, November 10, 2019

Seit dieser Woche steht in den USA ein Mann vor Gericht, der im vergangenen Februar mit einer Bombendrohung im Hollywood Casino in Aurora, Illinois, für Schrecken gesorgt haben soll. Die Anklage wirft dem 30-jährigen Mustadin M. vor, der Spielstätte mit der „Vernichtung durch Allah“ gedroht zu haben. Die Verteidigung plädiert auf die Unschuld des Mannes und spricht von einem Missverständnis.

 

Großeinsatz und Evakuierung

 

Der Eindruck, den Mustadin M. am 12. Februar dieses Jahres bei den Angestellten des Hollywood Casinos im US-amerikanischen Aurora hinterließ, muss überwältigend gewesen zu sein. Dies legen die Ermittlungsberichte der zuständigen Staatsanwaltschaft von Kane County nahe.

 

Seit dieser Woche muss sich der gebürtige Türke vor einem Richter des Bezirksgerichts in Kane County, Illinois, verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, durch Todesdrohungen einen Großeinsatz der Polizei und die Evakuierung diverser Gebäude veranlasst zu haben.

Seit der Übernahme der Hollywood Casino Corp. im Jahr 2003 gehört das Hollywood Casino Aurora in Illinois zum US-Casinobetreiber Penn National Gaming, Inc. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Pennsylvania betreibt diverse Pferderennstrecken und Casinos in den USA und Kanada.

 

Eines der Prestigeprojekte der auf einen Jahresumsatz von rund 5,3 Milliarden US-Dollar geschätzten Penn National Gaming ist das Tropicana Hotel und Casino am Strip von Las Vegas.

Klagen über Kleidung der Angestellten

 

Erstmals auffällig in dem Casino am Fox River sei der Mann einen Tag vor seiner Verhaftung geworden. So habe er sich rund zweieinhalb Stunden in den Räumlichkeiten aufgehalten, ohne die Spiel- oder anderweitigen Vergnügungsangebote zu nutzen.

 

Stattdessen habe er das Personal unter anderem zur Betriebsstruktur des Casinos befragt. Auch die Fluchtwege des Casinos sollen den Mann auffällig interessiert haben.

 

Zum Abschluss seines ungewöhnlichen Besuchs habe er sich beim leitenden Manager des Hollywood Casinos zudem formal über die Kleidung der weiblichen Angestellten beschweren wollen.

 

„Ein Geschenk für Donald Trump“

 

Kurz nachdem der Manager ihn am folgenden Tag in Bezug auf seine Beschwerde telefonisch kontaktiert habe, sei Mustadin M. wieder im Casino aufgetaucht. Während seine Kleidung am Vortag unauffällig-westlich gewesen sei, habe er nun traditionelle muslimische Gewänder getragen.

 

Dem anwesenden Manager gegenüber habe er zum Ausdruck gebracht, ein Geschenk für Donald Trump abgeben zu wollen. Weigere man sich, ihn umgehend zum US-Präsidenten zu führen, so die Zeugenaussagen, habe er angegeben, Allah bitten zu wollen, „zu übernehmen“ und das Casino zu zerstören.

 

Laut Chefankläger Joe Cullen habe sich der Angeklagte hierbei vorsätzlich nebulös ausgedrückt:

Der Angeklagte war absichtlich unspezifisch, als er die Botschaft übermittelte. Der Angeklagte übermittelte die Drohung mit Worten und Taten.

Hochbesorgt durch den Auftritt des Gastes und die Tatsache, dass dieser seinen Truck direkt vor dem Casino im Halteverbot abgestellt hatte, verständigte das Personal die Polizei. Bei deren Eintreffen habe sich Mustadin M. widerstandlos abführen lassen.

 

Die späteren Untersuchungen von Wagen und Casino seien unter enormen Sicherheitsmaßnahmen durch ein Bombenräumkommando erfolgt. Hinweise auf Sprengstoff oder Waffen seien jedoch nicht gefunden worden.

 

Alles nur ein Missverständnis?

 

Sprengstoffkiste mit Zünder

Um Sprengstoff sei es nie gegangen, versicherte die Anwältin (Quelle:pixabay.com/Amber_Avalona)

Folgt man den Ausführungen der Pflichtverteidigerin von Mustadin M., Brenda Willett, seien weder die Evakuierung des Casinos und der angrenzenden Gebäude noch der Einsatz von 150 Polizeikräften nötig gewesen. Im Grunde habe es sich insgesamt nur um ein großes Missverständnis gehandelt.

 

Entgegen der Vorwürfe des Staatsanwalts habe ihr Mandant das Casino am 11. Februar 2019 keineswegs ausgekundschaftet. Vielmehr sei er nach der Trennung von seiner Frau mehr oder minder obdachlos gewesen, weswegen er sich in dem Casino nur habe aufwärmen wollen.

 

Was die Anklage nun als Bomben- oder Todesdrohung interpretiere, sei zudem völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Von Bomben, Sprengstoff oder auch nur dem Truck sei nicht im Geringsten die Rede gewesen. Mit dem vermeintlichen „Geschenk“ habe der Mann, dessen Muttersprache türkisch ist, lediglich die Botschaft gemeint, die er habe überbringen wollen:

 

Dass Casinos schlecht seien und durch etwas ersetzt werden sollten, was einen größeren Wert für die Gesellschaft biete.

 

Mustadin M. befindet sich seit seiner Festnahme (Seite auf Englisch) in Untersuchungshaft. Bei Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis. Der Prozess wird fortgesetzt.