Donnerstag, 11. August 2022

Schwedische Suchtklinik schlägt Alarm: Immer mehr Frauen von problematischem Glücksspiel betroffen

Frau am Spielautomaten Immer mehr Frauen in Schweden kämpfen mit Spielsucht. (Bild: unsplash.com, Eric Raptosh)

Die auf die ambulante Behandlung von Spielsucht spezialisierte schwedische Klinik Spelfriheten hat kürzlich einen Anstieg der Nachfrage nach Behandlungen verzeichnet. Insbesondere seit der Corona-Pandemie hätten deutlich mehr Menschen die Angebote der Stockholmer Klinik [Seite auf Schwedisch] in Anspruch genommen. Der Frauenanteil der Hilfesuchenden habe einen Spitzenwert erreicht.

Die Stockholmer Klinik bietet kostenlose und vertrauliche digitale Treffen für Risikospieler und deren Angehörige an. Das erste Halbjahr 2022 sei mit 5.340 Hilfesuchenden das bisher arbeitsreichste gewesen. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2021 mit 3.797 Registrierungen sei dies ein Anstieg um 40 %.

Allein im ersten Quartal hätten sich 2.604 Hilfesuchende an Spelfriheten gewandt. Dies seien 48 % mehr als im Vorjahreszeitraum (1.748). Im zweiten Quartal hätten sich 2.736 Personen registriert. Dies sei ein Anstieg um 33 %.

Unter den Hilfesuchenden hätten sich auffallend viele Frauen befunden, kommentierte Spelfriheten-Marketingleiter Adam Kirstein Reuterswärd:

Von den Menschen, die in diesem Jahr bei uns Hilfe gesucht haben, sind 60 % Männer und 40 % Frauen. Die Zielgruppe, die bei uns im vergangenen Jahr am meisten zugenommen hat, sind Frauen im Alter von 30 bis 55 Jahren.

Spielerschutz-Maßnahmen gefordert

Laut Reuterswärd hätten viele Frauen während der Pandemie mit dem Spielen in Online-Casinos begonnen und seien davon nicht mehr losgekommen. Dabei sei besonders besorgniserregend, dass es sich dabei um Personen handele, die zuvor keine Beziehung zum Glücksspiel gehabt hätten.

Der Anstieg des problematischen Spielverhaltens bei Frauen ist keine neue Erkenntnis. Eine im Jahre 2019 durchgeführte Studie in Schweden habe laut einer Meldung der BBC [Seite auf Englisch] einen signifikanten Anstieg des Anteils an Problemspielerinnen ermittelt, der sogar den Anteil männlicher Spieler mit problematischem Spielverhalten übertroffen habe.

Glücksspielsucht-Spezialist Professor Anders Håkansson von der Universität Lund erklärte, dass die zunehmende Zahl von Online-Glücksspielangeboten und neue Spielformen eine Erklärung für den Anstieg der Glücksspielerinnen sein könne.

Spelfriheten habe die jüngsten Beobachtungen nun an Spelberoendes Riksförbund, Schwedens nationale Vereinigung für problematisches Glücksspiel, weitergeleitet.

Nach Angaben des Verbands seien derzeit rund 352.000 Personen in Schweden als gefährdet einzustufen. 40.000 Personen hätten sich als Problemspieler registrieren lassen.

Als Konsequenz dieser Entwicklung empfiehlt Spelberoendes Riksförbund der Regierung, ein obligatorisches Limit für Spielverluste von 5.000 SEK (479 Euro) und Einschränkungen der Bonusangebote einzuführen.

Dabei handelt es sich um Schutzmaßnahmen, die bereits während der COVID-19-Pandemie angewandt wurden. Es wird sich nun zeigen, ob Einschränkungen für in Schweden lizenzierte Betreiber zu erwarten sind.