Mittwoch, 26. Januar 2022

Tiger King 2.0? Ringen um Großkatzenshow in Glücksspiel-Metropole Las Vegas

Fauchender Tiger guckt in Kamera In Las Vegas sorgen die Tiger-Pläne Von Magier Owenhouse für Unruhe (Quelle:commons.wikimedia.org/Dody.bukittingg licensed under CC BY-SA 4.0)

In der Glücksspiel-Metropole Las Vegas herrscht ein erbitterter Streit um die Pläne von Magier und Großkatzenbesitzer Jay Owenhouse. Der 58-Jährige betreibt eine eigentlich mobile Zauber- und Tiger-Show. Ein ähnliches Konzept hatte zeitweise auch der mittlerweile inhaftierte „Tiger King“ Joe Exotic verfolgt.

Nun kämpft Owenhouse darum, seine Zelte für ein Jahr nahe dem Sahara Casino am Strip aufzuschlagen. Die Tiger sollen abseits der Shows derweil in einem Außenkäfig zu sehen sein.

In dieser Woche beschäftigte sich der zuständige Stadtbeirat in Las Vegas mit Owenhouse und seinen vielen lautstarken Kritikern. Zu diesen soll auch Howard Baskin, Ehemann von Tiger-King-Erzfeindin Carole Baskin, gehören.

Siegfried & Roy oder Joe Exotic?

Am 17. November ging der Netflix-Erfolg „Tiger King“ in die zweite Runde. Die Doku-Serie verfolgt das wilde Leben des mittlerweile inhaftierten Großkatzen-Enthusiasten Joe Exotic und seines nicht minder schillernden Umfelds.

Tiger King Joe Exotic Mugshot

Tiger King Joe Exotic befindet sich aktuell in einem Haftkrankenhaus in Texas. Er soll an Krebs erkrankt sein (Quelle:gemeinfrei)

Auch Joseph Allen Maldonado-Passage (geb. Schreibvogel) alias Joe Exotic tourte einst als Zauberkünstler mit Großkatzenunterstützung durch die Lande.

Fast pünktlich zum Staffelstart schaffte es das Thema „Großkatzen in Privathänden“ auch in Las Vegas auf die Tagesordnung.

In der Glücksspiel-Stadt, in der einst das Zauberduo Siegfried & Roy mit seinen Tiger-Shows alle Rekorde brach, bemüht sich aktuell der Magier Jay Owenhouse um die Umsetzung seiner ganz eigenen Großkatzen-Pläne.

185 Quadratmeter für drei Tiger

Geht es nach dem Zauberer, sollen seine drei Tiger ab Februar sechs- bis siebenmal pro Woche mit ihm auf der Bühne stehen. Weiterhin sollen sie für die zahlende Kundschaft auch auf dem Gelände zu sehen sein.

So sei geplant, die Tiere neben dem Show-Zelt in einem „temporary sanctuary“, also einem zeitlich befristeten Schutzzentrum, unterzubringen. Dieses bestehe aus einem rund 185 Quadratmeter großen Käfiggehege. Ungefähr so viel Platz hätte auch den Großkatzen von Siegfried und Roy während ihre Jahrzehnte im Mirage Casino zur Verfügung gestanden.

Owenhouse betont, keine Tiershows veranstalten zu wollen. Vielmehr handele es sich um eine Zaubershow, bei der die Tiger nur zeitweise zu sehen seien. Eigentlich gehe es dem selbsterklärten Tierschützer aber vor allem um etwas anderes, so der 58-Jährige im Interview mit dem Sender ktnv [Seite auf Englisch]:

Worauf wir uns wirklich konzentrieren, ist die Aufklärung der Menschen über die Rolle des Tigers und darüber, wie die Tiere wirklich behandelt werden müssen […] Es geht nicht nur darum, dass wir unsere Tiere während der Show mit den Menschen teilen, sondern auch darum, über Tiger in der Wildnis zu sprechen.

Proteste gegen Tiger-Pläne

In dieser Woche beschäftigte sich das Winchester Town Board in der Casino-Stadt mit dem Antrag des Magiers auf eine entsprechende Lizenz. Bei der öffentlichen Anhörung kamen zahlreiche Gegner des Projekts zu Wort. Über eine Stunde lang trugen Anwohner und Tierschützer ihre Bedenken in Bezug auf die Sicherheit und das Wohlergehen von Mensch und Tier vor.

Im Vorfeld hatte unter anderem bereits die Tierrechtsorganisation PETA ein Statement veröffentlicht, in dem sich auch die Leiterin des Bereichs Captive Animal Law Enforcement deutlich positioniert hatte. So betonte Rachel Mathews:

Tiger sind einzelgängerische Jäger, die im Dschungel in Flüssen schwimmen sollten statt in Käfigen auf Parkplätzen auf und ab zu gehen. PETA fordert die Behörden auf, Jay Owenhouse‘ Antrag für eine nicht mehr zeitgemäße Zaubershow und ein Tigerzelt verschwinden zu lassen.

Las Vegas-Magier im Clinch mit den Baskins

Als ausgesprochener Owenhouse-Kritiker gilt auch Howard Baskin von der Organisation „Big Cat Rescue“. Lokalen Medien zufolge habe der ebenfalls aus der „Tiger King“-Serie bekannte Ehemann von Joe Exotic-Intimfeindin Carole Baskin in einem Brief gegen die Las-Vegas-Pläne protestiert.

Bereits im Jahr 2019 hatte Big Cat Rescue auf seiner Homepage scharf gegen einen Auftritt von Owenhouse in Washington geschossen [Seite auf Englisch].

Neben PETA und dem Ehepaar Baskin gibt es mindestens einen weiteren Akteur, der die Geschichten von Jay Owenhouse und Joe Exotic verbindet.

So hatte ersterer Medienvertretern gegenüber wiederholt bestätigt, die nun zur Diskussion stehenden Tiger von dem ebenfalls aus „Tiger King“ bekannten Bhagavan „Doc“ Antle gekauft zu haben.

Tiger King Doc Antle

Doc Antle ist eine weitere schillernde Persönlichkeit aus dem „Tiger King“-Universum (Quelle:commons.wikimedia.org/Zoofriend, licensed under CC BY-SA 4.0)

Aktuell ist Antle in 15 Punkten, unter anderem wegen Tierschmuggel und – quälerei, angeklagt. Der Prozessbeginn ist für Sommer 2022 geplant.

Der dreiköpfige Stadtbeirat folgte den Argumenten der Kritiker und sprach sich einstimmig gegen die Pläne des Großkatzenhalters aus. Vom Tisch sind diese damit jedoch nicht.

Dem Protokoll zufolge muss der Rat seine Empfehlung nun gemeinsam mit Owenhouse‘ Antrag an die zuständige Bezirkskommission weitergeben. Diese hatte Owenhouse bereits bei früheren, ähnlichen Plänen grünes Licht gegeben. Die Pläne, Show und Tiger-Sanctuary in der der Nähe des Mandalay Casino Resorts stattfinden zu lassen, hatten sich jedoch anderweitig zerschlagen. Medien zufolge soll die Entscheidung der Kommission noch in diesem Monat fallen.