Samstag, 03. Dezember 2022

Studie: Einer von vierhundert Erwachsenen sucht Hilfe wegen Glücksspiel-Problemen

Rettungsring im Wasser Laut Studie nahmen mehr als zehn Millionen Menschen Hilfe wegen Glücksspiel-Problemen in Anspruch (Quelle: unsplash.com/Jametlene Reskp)

Weltweit hat einer von 400 Erwachsenen in seinem Leben bereits Hilfe aufgrund einer Glücksspiel-Problematik in Anspruch genommen. Zu diesem Schluss kommen australische Forschende in einer in dieser Woche veröffentlichten Studie.

Für ihre systematische Übersichtsarbeit hatten die Autorinnen die Ergebnisse von zwei Dutzend internationalen Studien analysiert, in denen Probanden zur Inanspruchnahme von Hilfe bei Glücksspiel-Problemen befragt wurde.

Problemspieler suchen besonders oft Hilfe

In dieser Woche erschien der Beitrag [Seite auf Englisch] Global prevalence of help-seeking for problem gambling: A systematic review and meta-analysis (dt. Weltweite Prävalenz der Hilfesuche bei problematischem Glücksspiel: Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse) in der wissenschaftlichen Monatszeitschrift Addiction.

In ihrer Betrachtung kommen die fünf australischen Wissenschaftlerinnen zu dem Schluss, dass rund 0,23 % der aktuellen volljährigen Weltbevölkerung entweder während der vergangenen zwölf Monate oder an einem anderen Punkt in ihrem Leben Hilfe aufgrund von Glücksspiel-Problemen gesucht haben.

Dies entspreche ungefähr einer von 400 Personen oder insgesamt mehr als zehn Millionen Menschen.

Als „Hilfesuche“ definierten die Forscherinnen in ihrer Arbeit „jede absichtliche Handlung zur Änderung des Glücksspielverhaltens, einschließlich professioneller Dienste (einschließlich persönlicher oder Fernhilfe), nicht-professioneller Hilfe (z. B. durch Familie und Freunde) und Selbsthilfe“.

Die mit Abstand meisten Hilfesuchenden gehörten der Gruppe der Personen mit problematischem Glücksspiel-Verhalten an. Hier werde die Prävalenz der Hilfesuchenden auf 20,63 % geschätzt. Deutlich niedriger seien die Prävalenzschätzungen bei Personen mit moderatem (3,73 %) und geringem (0,27 %) Glücksspiel-Risiko.

Heruntergerechnet bedeute dies, dass eine von 25 Personen mit mäßigem Risiko und einer von fünf Spielenden mit problematischem Glücksspiel wegen Problemen im Zusammenhang mit ihrem Glücksspiel-Verhalten Hilfe gesucht hätten.

Annahme von Hilfsangeboten noch nicht gut erforscht

Die veröffentlichte Analyse wertet die Erkenntnisse von 24 wissenschaftlichen Studien seit dem Jahr aus.

Zielsetzung, so die Verantwortlichen, sei die Einschätzung der „internationalen Prävalenz der Inanspruchnahme von Hilfe wegen problematischem Glücksspiel in der Allgemeinbevölkerung und in Untergruppen von Personen mit einem Risiko für problematisches Glücksspiel (d. h. geringes Risiko, mittleres Risiko und problematisches Glücksspiel)“ gewesen.

Verschränkte Hände auf Verandabrüstung

Die Prävalenz der Inanspruchnahme von Hilfe steigt mit der Schwere der Glücksspiel-Probleme (Quelle: unsplash.com/Ümit Bulut)

So gebe es bereits einige wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Faktoren, die bei der Entscheidung Betroffener Unterstützung zu suchen, zum Tragen kommen. Eine weltweite Betrachtung der Prävalenz, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei bislang jedoch ausgeblieben.

Den Forscherinnen zufolge habe es bei den untersuchten Studien teils große inhaltliche Abweichungen gegeben. Insgesamt werde die weltweite Prävalenz von schwerwiegenden Glücksspiel-Problemen auf 0,1 % bis 5,8 % geschätzt. Entsprechend existiere ein erheblicher Bedarf an Hilfsangeboten für Betroffene.

Die Wissenschaftlerinnen führen hierzu aus:

Das Glücksspiel wird international zunehmend als ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit anerkannt, und viele Länder bieten inzwischen Hilfe bei Glücksspielproblemen an, einschließlich professioneller Behandlung, nicht-professioneller Hilfe und Selbsthilfe. Die Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass diese Hilfe die Menschen erreicht, die sie suchen.

Wolle die Gesundheitspolitik einen Ansatz zur Bekämpfung von Glücksspielproblemen finden, so die Forscherinnen weiter, müsse sie sich auf fundierte Erkenntnisse darüber stützen, was Menschen aktuell tun, um den ihnen entstehenden Schaden durch das Glücksspiel zu verringern. Die nun veröffentlichte Analyse könnte hierzu beitragen.