, 03.08.2020

Der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard soll Transaktionen für ein maltesisches Online-Casino durchgeführt haben, welches eng mit der italienischen Mafia-Organisation ’Ndrangheta zusammengearbeitet haben soll.

 

Wie die Financial Times [Link auf Englisch] heute berichtet hat, bestätigten dies Quellen und Gerichtsunterlagen aus Italien, die der Zeitung vorlägen. Demnach habe Wirecard bis zum Jahre 2017 Zahlungen für das Online-Casino CenturionBet abgewickelt. Italienische Behörden warfen dem ehemaligen Online-Glücksspiel-Anbieter vor, Teil einer ausgeklügelten Geldwäsche-Operation der Mafia gewesen zu sein.

Wie kam es zum Fall von CenturionBet?

Die italienische Finanzpolizei war im Jahre 2017 mit Razzien gegen die ’Ndrangheta vorgegangen. Dabei hatte sie Vermögenswerte in Höhe von 20 Millionen Euro beschlagnahmt und mehr als 60 Personen festgenommen. Eine von ihnen war Francesco Martiradonna, der Betreiber von CenturionBet. CenturionBet hatte schon zuvor seine maltesische Glücksspiellizenz wegen Lizenzverstößen verloren, wurde in der Folge der Festnahmen aber gänzlich vom Netz genommen. Martiradonna wurde im vergangenen Jahr in Italien zu 11 Jahren Haft verurteilt.

Hat Wirecard seine Geschäftspartner falsch gewählt?

 

Die Zahlungsabwicklung für CenturionBet ließe laut Financial Times neue Zweifel am Geschäftsmodell des einstigen deutschen Vorzeigeunternehmens aufkommen. Zwar seien die Einnahmen durch CenturionBet nur ein winziger Bruchteil der weltweiten Aktivitäten, die Entdeckung werfe

„jedoch weitere Fragen zum Geschäftsmodell des deutschen Unternehmens auf, das einst als Pionier der europäischen Fintech gelobt wurde.“

Als regulierter Finanzdienstleister sei Wirecard verpflichtet gewesen, strenge Anti-Geldwäsche-Gesetze einzuhalten und verdächtige Transaktionen an die Behörden zu melden.

 

Dem Bericht zufolge habe Wirecard auch Zahlungen für eine weitere maltesische Glücksspielfirma durchgeführt, die im Verdacht stünde, Geld für organisierte Verbrecherbanden gewaschen zu haben.

 

Möglich sei, dass Wirecard von den Kontakten seiner Geschäftspartner nichts gewusst habe. So sei im Zuge der Medienberichterstattung über die vermeintlichen Mafia-Verbindungen eine Compliance-Prüfung durchgeführt worden, die die Firma bestanden habe.

 

Meldungen über Transaktionen deutscher Finanzdienstleister zu Online-Casinos hatten in den vergangenen Wochen immer wieder Kritiker auf den Plan gerufen, die eine stärkere Kontrolle der Zahlungen fordern. Darunter auch der Deutsche Spielbankenverband.

 

Verbandsvorsitzender Otto Wulferding hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass die Diskussion um Wirecard auch das „Thema Geldgeschäfte für Unternehmen wie Online-Casinos“ in den Fokus rücke.

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