, 08.06.2020

Ein Senior aus Frankreich, der in Deutschland Lotto spielen wollte, hat am vergangenen Freitag am Grenzübergang zwischen den Ländern für Aufregung gesorgt. Trotz der Anweisungen der Grenzbeamten, das Land aufgrund der Corona-Beschränkungen zu verlassen, habe der 65-Jährige ein Kiosk aufgesucht. Hier sollen die Beamten ihn gewaltsam daran gehindert haben, seinen Lottoschein abzugeben, wie ein der Saarbrücker Zeitung vorliegendes Video zeigt.

 

Am Freitagmittag habe der Franzose aus Lothringen den Grenzübergang „Goldener Bremm“ überquert. Die Anweisung der Beamten, die ihn zum Anhalten aufforderten, habe er ignoriert und sei weitergefahren.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen ist Anwohnern aus den Grenzgebieten ein Übertritt der deutsch-französischen Grenze bis zum 15. Juni nur dann erlaubt, wenn ein wichtiger Einreisegrund vorliegt. Dieser muss auf einem entsprechenden Formular angegeben und durch geeignete Nachweise glaubhaft gemacht werden.

Erst in einer Seitenstraße auf der deutschen Seite der Grenze habe der Senior angehalten und den Beamten mitgeteilt, Lotto spielen zu wollen. Als die Polizisten ihn zur Ausreise aufgefordert hätten, habe er die Anweisung ignoriert und ein Kiosk betreten, um seinen Lottoschein abzugeben.

 

Beim Lottospielen aus dem Laden gezerrt

 

Hierhin seien ihm die Beamten gefolgt und hätten ihn wiederholt aufgefordert, das Land zu verlassen. Als er sich dieser Aufforderung wiedersetzt habe, hätten sie ihn am Arm gegriffen und hinausgeführt, so ein Sprecher der Bundespolizei. Daraufhin sei der Lottospieler gestolpert und gestürzt.

 

Dieser Darstellung jedoch widerspricht eine Dienstaufsichtsbeschwerde, die der Kioskbesitzer gegen die Beamten eingeleitet hat. Dieser zufolge seien die Beamten „brutal“ und „skandalös“ vorgegangen. Sie hätten den Mann aus dem Laden gezerrt, zu Boden gebracht und fixiert.

 

Die Situation habe sich erst beruhigt, als weitere Beamte hinzugekommen seien. Ein der Saarbrücker Zeitung vorliegendes Video dokumentiert das Vorgehen der Bundespolizisten.

 

Ein Sprecher der Bundespolizei äußerte sich am Sonntag zu den Vorwürfen:

Wir nehmen den Sachverhalt sehr ernst. Wenn sich Ansatzpunkte für ein Fehlverhalten der Beamten ergeben sollten, werden wir auch disziplinarische Maßnahmen prüfen.

Auch der Oberbürgermeister Saarbrückens, Uwe Conradt (CDU), wünsche sich eine schnellstmögliche Aufklärung des Vorfalls und habe Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bereits in einem Brief hierum gebeten.