, November 7, 2019

Der britische Glücksspielkonzern GVC Holdings hat sich am Mittwoch für eine fortschrittliche Regulierung des Online-Glücksspiels in Deutschland ausgesprochen.

 

In einem Eckpunktepapier fordert der Konzern eine effektivere Zusammenarbeit zwischen den deutschen Bundesländern und der Online-Glücksspiel-Industrie. Außerdem bedürfe es einer Erweiterung des legalen Glücksspielmarktes.

 

Computer und Geldscheine

GVC will auch auf dem deutschen Online-Glücksspiel-Markt legal Geld verdienen. (Quelle: Pixabay)

So wertet die Unternehmensgruppe, zu der unter anderem der Sportwettenanbieter bwin gehört, die Vergabe von Sportwetten-Konzessionen ab dem 1. Januar 2020 als mittelfristigen Erfolg.

 

Dieser Schritt allein reiche jedoch nicht aus. Die Bundesländer müssten einen regulierten Markt für Online Poker und Online Casino-Spiele kreieren.

 

Die Forderungen des Glücksspiel-Riesen kommen zu einem wichtigen Zeitpunkt. Mitte November 2019 werden die Bundesländer erneut über eine Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags beraten.

 

Sie soll ab Juli 2021 in Kraft treten und könnte endlich die Frage klären, unter welchen Voraussetzungen Online Casinos und Online Pokerräume in Deutschland legal betrieben werden dürfen.

Eine Branche sehnt sich nach qualitativer Regulierung

 

Während sich GVC Holdings für eine Ausweitung der Regulierung von Online-Glücksspiel in Deutschland stark macht, haben deutsche Glücksspielverbände in den letzten Monaten für eine bessere Regelung des landbasierten Glücksspiels gekämpft.

 

Erst Mitte Oktober hatte der Dachverband Die Deutsche Automatenwirtschaft, zu der die vier größten Automatenverbände der Bundesrepublik gehören, ein neues Eckpunktepapier zum Glücksspielstaatsvertrag veröffentlicht. Die Organisation forderte darin intensivere Kontrollen des landbasierten Glücksspiels und ein härteres Vorgehen gegen illegale Angebote.

Online-Glücksspiel in Deutschland nicht ausreichend reguliert

 

Die Regulierung von Online-Glücksspiel in Deutschland hinkt schon seit vielen Jahren. Obgleich internationale Online Casinos ihre Angebote in der Bundesrepublik anbieten und Spieler straflos daran teilnehmen, ist der Glücksspielstaatsvertrag in seiner jetzigen Form kein rechtliches Instrumentarium, das das Online Glücksspiel ausreichend regelt.

 

Während andere EU-Staaten wie Polen, Spanien und Italien in der jüngeren Vergangenheit eigene Gesetze für Online-Glücksspiel auf den Weg gebracht haben, diskutieren die deutschen Bundesländer noch immer darüber, wie man einerseits Online Casinos und Online Poker erlauben und andererseits den Spielerschutz stärken könnte.

 

Zu einem Ergebnis ist die Ministerpräsidentenkonferenz bislang nicht gekommen. Einzig das norddeutsche Bundesland Schleswig-Holstein hat gehandelt und mit der Vergabe von Glücksspiellizenzen an Online-Glücksspielbetreiber begonnen. Dies ist knapp acht Jahre her. Die 15 weiteren Bundesländer zögerten und sorgten damit für anhaltende Kritik bei Firmen und Spielern.

 

Umso größer scheint nun die Hoffnung der GVC Holdings, dass das Online-Glücksspiel in Deutschland durch taugliche Gesetze seinen Platz auf dem legalen Markt finden könnte.

 

Dr. Martin Lycka, Direktor für regulatorische Angelegenheiten bei der GVC, sieht in der Regulierung den einzigen Weg, um Spielern Transparenz zu bieten und sie vor illegalen Angeboten zu schützen:

„GVC begrüßt das Bestreben der deutschen Bundesländer, eine Regulierung zu schaffen, die ein legales, kontrolliertes Angebot von Online-Glücksspielen ermöglicht. Dieses muss nach der festen Überzeugung von GVC neben Sportwetten auch Poker und Casinospiele erfassen, um die Schutzziele einer modernen Glücksspielregulierung sicherzustellen. Nur so lässt sich verhindern, dass weite Teile des Markts im Schwarzmarkt stattfinden und sich einer staatlichen Regulierung komplett entziehen. GVC ist sich seiner Verantwortung für das Erreichen dieser Ziele bewusst.“

Spielerschutz ganz oben auf der Agenda

 

Bevor die Länder tatsächlich für eine Regulierung von Online-Glücksspiel in Deutschland entscheiden, wird die Frage geklärt werden müssen, wie ein effektiver Jugend- und Spielerschutz gestaltet werden könnte.

 

Ein Mädchen vor ihrem Computer

Regulatoren wollen vor allem jugendliche Online-Zocker schützen. (Quelle: Pixabay)

Viele Experten bemängeln, dass die Online-Glücksspielbranche zu wenig unternimmt, um ihre Kunden vor den negativen Auswirkungen des Spielen zu schützen.

 

Laut dem Jahrbuch Sucht 2018 litten in Deutschland ca. 180.000 Personen unter Spielsucht. Die Befürchtungen, eine Legalisierung von Online Casinos und Online Poker könnte diese Zahlen in die Höhe schnellen lassen, sind also groß.

 

In seinem Eckpunktepapier greift GVC Holdings das Thema Spielerschutz auf. Nach Meinung des Unternehmens sollten neue Glücksspiellizenzen klare Qualitätsanforderungen an Spielerschutzvorkehrungen beinhalten.

 

Hierzu, so der Konzern, könnten Identitätsprüfungen, Echtzeitverfügbarkeit aller Spielverläufe sowie die Früherkennung problematischen Kundenverhaltens durch den Einsatz künstlicher Intelligenz gehören.

 

Ob dies den Regulatoren ausreicht, um das Online-Glücksspiel in Deutschland flächendeckend zu legalisieren, könnte womöglich schon Diskussionsgegenstand beim nächsten Treffen der Länder sein.