, 30.12.2019

Das Glücksspiel stand im Jahr 2019 in den Parlamenten vieler europäischen Länder ganz weit oben auf der Agenda. Vor allem in unseren Nachbarländern Frankreich, Belgien, Niederlande und Luxemburg hat es einige tiefgreifende Änderungen in der Welt der Glücksspiele gegeben.

 

Niederlande bereiten legalen Online Glücksspielmarkt vor

Online Glücksspielangebote sind in vielen europäischen Ländern noch immer verboten oder schlicht nicht per Gesetz reguliert. Die Niederlande stehen diesbezüglich jetzt vor großen Veränderungen.

 

Im Februar dieses Jahres beschloss das niederländische Parlament (Eerste Kamer) erstmals, ein Glücksspielregelwerk für Online Casinos und Online Buchmacher zu erstellen, damit nationale und internationale Anbieter ihre Produkte im Land legal zur Verfügung stellen dürfen.

 

Die Entscheidung rührte daher, dass die Niederländer bereits seit Jahren vermehrt auf den Glücksspielwebseiten internationalen Anbieter spielten und somit Millionen von Euro an den niederländischen Staatskassen vorbei [Seite auf Englisch] ins Ausland flossen.

Laut dem niederländischen Statistikinstitut (Centraal Bureau voor de Statistiek) erzielte der gesamte Glücksspielsektor des Landes im Jahr 2018 Einnahmen von 2,05 Mrd. Euro, was einem Anstieg um 11 % im Vergleich zum Jahr 2015 entspricht. Die hohe Summe sei vor allem durch die nicht lizenzierten Anbieter zusammengekommen. Deren Umsätze seien in jenem Zeitraum um 20 % gestiegen, was Einnahmen von knapp 600 Mio. Euro entspreche.

Obwohl viele international agierende Glücksspielfirmen also in den Niederlanden auch ohne eine Lizenz Umsätze generierten, scheinen diese seit langem auf die Eröffnung des Marktes gehofft zu haben.

 

So vermeldete die KSA Ende Juni, dass bereits 183 potentielle Bewerber ihr Interesse an einer Lizenz bekundet hätten. Die Kansspelautoriteit steht damit vor einer großen Aufgabe.

 

Noch immer arbeitet die Behörde an der genauen Ausarbeitung des neuen Glücksspielgesetzes (Wet Kansspelen op afstand). Ende November kündigte die KSA daher an, den ursprünglichen Zeitplan nicht einhalten zu können.

 

Statt im Januar 2021 seien die ersten lizenzierten Online Casinos nun erst im Juni 2021 zu erwarten.

 

Frankreich privatisiert seine staatliche Lotterie

Eine große Umwälzung hat sich in diesem Jahr auch im legalen Glücksspielsektor Frankreichs ereignet.

 

Am 11. April beschloss die französische Nationalversammlung im Rahmen eines neuen Gesetzesprojektes, dem sogenannten „PACTE“, die seit jeher staatlich geführte Lotterie des Landes (Française des Jeux, FDJ) zu privatisieren.

Die FDJ ist der einzige legale Glücksspielanbieter Frankreichs, der Lottospiele, Rubbellose und Sportwetten anbieten darf. Seit 2010 darf der Monopolist darüber hinaus Online Casinospiele auf seiner Webseite zur Verfügung stellen. Vor der Privatisierung befand sich die FDJ zu 72 % in staatlicher Hand. Seit November jedoch liegt dieser Anteil bei lediglich 21 %.

Da die Privatisierung bereits auf November dieses Jahres angesetzt war, blieb der Regierung nicht viel Zeit, die neuen Glücksspielgesetze auszuarbeiten.

 

Die im Juni veröffentlichte „Verordnung zur Reform der Glücksspielregulierung“ stellte insgesamt eher eine Ausweitung der Glücksspielgeschäfte der FDJ dar, als diese strikter zu regulieren. Bei Spielsuchtexperten läuten seither die Alarmglocken.

 

Obwohl die Privatisierung in den französischen Medien viel kritisiert wurde, bezeichnete Wirtschaftsminister Bruno Le Maire den Prozess, insbesondere den damit verbundenen Börsenstart der Lotterie, Mitte November als äußerst erfolgreich, da bereits am ersten Handelstag 500.000 Franzosen Aktien erworben haben sollen.

 

Belgien und Luxemburg in Sorge um illegales Glücksspiel

In unseren Nachbarländern Belgien und Luxemburg hingegen lautete das Motto in diesem Jahr vor allem „Kampf dem illegalen Glücksspiel“.

 

Spielautomaten Slots

Unzählige illegale Spielautomaten in Luxemburg (Bild: Needpix/NikeChillemi)

Besonders in Luxemburg sind die Glücksspielgesetze sehr restriktiv. Erlaubt sind lediglich die Lotterieprodukte der Staatslotterie sowie die landbasierten Glücksspiele im einzigen Casino des Landes, dem Casino 2000.

 

Neben dem illegalen Online Glücksspiel stört sich die Lotterie des Landes aber vor allem an den zahlreichen illegal aufgestellten Spielautomaten und Terminals in Cafés, Bars und Bistros, gegen welche die Strafverfolgung den Kampf aufgegeben zu haben scheint.

 

Das Unternehmen gab daher Anfang des Monats bekannt, erstmals eigene Spielautomaten aufstellen zu wollen, um die illegalem Slots auf diese Weise zu verdrängen.

 

Belgien hingegen hat in diesem Jahr 32 neue Glücksspiel-Gesetzesänderungen verabschiedet, welche allesamt dazu dienen, die Bandbreite legaler Angebote im Land zu verringern und die illegalen Angebote effizienter zu bekämpfen.

 

Die belgische Glücksspielkommission erklärt, dass die Regulierung aller Glücksspiele in Zukunft weiterhin verschärft werden soll. Obwohl die meisten Formen des Glücksspiels im Land grundsätzlich legal sind (Online Casinos eingeschlossen) wird es für Anbieter daher immer schwerer, Lizenzen zu erwerben und zu behalten.