, 22.10.2019

Auf seiner Webseite animiert das Teenie-Magazin „Mädchen“ seine jungen Leserinnen, ihr Glück in Online Casinos auszuprobieren, und verlinkt in seinen Texten auch gleich die entsprechenden Seiten. Dies deckte der medienkritische Blog „bildblog“ auf. Das Spiel um Geld im Internet mache Spaß und steigere die eigene Attraktivität, so die Botschaft an das minderjährige Zielpublikum.

 

„Glückssrituale“ für Online Casinos

 

Während die Themen „Liebe“ und „Beauty“ ebenso wie „Schule“ oder „Stress mit den Eltern“ seit Erstveröffentlichung der Zeitschrift „Mädchen“ vor knapp 40 Jahren Dauerbrenner darstellen, scheint sich die Redaktion derzeit für ein weiteres Thema stark zu machen. Dies legt eine aktuelle Recherche des bildblogs nahe.

 

In gleich mehreren Veröffentlichungen legt mädchen.de dem minderjährigen Zielpublikum derzeit ans Herz, Fortuna in Online Casinos herauszufordern. Nicht nur steigere das Spiel um Geld die eigene Attraktivität, der Herbst sei auch die ideale Zeit, um Glücksrituale zu vollziehen, deren Wirkung dann umgehend bei Glücksspiel oder Sportwetten in Internet getestet werden könne:

Im September, Oktober und November liegt etwas Magisches in der Luft und wenn du dir diese magische Zeit für, zum Beispiel, live wetten oder NetBet Casinos zu Nutzen machen willst, dann hast du jetzt die Gelegenheit! Vor allem im Oktober sind die magischen Ströme um uns herum besonders stark und du kannst einfache magische Rituale ausprobieren, vor allem Liebes- und Glücksrituale! Willst du es mal versuchen? Hast du Lust?

Ähnlich wie die Kultzeitschrift „Bravo” versteht sich die „Mädchen“ als Medium für Unterhaltung und Hilfestellung für Pubertierende. Es geht um Stars und die erste Liebe, um Tipps gegen Pickel und Antworten auf sexuelle Fragen. Dass den weiblichen Jugendlichen nun offen zum Glücksspiel im Internet geraten wird, irritiert auf mehr als einer Ebene.

 

Texte gleich mehrfach problematisch

 

Laut Gesetz dürfen Minderjährige in Deutschland nicht am Spiel um Geld teilnehmen. Für unter 18-Jährige ist das Betreten von Spielbanken, Casinos und Spielhallen untersagt. Auch darf sich Glücksspielwerbung nicht an Kinder und Jugendliche wenden. Generell muss Werbung als solche gekennzeichnet werden.

 

Weiterhin sind die Angebote von Online Casinos in Deutschland, abgesehen von wenigen Ausnahmen, verboten. Dennoch verlinkt die deutsche Seite mädchen.de in ihrem Artikel „Magischer Herbst – Glück im Spiel und Glück in der Liebe!“ zu Seiten des Anbieters NetBet Enterprises Limited, der mit einer in Deutschland nicht akzeptierten maltesischen Lizenz operiert.

Logo der Zeitschrift Mädchen

Die Jugendzeitschrift “Mädchen” ist bereits seit über 40 Jahren am Markt (Quelle:wikipedia.org/Mädchen (Zeitschrift), Schöpfungshöhe nicht erreicht)

 

Das Jugendmagazin „Mädchen“ erscheint seit 1976 und widmet sich vornehmlich den Alltagssorgen weiblicher Teenies. Das Onlineangebot mädchen.de ist Teil des OK! Verlags der Mediengruppe Klampt. Für die Vermarktung von mädchen.de ist die Gruner + Jahr Electronic Media Sales (EMS) zuständig.

 

Marketingagenturen zufolge richtet sich die „Mädchen“ insbesondere an Teenager im Alter zwischen 12 und 18 Jahren. Die digitale Reichweite liegt laut Verlag im Jahr 2019 bei monatlich zwischen 2,9 Millionen und 5,7 Millionen Seitenaufrufen.

 

Durchschnittlich 700.000 User sollen mädchen.de im Monat besuchen.

Diverse Online Casinos als Werbepartner

 

Um die Liebe geht es den Autoren auch im Text „Worauf stehen Jungs bei Mädchen? Die 5 Top Eigenschaften, auf die alle Jungen stehen!“. Eine der „Top Eigenschaften“ sei der „Sinn für Spiel und Spaß“.

 

Weiblicher Teenager vor Laptop

Sollen Teenager über mädchen.de ans Online Glücksspiel herangeführt werden? (Quelle:pxhere.com, licensed under CC0)

Wer Herausforderungen suche, finde diese auf den verlinkten Seiten des Schweizer Casinos Davos. So müsse man sich nicht mehr zwischen Glück in der Liebe und Glück im Spiel entscheiden.

 

Im Text „Spieleabend für Groß und Klein – so wird er ein Erfolg“ erklären die Autoren den Leserinnen, dass der Spieltrieb in der Natur des Menschen liege, es müsse aber nicht immer Mensch-ärgere-Dich-nicht auf dem Plan stehen.

 

Stattdessen könne man auch Poker, Blackjack oder Roulette spielen. Wer den eingefügten Links folgt, gelangt auf Seiten der Zamedia N.V., Betreiber diverser Online Casinos und Glücksspiel-Vergleichsseiten mit Sitz auf den Niederländischen Antillen.

 

Statement steht aus

 

Bislang liegt keine Stellungnahme der mädchen.de-Redaktion oder des Mutterhauses Gruner + Jahr zu den Recherchen des bildblog vor. Gerade im Kontext der aktuellen Debatte um simuliertes Glücksspiel in Bezug auf Minderjährige wird sich die Redaktion diesbezüglich wohl einige Fragen gefallen lassen müssen.

 

Unter anderem dürfte es darum gehen, warum Veröffentlichungen, die sich klar an die äußerst junge Zielgruppe „Teenie-Mädchen“ wenden, verbotenes Glücksspiel offensiv bewerben und mit einem „Coolness-Faktor“ ausstatten.