, 14.10.2019

Die italienische Regierung überlegt, die Steuer auf Glücksspiel-Gewinne zu überarbeiten. Der Vorschlag von Anfang Oktober sieht ein abgestuftes Steuermodell vor, das die höchsten Gewinne mit bis zu 23 % veranschlagen könnte. Zurzeit sind Gewinne unter 500 Euro steuerfrei, während die großen Lotterie-Jackpots mit 12 % besteuert werden.

 

Gewinne werden meist erneut eingesetzt

Der Umsatz des Glücksspielsektors in Italien beträgt im Jahr 100 Mrd. Euro. Doch die Bürger geben nur etwa 20 Mrd. Euro für Glücksspiel aus. Der restliche Betrag ergibt sich dadurch, dass sie ihre Gewinne sofort wieder beim Glücksspiel investieren anstatt sie einzubehalten.

 

Verbot von Barzahlungen für Glücksspieldienste?

Die stellvertretende Wirtschaftsministerin Laura Castelli (33) von der Partei Movimento 5 Stellegab vergangene Woche ein Interview, in dem sie sagte, der „tugendhafte“ Kampf der Regierung gegen das Glücksspiel werde weiterhin „vorwärts gehen, nicht rückwärts“:

 

Im Zuge dessen sei auch geplant, Spieler zu verpflichten, Kredit- oder Debitkarten für den Zugang zu landgestützten Glücksspieldiensten zu verwenden. Auch Rubbellose, die man in vielen Geschäften für einen Euro kaufen kann, wären davon betroffen.

 

Giorgio Pastorino, Präsident des örtlichen Verbands der Glücksspielbranche STS, bezweifelt allerdings, dass Spieler für geringe Beträge mit einer Karte bezahlen würden und dass die Kartenzahlung für diese Beträge von den Läden akzeptiert würde.

 

Daraus ergibt sich auch das größte Problem einer Steuerhöhung (Seite auf Italienisch). Wenn dadurch der Gewinn in den niederen Kategorien geschmälert würde, könnten sich die Spieler dazu entschließen, den Gewinn zu behalten anstatt ihn wieder einzusetzen.

 

Stefano Sbordoni vom italienischen Amt für Telekommunikation (Autorità garante delle comunicazioni) sagte zu den anhaltenden Diskussionen in der Regierung:

„Wir sind der Inkompetenz überdrüssig, die heutzutage eine grundlegende Qualifikation zu sein scheint, um ein öffentliches Amt zu bekleiden.“

Gewinne in Deutschland steuerfrei

In Deutschland werden Gewinne aus Glücksspielen grundsätzlich nicht versteuert. Wenn Sie kein professioneller Spieler sind und Ihre Gewinne bei einem Anbieter erzielen, der legal in Deutschland operiert, dürfen Sie Ihren kompletten Gewinn ohne Abzüge behalten.

 

Als Glücksspiel gelten nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz alle Spiele, die eindeutig auf Glück und nicht auf Können und Geschick basieren.

 

Anders sieht es bei Zinserträgen aus, die aus der Anlage eines Glücksspiel-Gewinn erzielt werden. Diese sind im ersten Jahr noch von der Steuer befreit. Im zweiten Jahr unterliegen sie aber der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 %, egal um welche Art der Zinserträge es sich handelt.

 

In Europa unterschiedliche Regelungen

Im Vereinigten Königreich sind Gewinne nicht steuerpflichtig. Dabei spielt es im Gegensatz zu Deutschland keine Rolle, wo die Gewinne erzielt wurden und ob es sich um professionelle Spieler handelt.

 

In Frankreich gibt es unterschiedliche Steuersätze für verschiedene Glücksspielarten. So fallen für Poker 2 % an. Für Sportwetten dagegen 7,5 %.

Hammer Waage

Steuergesetze international sehr unterschiedlich

Einen der höchsten Steuersätze hat Slovenien, wo Lotterie-Gewinne über 4.000 Euro mit 50 % versteuert werden müssen. In Portugal fallen Steuern von bis zu 35 % für Glücksspiel-Gewinne an.

 

Komplexe Gesetzeslage in den USA

In den Vereinigten Staaten sind Glücksspiel-Gewinne mit 25 % steuerpflichtig. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der Gewinn ist. Für professionelle Spieler wird jeder Gewinn als reguläres Einkommen angesehen und nach dem Einkommenssteuersatz veranschlagt.

 

Italien muss Haushalt konsolidieren

Bei einer Staatsverschuldung von über 130 % der Wirtschaftsleistung scheint die Anhebung des Steuersatzes auf Glücksspiel-Gewinnen in Italien fast sicher. Neben dem Stufenmodell sieht ein zweiter Vorschlag eine Erhöhung der Gewinnsteuer von 12 % auf 15 % vor, die auf Gewinne von mindestens 250 Euro ausgedehnt wird.

 

Bei letzterem würden 150 Mio.Euro in den italienischen Haushalt fließen. Ein Spitzensteuersatz von 23 % würde dagegen 2,5 Mrd. Euro einbringen.

 

Der anonyme Gewinner, der seinen Gewinn von 209 Mio. Euro im Superenalotto vom 13.8.2019 nach zwei Monaten eingelöst hat, wird sich freuen, dass diese Regelung noch nicht in Kraft getreten ist.

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