, 10.10.2018

 

Basketball-Fans haben die Namen Dirk Nowitzki und Dennis Schröder ganz sicher in ihr Vokabular aufgenommen. Der Name Jannis Neumann, oder „JBL“, ist den meisten Deutschen hingegen unbekannt. Doch das könnte sich in nächster Zeit ändern.

 

eSport Event

eSport-Events füllen immer größere Hallen. (Quelle: Flickr)

Vom Ruhrpott in die weite Welt

 

Wie wir bereits im August berichteten, bricht der eSports-Hype in Deutschland nicht ab. Ein Spieler, der in den letzten Jahren in der deutschen Szene für Furore sorgte, ist Jannis Neumann.

 

Der 22-Jährige kommt aus dem beschaulichen Dinslaken und begann im zarten Alter von 14 Jahren das Spiel „NBA 2 K“ zu zocken. Im Jahre 2018 erreichte er schließlich das Unfassbare: einen Vertrag mit dem E-Sports-Team der Dallas Mavericks. Doch hinter dem Erfolg steckt harte Arbeit, wie der Pro-Gamer in einem Interview mit T-Online erklärt:

„Um mich für einen der 102 Plätze zu qualifizieren, gab es im Internet Vorausscheidungen, bei denen ich erfolgreich war. Dann habe ich im vergangenen Februar in etwa vier Wochen rund 82 Spiele gemacht und mich dabei gegen rund 72.000 Konkurrenten durchgesetzt.“

Professionalismus wie in der realen NBA

 

Wer annimmt, bei professionellen eSportlern handelt es sich um Fast-Food-Junkies, die an verklebten Controllern sitzen, irrt gewaltig. In der amerikanischen „NBA 2 K League“ werden Gehälter von $35.000 bis $40.000 jährlich gezahlt. Topspieler, die lukrative Werbeverträge ergattern, können im Jahr sogar bis zu $50.000 verdienen. Hinzu kommen Preisgelder für Playoff-Spiele.

 

Körperliche und geistige Fitness von eSportlern, die mittlerweile sogar die deutschen Krankenkassen beschäftigen, werden bei einem solchen Gehalt großgeschrieben.  Das bedeutet frühes Aufstehen am Morgen und diszipliniertes Training bis in die Abendstunden. Für Jannis Neumann beginnt der Tag mit einem 30-minütigem Team-Meeting. Im Anschluss folgen mehrere Trainingseinheiten, die zwei bis drei Stunden dauern können.

 

Testspiele gegen Teams aus Boston und Miami gehören ebenso zum Trainingsplan des Deutschen, wie Strategie- und Taktik-Besprechungen. Am Ende dauert ein Trainingstag 8-9 Stunden.

 

Das Team schafft den Erfolg

 

„NBA 2 K“ ist ein Mannschaftsspiel. Wer Erfolg haben will, muss sich auf sein Umfeld verlassen können. Diese Erkenntnis hat das eSport-Team der Dallas Mavericks anscheinend ohne Umwege vom NBA-Team der Dallas Mavericks übernommen.

 

So besteht das Trainer-Team, von dem Jannis Neumann in Dallas betreut wird, aus einem Headcoach, einem Assistenten und sogar einem Mentalcoach. Dieser ist eigens dazu da, die geistige Entspannung der Spieler zu unterstützen. Gearbeitet wird unter anderem mit Atemübungen.

Was ist „NBA 2 K”?

„NBA 2 K” ist eines der meistverkauften Sportspiele der Welt. Der erste Teil der Serie entstand bereits im Jahr 1999 und wurde von 2K Sports herausgegeben. Durch die Entwicklung des Online-Gaming-Marktes entwickelte sich das Spiel zu einer globale Sensation. Es entstanden Online-Ligen und sogar Profi-Teams wie die Dallas Mavericks, für die Jannis Neumann antritt.

Vom virtuellen Basketballplatz auf den echten Basketballplatz

 

eSport ist kein Sport für Couch Potatoes – zumindest nicht für Profis. Neben dem Spielen auf dem virtuellen Basketballplatz, gehört auch echte Basketballspiele zum Trainingsprogramm der Dallas Mavericks.

 

Jannis Neumann wird davon profitieren. Der Dinslakener hat früher selbst Basketball gespielt. Die Erfahrungen aus der Zeit in Schulmannschaften kann er jetzt in den elektronischen Leistungssport übertragen. Außerdem helfe es, viele NBA-Spiele zu sehen, um bei allen aktuellen Entwicklungen am Ball zu bleiben.

 

Ohnehin nutzt Mav Gaming Strategien aus den College-Ligen und der NBA ein, um seine eSportler zu trainieren. Videoanalysen und Replay-Analysen gehören zum Kern des Trainings.

 

Die Verbindung zu den NBA-Stars

 

Schon jetzt wird Jannik Neumann mit Dirk Nowitzki verglichen, der wie Neumann bei den Dallas Mavericks unter Vertrag steht – nur eben in der echten NBA. Dieser Vergleich ist schmeichelhaft, zählt Nowitzki doch zu den legendärsten NBA-Spielern aller Zeiten. Obwohl der 2,13-Meter-Riese selbst wenig Zeit an der Konsole verbringt, hat er Jannik Neumann bereits getroffen – eine riesige Ehre für den jungen Deutschen.

 

Warten auf Olympia?

 

In den letzten Monaten häuften sich die Diskussionen darüber, ob eSports olympische Disziplin werden sollte. Während die Kritiker virtueller Gewalt nicht verstehen können, warum Games wie „League of Legends“ und „Counter Strike“ olympisch werden sollten, sind die Aussichten für Sportspiele besser.

ESBD Logo

Der eSport-Bund Deutschland repräsentiert eGamer in Deutschland (Quelle: Wikipedia)

 

Zwar hatte IOC-Präsident Thomas Bach erst vor kurzem angekündigt, dass es unter seiner Führung keine Aufnahme von eSports geben werde, die Zeit ist aber ganz klar auf der Seite der eGamer. Hierfür sprechen nicht nur die steigenden Übertragungszahlen von eSports-Veranstaltungen in TV und Internet, sondern auch die steigende Zahl von Hobby- und Profi-eSportlern.

 

Die Chancen, dass Jannik Neumann irgendwann Teil einer deutschen Olympiamannschaft sein wird, stehen also gar nicht schlecht. Und auch wenn das IOC sich in der Zukunft gegen die Aufnahme von eSports in das olympische Programm stellen sollte, dürfte dies die Szene nur wenig berühren. Schon jetzt haben einige Games aus den eSports-Profi-Ligen mehr Zuschauer als olympische Events.

 

Eines scheint sicher: In Zukunft wird sowohl der Begriff eSport als auch der Name Jannik Neumann zum deutschen Sprachrepertoire gehören.