Mittwoch, 05. Oktober 2022

Landes­fachstelle Glücks­spiel­sucht NRW im Inter­view, Teil 2: Glücks­spiel-Werbung und mehr

Verena Küpperbusch, Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW Verena Küpperbusch von der Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW bezieht im Interview Stellung (Bild: Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW)

Zum Anlass des am 28. September stattfindenden Aktionstags Glücksspielsucht hat die News-Redaktion von Casinoonline.de ein Interview mit Verena Küpperbusch, Leiterin der Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW, geführt. Während es im ersten Teil des Gesprächs um die Gefährdung von Kindern, dem Schwerpunktthema der diesjährigen Veranstaltung, geht, äußert sich die Spielsucht-Expertin in Teil 2 unter anderem zur Glücksspiel-Werbung.

CasinoOnline.de: Erwarten Sie eine Zunahme der Glücksspielwerbung?

Verena Küpperbusch: Die Werbung für Glücksspiele ist bereits jetzt allgegenwärtig – in Zeitungen und Zeitschriften, im TV, im Internet und sogar beim Sport als Trikot- oder Bandenwerbung. Zusätzlich fließen Gelder für Sponsoring und Partnerschaften: Tipico ist Sponsor der ARD-Sportschau, das Stadion in Düsseldorf heißt „Merkur Spiel-Arena“, der Deutsche Fußballbund führt eine Partnerschaft mit „bwin“ und „tipwin“ ist offizieller Premium-Partner des Deutschen Basketball Bundes. Man kann diesen massiven Werbeoffensiven gar nicht entgehen.

Aber gegen dieses Überhandnehmen von Werbung formiert sich immer mehr Widerstand, wie zum Beispiel durch das Bündnis gegen Sportwetten-Werbung. Es setzt sich engagiert ein für die massive Einschränkung von Sportwetten-Werbung und verweist dabei auf das Vorgehen anderer europäischer Länder. Darüber hinaus fordert das Bündnis die Institutionen im Sport zur Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auf und fordert die Stärkung von Forschung und Prävention.

Ich hoffe, dass Initiativen wie diese sowie aktuelle Forschungsergebnisse dazu führen, dass Glücksspielwerbung zukünftig stärker eingeschränkt wird.

CasinoOnline.de: Wo sehen Sie die besonderen Gefahren der Werbung für Minderjährige?

Verena Küpperbusch: Minderjährige sind der massiven Werbung ebenso ausgesetzt, wie alle anderen. Und das, obwohl die einzig erlaubte Werbung nach den Erläuterungen zum GlüStV nur dazu dienen darf, „möglichst viele der ohnehin spielentschlossenen Personen in dem erlaubten Markt zu halten bzw. dorthin zu kanalisieren“. Studien zeigen jedoch, dass Minderjährige zu den durch Werbung besonders gefährdeten Gruppen zählen und stark durch sie beeinflusst werden: Glücksspielwerbung wirkt verstärkt spielanreizend und führt zu falschen Vorstellungen über die Beeinflussbarkeit des Ergebnisses.

Fußballspiel

Glücksspiel-Werbung ist in Deutschland weit verbreitet (Bild: YouTube)

Durch die allgegenwärtige Werbung wecken Glücksspiele zudem den Eindruck einer normalen Freizeitbeschäftigung. Dieser Effekt ist natürlich das Gegenteil von Aufklärung, Suchtprävention und Jugendschutz.

Der GlüStV und seine Folgen

CasinoOnline.de: Halten Sie die Regelungen des GlüStV in Bezug auf den Spielerschutz für ausreichend?

Verena Küpperbusch: Sicherlich lässt sich der Schutz für Glücksspielende weiter verbessern, z. B wäre ein Limit im terrestrischen Glücksspielbereich sinnvoll. Auch das Limit für Glücksspiele im Internet von 1.000 Euro wäre zu nennen: Wenn man hier ein durchschnittliches Monatseinkommen zugrunde legt, ist dieser Betrag sicher völlig illusorisch und viel zu hoch.

Darüber hinaus unterliegt der Glücksspielmarkt rasanten Entwicklungen. Derzeit wird das besonders am Übergang zwischen Gaming und Gambling sichtbar, z. B. in Bezug auf Lootboxen. Diese Veränderungen muss eine Regulierung im Blick haben. Entscheidend ist aber vor allem, dass die Regelungen lückenlos umgesetzt werden. Da sehe ich derzeit dringenden Verbesserungsbedarf.

CasinoOnline.de: Können Sie Verbesserungen erkennen bei den Maßnahmen der Online-Anbieter in Bezug auf den Spielerschutz?

Verena Küpperbusch: Inzwischen haben einige Unternehmen auch für virtuelle Automatenspiele eine Erlaubnis erhalten. Sie müssen sich selbstverständlich an die Regelungen des GlüStV halten. Darüber hinausgehende freiwillige Verbesserungen sind mir bislang nicht bekannt.

Leider gibt es aber noch immer viele Angebote im Internet, die keine Erlaubnis haben und weiter illegal bereitgestellt werden. Darin sehe ich ein großes Problem, weil diese Angebote die Regelungen des GlüStV umgehen und auch die Maßnahmen zum Schutz der Glücksspielenden nicht einhalten.

CasinoOnline.de: Was erhoffen Sie sich von Politik/Glücksspielbehörde in Bezug auf das Glücksspiel?

Verena Küpperbusch: Von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder erhoffe ich mir, dass sie Ihre Aufgabe als Glücksspielaufsicht zeitnah vollumfänglich wahrnehmen kann. Von der Politik wünsche ich mir eine massive Beschränkung der Glücksspielwerbung und eine Verbesserung der personellen Ausstattung der Ordnungsämter, damit auch sie in die Lage versetzt werden, ihren Kontrollverpflichtungen nachzukommen.

Lesen Sie im ersten Teil des Interviews mehr zum Thema Gefährdung von Kindern aus glücksspielsuchtbelasteten Familien.