, March 14, 2019

Gestern endete in Stuttgart das 16. Glücksspiel-Symposium der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim. Das Fazit der Experten aus Wissenschaft, Industrie und Politik: Es besteht dringender Handlungsbedarf in Sachen Spielerschutz und Regulierung des Online-Marktes für Glücksspiel in Deutschland.

 

Eine interdisziplinäre Veranstaltung

 

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Auch der Umgang mit Online Casinos stand auf dem Pogramm (Qulle:BagoGames, licensed under CC BY 2.0)

Am 12. und 13. März kamen in Stuttgart Glücksspiel-Experten aus Theorie und Praxis zusammen, um beim 16. Glücksspiel-Symposium den aktuellen Stand und die Zukunft des Glücksspiels in Deutschland zu diskutieren.

 

Auf der Tagesordnung standen Podiumsdiskussionen und Vorträge.

 

Unter anderem ging es um technische Entwicklungen wie Biometrie und Blockchain, Suchtforschung und -hilfe sowie den Umgang mit illegalen Glücksspielangeboten.

 

Einen deutlichen Schwerpunkt legte die zweitägige Veranstaltung auf den Themenkomplex Regulierung.

 

„Weckruf an die Politik“

 

Bereits in der Einladung zum 16. Glücksspiel-Symposium hatten die Verantwortlichen klare Worte gewählt: Man wolle einen „Weckruf an die Politik“ senden, denn diese habe die mit der Regulierung des Glücksspiels verbundenen Ziele nicht durchsetzen können.

Laut Forschungsstelle Glücksspiel entfallen in Deutschland nur 17 % des Marktanteils des Online-Glücksspiel auf legale Angebote. Nicht-lizensierte Lotterien und Online-Casinos sollen auf einen geschätzten Jahresumsatz von über 50 Milliarden Euro kommen.

 

Studien zufolge wuchs der Schwarzmarkt im Bereich Glücksspiel im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent, Tendenz steigend. Der regulierte Markt legte im selben Zeitraum um lediglich ein Prozent zu.

Gut eine Woche vor der möglichen Verabschiedung eines dritten Interimsstaatsvertrages bei der am 21. März stattfindenden Ministerpräsidentenkonferenz machten nun auch die aus unterschiedlichen Bereichen stammenden Teilnehmer des Symposiums klar, dass dringender Handlungsbedarf seitens der Politik bestehe.

 

Einigkeit herrschte insbesondere bei der Forderung nach einer länderübergreifenden Aufsichtsbehörde.

 

Lotto-Chef fordert konsequentes Vorgehen

 

Lotto-BW-Chef Georg Wacker

Lotto-Chef Georg Wacker (Quelle:Wikipedia / Tobias Klenze, CC BY-SA 3.0)

Georg Wacker, CDU-Politiker und Geschäftsführer der staatlichen Lotto-Gesellschaft Baden-Württemberg, setzte sich für ein konsequenteres Vorgehen gegen verbotenes Online-Glücksspiel ein.

 

Die gesetzlichen Grundlagen zu Blockierung von Internetseiten und Zahlungsvorgängen seien bereits vorhanden, strukturelle Defizite führten aber dazu, dass Glücksspiel-Kontrollinstanzen stärker als andere Bereiche von Sparmaßnahmen betroffen seien.

 

Der Lotto-Chef betonte, dass in diesem Bereich deutlich mehr Geld und Personal zur Verfügung gestellt werden müsse.

 

Nur so sei es dem Staat möglich, die Einhaltung der von ihm gesetzten Regeln mit mehr Nachdruck zu kontrollieren, so Wacker.

 

Werden Spieler in den Schwarzmarkt getrieben?

 

Strukturelle Probleme sah auch der Präsident des Deutschen Sportwettenverbands (DSWV), Mathias Dahms. Die Vereinbarung, die den Ministerpräsidenten am 21. März vorgelegt werde, könne lediglich als Übergangslösung dienen, da sie die Probleme der derzeitigen Regulierung nicht löse.

 

Gerade im Bereich der Sportwetten, so der Interessenvertreter, habe sich die Politik mit ihrem Vorstoß einen Bärendienst erwiesen:

Es ist richtig, dass die Länder nach sieben Jahren Regulierungschaos endlich ein Erlaubnissystem für Sportwettenanbieter etablieren. Problematisch ist jedoch, dass die ebenso unzeitgemäßen, wie restriktiven Regelungen des Staatsvertrags bestehen bleiben:

 

Die beliebte Live-Wette — etwa 60 bis 70 Prozent des Marktes — wird massiv eingeschränkt, pauschale Spiellimits willkürlich festgelegt. Hierdurch wird die lizenzierte Sportwette gegenüber dem Schwarzmarkt unattraktiv.

Derzeit hielte man an dem bereits von der EU abgemahnten staatlichen Lotteriemonopol fest, was zur Folge habe, dass weite Teile des Online-Marktes weiterhin unreguliert blieben.

 

Auch die Einrichtung einer zentralen Aufsichtsbehörde sei so in absehbarer Zeit nicht in Sicht.

 

Forderung nach zentraler Aufsichtsbehörde

 

Ein Punkt den auch Glücksspielforscher und Gastgeber Tilman Becker betonte:

Wenn wir richtig kontrollieren und regulieren wollen, dann brauchen wir zwingend eine länderübergreifende Behörde.

Der Lösungsansatz des Wissenschaftlers: Die Lizenzvergabe durch eine bundesweite Glücksspielkommission. So könnten die Unterschiede zwischen den Vorgaben der einzelnen Bundesländer beendet und gesetzliche Vorgaben künftig wirkungsvoll überwacht werden.

 

Ein weiterer Vorteil einer zentralen Aufsichtsbehörde aus Sicht des Forschers: Sie könne federführend bei der Einrichtung einer landesweiten Sperrdatei für Problem- und Risikospieler sein.

 

Biometrisches Zugangssystem für Spielhallen?

 

Die Einrichtung einer zentralen Sperrdatei könnte auch im Sinne der Deutschen Automatenwirtschaft (DAW) sein.

 

Vorstandssprecher Georg Stecker sprach sich auf dem 16. Glücksspiel-Symposium für die Idee eines bundesweiten biometrischen Zugangssystems für Spielhallen aus und betonte die Präventionsbemühungen seitens der Anbieter: Sein Verband wolle kein Geld mit Spielsüchtigen verdienen.

 

Das 16. Glücksspiel-Symposium der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim hat ein deutliches Zeichen gesetzt. Die vielleicht wichtigste Mahnung der Experten an die anstehende Ministerpräsidentenkonferenz:

 

Eine aktive Beschäftigung mit der Zukunft des Glücksspiels in Deutschland und eine vernunftbasierte und länderübergreifende Neuregelung des Umgangs mit Online Casinos und Co.

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