, 01.12.2019

Am Donnerstag veröffentlichte die niederländische Glücksspielbehörde (Kansspelautoriteit, KSA) die Ergebnisse einer Spielsucht-Studie, welche der Behörde dazu dienen sollen, die Regulierung des Glücksspiels sowie die Arbeit von Spielsuchthilfsorganisationen effektiver zu gestalten.

 

Die Studie ist in Zusammenarbeit mit der niederländischen Spielsuchtorganisation AGOG (Anonieme Gokkers Omgeving Gokkers) erstellt worden. Auf Basis der Angaben der Studienteilnehmer haben die KSA und AGOG ein aktuelles Profil des Durchschnitts-Spielsüchtigen erstellt.

 

Für die Studie wurden ausschließlich Personen herangezogen, die sich als Spielsüchtige identifizieren und diesbezüglich Hilfe bei der anonymen Spielsucht-Selbsthilfegruppe von AGOG gesucht haben.

 

Besorgnis um steigende Spielsucht

Die niederländische Glücksspielbehörde bereitet sich derzeit auf die für 2021 angesetzte Eröffnung des Online Glücksspielmarktes vor. In dem Bestreben, auf dem künftigen Markt für bestmöglichen Spielerschutz zu sorgen, arbeitet die KSA eng mit Spielsuchtorganisationen zusammen.

 

Jüngste Frucht dieser Zusammenarbeit ist eine Studie [Seite auf Niederländisch], die einen Einblick in den Lebensalltag und das Spielverhalten eines „typischen“ Spielsüchtigen geben soll. Den Studienteilnehmern (Hilfssuchende bei AGOG) wurden dafür insgesamt 37 Fragen gestellt, die diese anonym beantworten konnten.

 

Obwohl die Teilnehmerzahl von lediglich 86 Personen verhältnismäßig gering ist, bezeichnet die Kansspelautoriteit die Ergebnisse der Befragung als aufschlussreich und nützlich für die Optimierung von auf Selbsthilfe basierten Hilfsangeboten.

 

Bleiben Männer lieber anonym als Frauen?

Frau sitzt verzweifelt vor einer Wand

Deutlich weniger Frauen in Selbsthilfegruppen (Bild: MaxPixel/CC0 Public Domain)

Von den 86 anonymen Studienteilnehmern haben 77 Personen (93%) angegeben, dem männlichen Geschlecht zuzugehören. Das decke sich laut AGOG weitgehend mit den allgemeinen Mitgliederzahlen (90% Männer, 10 % Frauen).

 

AGOG hat diese Zahlen mit den letzten Studienergebnissen (2016) des Statistik-Institutes für Suchterkrankungen (Instituut voor Onderzoek naar Leefwijzen & Verslaving, IVO) verglichen.

 

Laut IVO liege unter allen Spielsüchtigen der Anteil der Männer bei lediglich 75 %. AGOG erklärt diese Diskrepanz damit, dass die Daten des IVO auf den Angaben aus der offiziellen Spielsuchtherapie beruhten.

 

Frauen seien eher geneigt, sich einer anerkannten Spielsuchttherapie zu unterziehen. Männer bevorzugten es deutlich häufiger, anonym zu bleiben und folglich, anonymen Selbsthilfegruppen beizutreten.

 

Männlich, 37 Jahre, Vollzeitbeschäftigung

Auf Basis der Altersangaben aller Studienteilnehmer habe AGOG errechnet, dass der durchschnittliche Spielsüchtige 37 Jahre alt sei.

 

Demnach hätten fast 60 % der Befragten angegeben, zwischen 30 und 50 Jahren alt zu sein; lediglich 3,5 % gehörten zu den 18 bis 24 Jährigen und knapp 8 % seien älter als 65 Jahre.

 

Unabhängig der Altersgruppe hätten 58 % angegeben, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. 21 % hingegen seien eigenständige Unternehmer, lediglich 2 % seien arbeitssuchend.

 

Euro Geldscheine

Viele Spielsüchtige hochverschuldet (Bild: Pixabay)

Die Studienteilnehmer wurden des Weiteren befragt, wie viel Geld sie pro Monat für das Glücksspiel ausgeben. 30 % hätten angegeben, zwischen 500 und 1.000 Euro monatlich zu verspielen, 23 % zwischen 1.000 und 2.000 Euro und fast 6 % sogar mehr als 5.000 Euro.

 

Entsprechend der hohen Ausgaben vieler Spielsüchtiger interessierte sich AGOG auch für potentielle Schuldenprobleme. Hierbei haben sich erstaunliche Extreme herauskristallisiert.

 

So habe nämlich mehr als die Hälfte der Teilnehmer erklärt, keinerlei Schulden zu haben. Von den Verschuldeten jedoch seien nur wenige Personen lediglich leicht verschuldet (wenige Tausend Euro). 27 % der Verschuldeten habe in der Tat Schulden in Höhe von mehr als 40.000 Euro.

 

Größte Suchtgefahr durch Spielautomaten?

AGOG und die KSA wollten des Weiteren wissen, welche Glücksspielangebote am häufigsten genutzt und welche Glücksspielorte dafür am häufigsten aufgesucht würden. Mehrfachangaben waren hier möglich.

 

Laut den Angaben der Befragten spielten 63 % in Spielhallen, 55 % Online von zu Hause, 37 % bei Holland Casino, 20 % in Gaststätten und 3,5 % in Wettbüros.

 

In Übereinstimmung mit den Spielorten spielten 78 % Spielautomaten und 49 % typische Casino Spiele (Tischspiele). 23 % hingegen platzierten Sportwetten.

 

Auch unter den Online Spielern seien Spielautomaten die am meisten gespielten Spiele, gefolgt von Sportwetten, Casinospielen und schließlich Lotto.

 

Da das Online Glücksspiel derzeit in den Niederlanden noch illegal ist, könnte sich das Bild nach der Liberalisierung des Marktes deutlich ändern.