, 31.07.2020

Der Glücksspielkonzern GVC Holdings hat Presseberichte zurückgewiesen, nach denen ein türkisches GVC-Tochterunternehmen in der Vergangenheit in dubiose Deals mit dem inzwischen insolventen Finanzdienstleister Wirecard involviert gewesen sei.

 

Die Tageszeitung The Times [Seite auf Englisch] hatte am Donnerstag gemeldet, dass ein Zusammenhang zwischen Ermittlungen der Steuerbehörde Revenue and Customs (HMRC) und früheren Geschäften des türkischen GVC-Ablegers mit Wirecard bestehen könne.

Im Zentrum des Zeitungsberichts steht der Zahlungsabwickler Kalixa Group. Kalixa war im Jahr 2015 durch den Kauf von bwin in den Besitz von GVC übergegangen. Im Zuge der zwei Jahre später erfolgten Akquisition der Ladbrokes Coral Group wurde Kalixa 2017 für 29 Mio. GBP an die Senjō Group aus Singapur verkauft und firmierte dann unter dem Namen PXP Financial.

Im Times-Bericht wird die Vermutung aufgestellt, dass PXP später als Teil des weit verzweigten Wirecard-Netzwerkes gedient haben könnte. Über dieses seien undurchsichtige Geschäfte abgewickelt worden, die das Münchener Unternehmen vor Behörden und Anteilseignern verschleiern wollte.

 

Gleichzeitig wird berichtet, dass PXP auch nach dem Verkauf über eine GVC-Tochter in der Türkei Finanztransaktionen für GVC-Marken durchgeführt haben könne. Diese Darstellung wies das GVC-Management entschieden zurück. So heißt es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung:

Der Vorstand kann bestätigen, dass es keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der HMRC-Untersuchung und den im Zeitungsbericht genannten Zahlungsdienstleistern gibt.

Verwicklung des ehemaligen GVC-Bosses?

Zusätzliche Brisanz erhält die Untersuchung durch den 2019 erfolgten Verkauf der türkischen GVC-Tochter an einen Vertrauten des damaligen GVC-Bosses Kenny Alexander. Alexander war erst vor zwei Wochen von dem Posten zurückgetreten, den er seit 2007 innegehabt hatte.

 

Die offizielle Begründung lautete, dass er sich zur Ruhe setzen und mehr Zeit mit der Familie verbringen wolle. Wenige Tage später wurden die Vorwürfe gegen GVC bekannt.

 

Das Unternehmen ist nun um Schadensbegrenzung bemüht. Deshalb betont das Management, dass man bei der Aufklärung umfassend mit dem HMRC kooperiere und die Öffentlichkeit umgehend über das Ergebnis informieren werde.

 

Investoren schien diese Ankündigung jedoch nicht zufriedengestellt zu haben. Am Donnerstag sank der GVC-Kurs zeitweise um bis zu 9 % und pendelte sich zu Börsenschluss bei einem Minus von 5 % ein. Damit hat er gegenüber seinem Höchststand am 15. Juli über 25 % verloren.