des Glücksspiel-Sponsorings durch die britische Regierung zuvorzukommen. Dieses könnte bei der anstehenden Neufassung des Glücksspielgesetzes kommen, bei der Beobachter eine starke Verschärfung der Regulierung erwarten.

Allerdings könnte die Unsicherheit über den künftigen Premierminister den Beschluss der Vereine noch verzögern. Die Times berichtet, dass sich die Entscheidung bis in den September verschieben könnte, um auf mehr Klarheit in der britischen Regierungspolitik zu warten.

Ähnlich erging es auch der Veröffentlichung des White Papiers mit den Grundzügen der neuen Gesetzgebung. Diese wurde ebenfalls verschoben, bis ein neuer Premierminister ernannt wurde.

Finanzielle Belastung für Clubs

Derzeit haben sieben der 20 Premier League-Clubs einen Glücksspiel-Anbieter als Trikot-Sponsor. Jedoch wirbt keiner der großen sechs Vereine für einen Betreiber von Online-Casinos oder -Sportwetten.

Da die Teams zudem je nach Länge der Werbeverträge eine Übergangsfrist für Umsetzung des Sponsoring-Stopps anstreben, könnten auch einige der aktuell vom Glücksspiel finanziell unterstützten Clubs dem Verzicht zustimmen.

Aktuellen Schätzungen zufolge könnte das Sponsoring-Ende die betroffenen Clubs jährlich zwischen 5 und 10 Mio. GBP kosten. Doch auch bei den Club-Besitzern regt sich Widerstand gegen die Werbung. So erklärte Tony Bloom, Vorsitzender des Vereins Brighton & Hove Albion:

Ich denke nicht, dass die Glücksspiel-Werbung auf den Trikots eine gute Sache ist. (...) Obwohl es überall diese Werbung gibt, ist sie auf den Trikots am offensichtlichsten, weshalb es mir die größten Sorgen bereitet.

In den unteren Ligen wären die Folgen eines freiwilligen Verzichts jedoch noch gravierender. Auch dort zählen die Glücksspiel-Unternehmen zu den größten Sponsoren. Aufgrund der insgesamt niedrigeren Einnahmen aus TV- und Eintrittsgeldern könnten die Ausfälle für viele der Teams existenzgefährdende Formen annehmen.

Deshalb sollen diese nach Willen der Premier League von dem Ende des Glücksspiel-Sponsoring auf Trikots ausgenommen werden. Ob es zu dem Verzicht wirklich kommt, wird die anstehende Abstimmung der Club-Chefs zeigen.