, February 11, 2019

In der Nacht auf Montag fand in Los Angeles die 61. Verleihung der Grammy Awards statt. Künstler, Musikliebhaber und Buchmacher verfolgen das Großereignis der Musikbranche jedes Jahr mit Spannung. Welche Tipps haben sich bei den Grammys 2019 bezahlt gemacht?

 

Wer das kleine goldene Grammophon in der Hand hält, hat es geschafft: Kaum eine Auszeichnung des Musikgeschäfts hat eine solche Strahlkraft wie die Trophäe des Grammy Awards. In diesem Jahr sorgte die Auswahl der Preisträger zwar für kaum Überraschungen, setzte aber neue Maßstäbe.

 

Grammy Hauptkategorien: Black Music und Frauenpower

 

Mit „This is America“ gelang es US-Künstler Childish Gambino gleich zwei der begehrtesten der insgesamt 84 verliehenen Grammys mit nach Hause zu nehmen. Das politisch aufgeladene Stück war auch im Vorfeld von den Buchmachern hoch gehandelt worden.

 

Gemeinsam mit Lady Gagas Filmsong „Shallow“, den sie mit Schauspieler Bradley Cooper eingesungen hatte, war „This is America“ einer der Favoriten auf den Titel „Record of the Year“. Der Preis würdigt die beteiligten Künstler, Tontechniker und Produzenten.

 

 

Wer Childish Gambino auch im Rennen um den Preis des besten Songs, der den Komponisten ehrt, vorn gesehen hatte, dürfte sich heute freuen: Mit einer Quote von 1:3.75 hatte der Song, der sich offensiv mit den Themen Rassismus und Waffengewalt in den USA auseinandersetzt, bei den Buchmachern

 

Grammy Awards 2019: Favoriten räumen ab

 

Beim Album des Jahres hatten Wettanbieter dem Soundtrack zum Marvel-Actionstreifen „Black Panther“ und der Platte „Golden Hour“ von Countrysängerin Kacey Musgraves gleiche Chancen prognostiziert. Das Rennen machte Black Panther. Wer darauf gewettet hatte, durfte sich über eine Auszahlungsquote von 1:2.75 freuen.

 

In der Kategorie „Newcomer“ setzte sich die britische Sängerin Dua Lipa durch, im Vorfeld war die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine der begehrten Trophäen ihr Eigen nennen dürfe, auf 1:3.00 geschätzt worden.

 

Die Preisträger der wichtigsten Kategorien der Grammy Awards 2019 im Überblick:

 

Aufnahme des Jahres: THIS IS AMERICA, Childish Gambino

Album des Jahres: GOLDEN HOUR, Kacey Musgraves

Song des Jahres: THIS IS AMERICA

Beste*r neue*r Künstler*in: DUA LIPA

Bester Pop Solo Auftritt: JOANNE (WHERE DO YOU THINK YOU’RE GOIN’?), Lady Gaga

Bester Pop Duo/Gruppen Auftritt: SHALLOW, Lady Gaga & Bradley Cooper

Bestes Pop Vocal Album: SWEETENER, Ariana Grande

Bestes Dance/Electronic Album: WOMAN WORLDWIDE, Justice

Bestes zeitgenössisches Instrumental Album: STEVE GADD BAND, Steve Gadd Band

Bester Rock Song: MASSEDUCTION, Jack Antonoff & Annie Clark, songwriters (St. Vincent)

Bestes Rock Album: FROM THE FIRE, Greta Van Fleet

Bestes Alternative Album: COLORS, Beck

Bester R&B Song: BOO’D UP, Larrance Dopson, Joelle James, Ella Mai & Dijon McFarlane, songwriters (Ella Mai)

Bestes R&B Album: H.E.R., H.E.R.

Bester Rap Song: GOD’S PLAN, Aubrey Graham, Daveon Jackson, Brock Korsan, Ron LaTour, Matthew Samuels & Noah Shebib, songwriters (Drake)

Bestes Rap Album: INVASION OF PRIVACY, Cardi B

Rapperin Cardi B. setzt neue Maßstäbe

 

Während sich viele der Ehrungen bereits im Vorfeld in den Quoten der Buchmacher abgezeichnet hatten und nur wenig Überraschung bargen, landete Rapperin Cardi B. mit ihrem Album „Invasion of Privacy“ nicht nur einen Achtungserfolg: Die 26-jährige „I Like It“-Interpretin ist die erste Solo-Künstlerin, die einen Grammy in der Kategorie bestes Rap Album ihr Eigen nennen darf.

Rapperin Cardi B.

Rapperin Cardi B. erhielt als erste Solo Künstlerin einen Grammy Award für das beste Rap Album (Quelle:wikipedia.org, licensed under CC BY 2.0)

 

Damit steht Cardi B. exemplarisch für den gestrigen Grammy Abend, der ganz offensichtlich mit alten, oft kritisierten Strukturen des großen amerikanischen Musikbusiness brechen sollte.

Nicht nur setzten die Veranstalter mit der seit Jahren stets ungeschminkt auftretenden Gastgeberin, R&B-Legende Alicia Keys, auf eine erklärte Frauenrechtlerin, auch das Programm der Preisverleihung war durch und durch weiblich geprägt.

 

Überraschung und Jubel konnte unter anderem Michelle Obama für sich verbuchen, die kurz nach Beginn der Show unangekündigt die Bühne betrat. An der Seite der Sängerinnen Alicia Keys, Jennifer Lopez und Lady Gaga sowie Schauspielerin Jada Pinkett Smith würdigte die ehemalige First Lady der USA den Stellenwert, den Musik in ihrem Leben stets innegehabt habe:

Musik hat mir immer geholfen, meine Geschichte zu erzählen. Und ich weiß, das trifft für jeden hier zu.

Seitenhieb gegen Academy

 

Die als beste neue Künstlerin ausgezeichnete Dua Lipa konnte sich derweil einen kleinen Seitenhieb auf die für die Grammys zuständige Recording Academy nicht verkneifen: In ihrer Dankesrede zeigte sich die 23-Jährige geehrt und vermutete, die Riege der weiblichen Nominierten sei so lang, weil sie alle im Vergleich zum Vorjahr einen großen Schritt nach vorn gemacht hätten.

 

hatte Academy Vorsitzender Neil Portnow bei den letzten Grammys von Frauen gefordert, sollten sie sich mehr Beachtung bei der Preisvergabe wünschen. Die Aussage hatte zu massiver öffentlicher Kritik geführt und Portnow dazu gebracht, im Nachhinein anzukündigen, Maßnahmen in die Wege leiten zu wollen, um Hürden und Vorurteile Frauen in der Musikindustrie gegenüber abzubauen.

 

Grammys in der Krise?

 

Betrachtet man die vergangene Preisverleihung, liegt der Schuss nahe, dass die Academy in dieser Hinsicht Wort hält. Von Frieden im Paradies ist aber noch lange nichts zu spüren: Die ebenfalls seit Jahren anhaltende Kritik, das Genre Rap/Hiphop erfahre bei der Vergabe der Grammys nicht die ihm zustehende Beachtung, dürfte in diesem Jahr mit der jeweils mehrfachen Auszeichnung von Childish Gambino und Rap Superstar Drake adressiert worden sein.

 

Dennoch waren weder Preisträger Gambino noch Showgrößen wie Beyoncé Knowles oder Jay-Z bei der Verleihung anwesend. Es wird gemunkelt, dass es sich hier um einen Boykott der Grammys gehandelt haben könnte.